Corona: Wo Visiere als Alternative zur Maske gelten

Veröffentlichungsdatum: 
04.08.2020
Autor:
Angelika Miller
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Augenoptiker mit Gesichtsvisier und Kundin
Eine deutschlandweite Regelung, ob Face Shields als alternative Schutzmaske gelten, gibt es nicht.
© Schweizer

Während die Maskenpflicht bundesweit gilt, sorgt die Frage, welche Artikel als zulässige Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) gelten, für Verwirrung. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, hatte das Ordnungsamt der baden-württembergischen Hauptstadt Gesichtsvisiere zunächst genehmigt, musste die Erlaubnis jedoch im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration wieder zurückziehen. Die Entscheidung, was als Maske gilt, liegt bei den einzelnen Bundesländern. Doch wo gelten Face Shields als zulässige Alternative zur Gesichtsmaske und wo nicht?

Während die DOZ im April im  Artikel "Gesichtsschutz: Plastikvisier - Eine Alternative zur Gesichtsmaske?" noch darüber schrieb, dass in den Richtlinien zur Maskenpflicht der einzelnen Bundesländer die Plastikvisiere nicht erwähnt werden, sind Face Shields heute in einigen Corona-Schutzverordnungen als zulässige MNB zu finden. Dass sich die Aussagen der Landesregierungen hinsichtlich der Face Shields im Verlauf der letzten Wochen mehrmals geändert haben, ist nicht verwunderlich - denn selbst Experten sind sich nicht einig über den Schutzgrad der Plastikscheiben.

Experten sind sich uneins

So hält das Robert Koch-Institut (RKI) die Visiere nach wie vor nicht für eine ‚gleichwertige Alternative‘ zur herkömmlichen Maske. Grund: Die Plastikscheiben könnten in der Regel maximal nur die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen, heißt es auf der Website des Institus.Der Virologe und Seuchen-Experte Prof. Alexander Kekulé hat in einem Interview mit dem MDR die Visiere als „genauso gut“ wie Stoffmasken bezeichnet. Zwar könnten sich die Aerosole (Schwebepartikel), etwa wenn eine Person sehr lange an einem Platz sitze, trotzdem in der Luft verteilen, aber die ganz feinen Tröpfchen spielten bei der Infektion keine große Rolle. Dagegen könne es sein, dass sich bei einem Mundschutz, der längere Zeit getragen und feucht werde, eigene Vieren sammelten. Ein Mundschutz müsse daher immer trocken sein.

Face Shields bestehen aus durchsichtigem, biegsamem Kunststoff und decken das Gesicht vom Kinn bis zur Stirn ab. Sie werden meist mit einem Gummiband an der Stirn befestigt und schweben vor dem Gesicht. In welchen Bundesländern man die Visiere anstatt der herkömmlichen Stoffmasken tragen darf, hat die DOZ zusammengefasst.

In welchem Bundesland sind Visiere als Alternative erlaubt und wo nicht?

Stand: 4.08.2020

Baden-Württemberg: Nach Angaben des Staatsministerium Baden-Württemberg entspreche das Face-Shield nicht den Corona-Vorgaben des Landes und sei lediglich eine Art Spuckschutz. Die Alternative Schutzschild sei – wie ein Motorradhelm – als ungeeignet anzusehen.

Bayern: Laut dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration stellen Visiere (aus Plastik oder anderem Material) keinen gleichwertigen Ersatz für eine Maske dar.

Berlin: Die Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeister von Berlin weist im Hinblick auf die unterschiedlichen Masken-Arten auf das Merkblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hin, bei dem Schutzvisiere nicht unter die Rubrik Mund-Nasen-Bedeckung fallen.

Brandenburg: Der Pressesprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, G. Hesse, hat auf Nachfrage bestätigt, dass Plexiglasvisiere in Brandenburg nicht als MNB ausreichend sind. Selbst hergestellte Masken sowie Schals, Tücher u.ä. sind zugelassen.

Bremen: Nach Angaben des Gesetzblattes der Freien Hansestadt Bremen vom 24. April 2020 gelte als zulässige Mund-Nasen-Bedeckung ausschließlich „eine textile Barriere, die aufgrund ihrer Beschaffenheit geeignet ist, eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln durch Husten, Niesen und Aussprache zu verringern, unabhängig von einer Kennzeichnung oder zertifizierten Schutzkategorie; geeignet sind auch Schals, Tücher, Buffs, aus Baumwolle oder anderem geeigneten Material selbst hergestellte Masken oder Ähnliches“.

Hamburg: Auf hamburg.de ist nachzulesen, dass Schutzvisiere - beispielsweise aus Plexiglas – anstelle einer Schutzmaske getragen werden dürfen.

Hessen: Seit dem 15.05.2020 sind laut Angaben des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration neben Schals und Tüchern auch Gesichtsvisiere als Mund-Nasen-Bedeckung erlaubt.

Mecklenburg-Vorpommern: Auf Anfrage erklärt der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes G. Bauer, dass Visiere nicht als gleichwertige Alternative zur MNB angesehen werden. Dabei stützt er sich auf den Aussagen des RKI sowie des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Niedersachsen: Nach Angaben der Niedersächsischen Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind Visiere anstelle einer Schutzmaske erlaubt.

Nordrhein-Westfalen: Die Corona-Schutzverordnung in NRW sieht das Tragen einer „textilen Mund-Nasen-Bedeckung (zum Beispiel Alltagsmaske, Schal, Tuch)" vor. Face Shields gelten demnach nicht als Alternative. Die Staatskanzlei hat dies auf Nachfrage bestätigt.

Rheinland-Pfalz: In Rheinland-Pfalz sind Visiere aktuell nicht als Mund-Nasen-Bedeckung zugelassen, doch dürfen Verkäufer und Gastronomen sowie Dienstleister unter der Voraussetzung, die geltenden Abstandsregeln einzuhalten, Face Shields anstelle einer Maske tragen. Auf Nachfrage hat der Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung erklärt: „Da Augenoptiker eine körpernahe Dienstleistung wahrnehmen und den Mindestabstand in der Regel nicht einhalten können, fallen sie nicht unter diese Ausnahme.“ Nachdem die  rheinlandpfälzischen Regierung zunächst ausschließlich Schals oder Tücher über Mund und Nase als Alternative zu Schutzmasken bezeichnet hatten, durften ab dem 6. Mai 2020 auch Gesichtsvisiere anstelle der Masken getragen werden.

Saarland: Bei der Debatte um die Zulässigkeit von Visieren stützt sich das Saarland auf die Aussagen des RKI und sieht Face Shields daher nicht als gleichwertige Alternative zur MNB vor.

Sachsen: Wie die saarländische Regierung verweist auch die Website sachsen.de auf das RKI und bezeichnet Visiere daher nicht als Ersatz für eine textile Mund-Nasen-Bedeckung.

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt ist eine textile Barriere Voraussetzung einer geeigneten Maske, wie zum Beispiel Schals, Tücher oder Buffs aus Baumwolle oder anderem geeigneten Material – Face Shields sind demnach als Alternative unzulässig.

Schleswig-Holstein: Die Landesverordnung von Schleswig-Holstein geht in Hinblick auf die Maskenregelung explizit auf Handwerker ein. So schreibt das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren auf Nachfrage: „Wie in der Begründung der Landesverordnung aufgeführt, gilt für Personal des (Gesundheits-) Handwerks bei Tätigkeiten am Gesicht der Kundin/des Kunden ein Gesichtsschild bzw. – visier oder eine Schutzbrille ergänzend zu einer Mund-Nasen-Schutzmaske zu tragen.“ Wie ein Pressesprecher des Sozialministeriums auf Nachfrage betätigt, werden die Voraussetzung an die besonderen Schutzmaßnahmen nur in dieser Kombination (Maske+Visier) erfüllt. Für Nutzer des ÖPNV und beim Betreten von Geschäften gelten andere Regeln: Hier genügen Gesichtsvisiere oder andere durchsichtige Schutzvorrichtungen aus Kunststoff als Mund-Nasen-Bedeckung.

Thüringen: Den Informationen der Thüringer Landesregierung zufolge, können „als Mund-Nasen-Bedeckung (…) selbstgenähte oder selbst hergestellte Stoffmasken, Schals, Tücher, Hauben und Kopfmasken sowie sonstige Bedeckungen von Mund und Nase verwendet werden. Die Mund-Nasen-Bedeckung soll eng anliegen und gut sitzen“. Demzufolge sind Face Shields keine gültige Alternative zur Maske.

Eine Übersicht der Visiere, Face Shields, Masken und weiteres Schutzmaterial für Augenoptiker finden Sie hier und in der DOZ 06|2020 ab S. 8, die am 28. Mai erschienen ist.