75 Jahre Erfindung der modernen Kontaktlinse

Heinrich Wöhlk: Sehend auf Augenhöhe geblieben

Weniger ist mehr! Heinrich Wöhlk ist bei der Erfindung der modernen Kontaktlinse der Verzweiflung nahe, ehe er den Durchbruch vermelden kann und die Erfolgsgeschichte der formstabilen Kontaktlinse beginnt. Mehr noch als seine Erfindung wird Wöhlk selbst zum Mythos, insbesondere dort, wo Wöhlks Contactlinsen den Weg in die ganze Welt antreten: In Kiel und Schönkirchen bewahren Mitarbeiter und Ex-Kollegen auch dreißig Jahre nach dem Tod des Pioniers dessen Erbe.
Heinrich Wölk am Reißbrett

Heinrich Wöhlk erfand vor 75 Jahren die erste tragbare formstabile Kontaktlinse.

© Wöhlk

Es gibt Erfindungen, die sofort einem Namen zuzuordnen sind. Glühbirne: Thomas Alva Edison! Blitzableiter: Benjamin Franklin! Buchdruck: Johannes Gutenberg! Dampfmaschine: James Watt! Spätestens die Dampfmaschine offenbart, dass Lehrbücher nicht immer die richtigen Erfinder in den Vordergrund stellen. Watt nutzte beispielsweise vielmehr das 50 Jahre alte Wissen um die dampfbetriebene Maschine von Thomas Newcomen, um deren Erfolgsgeschichte in Gang zu setzen. Dass in diesem und bis ins nächste Jahr hinein die Erfindung der Kontaktlinse in Kiel gefeiert wird, ist aber so konsequent wie die dort seit 75 Jahren beibehaltene Schreibweise der Contactlinse. Denn nicht nur bei der Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen (VDCO) weiß man: „Heinrich Wöhlk hat durch die Erfindung der Corneallinse maßgeblich dazu beigetragen, schon frühzeitig den Bekanntheitsgrad der Kontaktlinse zu erhöhen. Seine Leidenschaft für Kontaktlinsen und sein Mut zur eigenen Unternehmensgründung 1947 ebneten der Kontaktlinse den Weg in die Zukunft. Durch seine eigene Leistung motivierte er viele Kolleginnen und Kollegen seiner Zeit, unter anderem die Gründungsmitglieder der damaligen VDC, Peter Abel und Otto Marzock“, schreibt Stephanie Mühlberg zum Jubiläum in ihrem Grußwort der VDCO. 

Heinrich Wöhlk hat vor 75 Jahren ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte mit der Erfindung der ersten tragbaren formstabilen Kontaktlinse auf den Weg gebracht. So wie Konrad Zuse als Erfinder des Computers gilt, muss Wöhlk als Vater der Kontaktlinse genannt werden, auch wenn in den Fachbüchern der Augenoptik zurecht die Namen von Adolf Eugen Fick, August Müller oder auch John Herschel ihren Platz gefunden haben. Wie Zuse ist Wöhlk kein Wissenschaftler im eigentlichen Sinne, vielmehr forscht er, tüftelt und erfindet im Geiste eines Unternehmers. Beide bauen ihre Maschinen zur Produktion des Endprodukts selbst und beide paaren erfinderisches mit kaufmännischem Talent.

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