Neue Aufgaben, klare Standards ZVA-Obermeistertagung 2026 in Berlin

Jaeger Obermeistertagung

ZVA-Präsident Kai Jaeger präsentierte den Bericht zur aktuellen Situation und gab einen Überblick über wichtige Entwicklungen für die Branche.

© ZVA/Peter Magner

Mit der Erweiterung der Möglichkeiten zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern kann der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) einen langjährigen berufspolitischen Erfolg verbuchen. Seit August 2026 dürfen Augenoptikbetriebe unter bestimmten Voraussetzungen auch die vorgeschriebenen Sehüberprüfungen für Berufskraftfahrer durchführen. ZVA-Präsident Kai Jaeger verwies bei der Obermeistertagung im Rahmen der Sichtkontakte in Berlin auf die Bedeutung kontinuierlicher berufspolitischer Arbeit. Die Neuregelung zeige, was sich durch Beharrlichkeit, fachliche Überzeugungsarbeit und langfristiges Engagement innerhalb der Verbandsorganisation erreichen lasse.

Rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus

Neben der Fahrerlaubnis-Verordnung berichtete Jaeger über weitere rechtliche und gesundheitspolitische Entwicklungen. Dazu gehört der Vergleich des ZVA mit Supervista (Brillen.de) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (die DOZ berichtete). Dieser stellt nach Angaben des Verbandes klar, dass auch bei remote durchgeführten Refraktionsverfahren die handwerksrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen.

Darüber hinaus setzt der ZVA seine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Gesundheitshandwerke fort, um die Interessen der Augenoptik in politischen Entscheidungsprozessen gemeinsam zu vertreten (die DOZ berichtete). Ein Schwerpunkt sind weiterhin die Bemühungen um faire Rahmenbedingungen für Augenoptikbetriebe bei der Versorgung gesetzlich Krankenversicherter mit Sehhilfen.
 

Obermeistertagung Carolin Truckenbrod

Dr. Carolin Truckenbrod erläuterte die fachlichen Anforderungen zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern.

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Neue Anforderungen an Berufskraftfahrer-Sehtests

Webinar Führerscheinsehtest

Neue Befugnisse beim Führerscheinsehtest

Webinar macht fit für Lkw-Sehtests

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Welche fachlichen und rechtlichen Anforderungen mit den neuen Untersuchungsmöglichkeiten verbunden sind, erläuterten Dr. Carolin Truckenbrod und ZVA-Geschäftsführer Dr. Jan Wetzel. Während Truckenbrod auf die fachlichen Voraussetzungen und geeignete Untersuchungsverfahren einging, beleuchtete Wetzel die rechtlichen Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten. Für Augenoptikbetriebe eröffnet die Neuregelung damit ein zusätzliches Tätigkeitsfeld, das zugleich entsprechende fachliche Qualifikationen und geeignete Untersuchungsgeräte voraussetzt.

Um die Betriebe bei der Umsetzung zu unterstützen, stellt der ZVA seinen Innungsmitgliedern Empfehlungen sowie Listen geeigneter Geräte zur Verfügung. Ergänzend gibt es ein für Innungsmitglieder kostenloses Webinar mit Dr. Carolin Truckenbrod, das praktische Fragen zur Durchführung der Untersuchungen behandelt. Das Webinar „Sehtest für Berufskraftfahrer: Was Augenoptikbetriebe jetzt wissen müssen“ auf dem COE-Campus verfügbar.

Qualitätsrichtlinien für das Myopie-Management

Auch das Myopie-Management stand auf der Tagesordnung. Dirk Schäfermeyer, ZVA-Abteilungsleiter Berufsbildung, stellte die Ergänzung der Arbeits- und Qualitätsrichtlinien für Augenoptik und Optometrie (AQRL) in diesem Bereich vor. Mit der Erweiterung der Richtlinien soll die qualitätsgesicherte Ausübung wachsender fachlicher Aufgaben in der Augenoptik unterstützt werden. Das Myopie-Management ist dabei ein Beispiel für ein Tätigkeitsfeld, in dem fachliche Standards angesichts neuer Versorgungsmöglichkeiten an Bedeutung gewinnen.

Daran knüpfte die Diskussion über regelmäßige Fortbildung an. Die Delegierten beschäftigten sich mit der Frage, wie die fachliche Qualifikation angesichts neuer Technologien und veränderter Anforderungen dauerhaft gesichert werden kann. Jaeger erläuterte dazu die rechtlichen Rahmenbedingungen einer allgemeinen Fortbildungspflicht im Handwerk und betonte, dass sich der Berufsstand weiter mit diesem Thema befassen müsse.

Podiumsdiskussion Sichtkontakte

(v.l.n.r.) Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Kai Jaeger (ZVA), Dr. Alex Hein, (Skleo Health), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health), Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwestschweiz) und Peter Gumpelmayer (ECOO) diskutierten das Potenzial neuer Technologien und KI beim Screening.

© ZVA/Peter Magner

Gemeinsame Eröffnung stellt Augenscreening in den Mittelpunkt

Bereits die Eröffnung des zweiten Tags der Sichtkontakte hatte sich mit einer zentralen Zukunftsfrage beschäftigt: Welche Rolle können Augenoptikerinnen und Augenoptiker bei der Früherkennung von Augenerkrankungen übernehmen, und welche Anforderungen müssen entsprechende Screening-Angebote erfüllen? Erstmals hatten ZVA, die Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen (VDCO) und die Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen (IVBS) die Eröffnung gemeinsam gestaltet. Ziel war es, wissenschaftliche und berufspolitische Perspektiven stärker miteinander zu verknüpfen.

Dr. Alex Hein, Geschäftsführer und Mitgründer von Skleo Health, stellte anhand der Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette dm dar, wie niedrigschwellige Screening-Angebote Menschen erreichen können, die sich bislang wenig mit ihrer Augengesundheit beschäftigt haben. ZVA-Präsident Kai Jaeger betonte anschließend, dass ein einfacher Zugang zu Untersuchungen allein nicht ausreiche. Entscheidend sei auch, wie mit auffälligen Ergebnissen umgegangen werde. Qualifizierte Augenoptikermeisterinnen sowie Optometristen könnten eine wichtige Rolle dabei übernehmen, Ergebnisse einzuordnen, verständlich zu erklären und gegebenenfalls die nächsten Schritte zu begleiten. „Es braucht nicht nur einen Versorgungspfad, sondern auch eine Versorgungskontinuität“, erklärte Jaeger. Peter Gumpelmayer vom European Council of Optometry and Optics (ECOO) zeigte anhand des Forschungsprojekts iScreen zur Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration, welches Potenzial eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Augenoptik bieten kann.

Screening zwischen Niedrigschwelligkeit und Fachkompetenz

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von DOZ-Chefredakteur David Friederichs moderiert. Auf dem Podium diskutierten neben den drei vorgenannten Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health) und Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwestschweiz) über unterschiedliche Ansätze des Augenscreenings sowie die Chancen und Grenzen neuer Technologien.
Im Mittelpunkt stand dabei das Spannungsfeld zwischen niedrigschwelligen Angeboten, technologischen Möglichkeiten und fachlicher Verantwortung. Die Diskussion verdeutlichte, dass KI-gestützte Verfahren und neue Screening-Modelle die augenoptische Gesundheitsvorsorge ergänzen können. Zugleich wurde die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte bei der Bewertung von Ergebnissen und der weiteren Begleitung der untersuchten Personen hervorgehoben.

Damit griff die gemeinsame Eröffnung zugleich Fragen auf, die bereits bei der Feier zum 75-jährigen Bestehen des ZVA am Vorabend diskutiert worden waren: Wie kann sich die Augenoptik fachlich weiterentwickeln, neue Aufgaben übernehmen und ihre bestehenden Kompetenzen gegenüber anderen Akteuren im Gesundheitswesen behaupten?
 

Ehrenzeichen Wolfgang Müller

Wolfgang Müller (links) erhielt von ZVA-Präsident Kai Jaeger das ZVA-Ehrenzeichen in Gold.

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ZVA-Ehrenzeichen in Gold für Wolfgang Müller

Im Rahmen der Obermeistertagung zeichnete der Verband außerdem Wolfgang Müller aus Bad Essen mit dem ZVA-Ehrenzeichen in Gold aus. Die höchste Auszeichnung des Verbandes würdigt sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, insbesondere in der Normungsarbeit. Müller gehört seit vielen Jahren dem Fachwissenschaftlichen Ausschuss des ZVA an und engagiert sich in verschiedenen Normungsgremien. Jaeger betonte in seiner Laudatio die Bedeutung dieser häufig wenig sichtbaren Arbeit für das Augenoptikerhandwerk. In seiner Dankesrede verwies Müller auf die Notwendigkeit kontinuierlicher fachlicher Weiterentwicklung. Eine einmal erworbene Meisterqualifikation reiche angesichts neuer Technologien und veränderter beruflicher Anforderungen nicht aus.

Zum Abschluss der Obermeistertagung appellierte Jaeger an die Delegierten, sich weiterhin aktiv in die Verbandsarbeit einzubringen und unterschiedliche Positionen konstruktiv miteinander zu diskutieren. Die Interessen des Berufsstands ließen sich nur durch gemeinsames Engagement und die Bereitschaft vertreten, Verantwortung zu übernehmen.

Geschrieben von

David Friederichs

David Friederichs

Große Themen mit gründlicher Recherche und kritischem Blick sind David Friederichs Spezialgebiet. Der DOZ-Chefredakteur schreibt am liebsten über das, was wirklich zählt – und sammelt dabei gerne Brillen. 

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