Neue Aufgaben, klare Standards ZVA-Obermeistertagung 2026 in Berlin
16.10.2026
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ZVA-Präsident Kai Jaeger präsentierte den Bericht zur aktuellen Situation und gab einen Überblick über wichtige Entwicklungen für die Branche.
Mit der Erweiterung der Möglichkeiten zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern kann der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) einen langjährigen berufspolitischen Erfolg verbuchen. Seit August 2026 dürfen Augenoptikbetriebe unter bestimmten Voraussetzungen auch die vorgeschriebenen Sehüberprüfungen für Berufskraftfahrer durchführen. ZVA-Präsident Kai Jaeger verwies bei der Obermeistertagung im Rahmen der Sichtkontakte in Berlin auf die Bedeutung kontinuierlicher berufspolitischer Arbeit. Die Neuregelung zeige, was sich durch Beharrlichkeit, fachliche Überzeugungsarbeit und langfristiges Engagement innerhalb der Verbandsorganisation erreichen lasse.
Rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus
Neben der Fahrerlaubnis-Verordnung berichtete Jaeger über weitere rechtliche und gesundheitspolitische Entwicklungen. Dazu gehört der Vergleich des ZVA mit Supervista (Brillen.de) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (die DOZ berichtete). Dieser stellt nach Angaben des Verbandes klar, dass auch bei remote durchgeführten Refraktionsverfahren die handwerksrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen.
Darüber hinaus setzt der ZVA seine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Gesundheitshandwerke fort, um die Interessen der Augenoptik in politischen Entscheidungsprozessen gemeinsam zu vertreten (die DOZ berichtete). Ein Schwerpunkt sind weiterhin die Bemühungen um faire Rahmenbedingungen für Augenoptikbetriebe bei der Versorgung gesetzlich Krankenversicherter mit Sehhilfen.
Dr. Carolin Truckenbrod erläuterte die fachlichen Anforderungen zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern.
Neue Anforderungen an Berufskraftfahrer-Sehtests
(v.l.n.r.) Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Kai Jaeger (ZVA), Dr. Alex Hein, (Skleo Health), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health), Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwestschweiz) und Peter Gumpelmayer (ECOO) diskutierten das Potenzial neuer Technologien und KI beim Screening.
Gemeinsame Eröffnung stellt Augenscreening in den Mittelpunkt
Bereits die Eröffnung des zweiten Tags der Sichtkontakte hatte sich mit einer zentralen Zukunftsfrage beschäftigt: Welche Rolle können Augenoptikerinnen und Augenoptiker bei der Früherkennung von Augenerkrankungen übernehmen, und welche Anforderungen müssen entsprechende Screening-Angebote erfüllen? Erstmals hatten ZVA, die Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen (VDCO) und die Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen (IVBS) die Eröffnung gemeinsam gestaltet. Ziel war es, wissenschaftliche und berufspolitische Perspektiven stärker miteinander zu verknüpfen.
Dr. Alex Hein, Geschäftsführer und Mitgründer von Skleo Health, stellte anhand der Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette dm dar, wie niedrigschwellige Screening-Angebote Menschen erreichen können, die sich bislang wenig mit ihrer Augengesundheit beschäftigt haben. ZVA-Präsident Kai Jaeger betonte anschließend, dass ein einfacher Zugang zu Untersuchungen allein nicht ausreiche. Entscheidend sei auch, wie mit auffälligen Ergebnissen umgegangen werde. Qualifizierte Augenoptikermeisterinnen sowie Optometristen könnten eine wichtige Rolle dabei übernehmen, Ergebnisse einzuordnen, verständlich zu erklären und gegebenenfalls die nächsten Schritte zu begleiten. „Es braucht nicht nur einen Versorgungspfad, sondern auch eine Versorgungskontinuität“, erklärte Jaeger. Peter Gumpelmayer vom European Council of Optometry and Optics (ECOO) zeigte anhand des Forschungsprojekts iScreen zur Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration, welches Potenzial eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Augenoptik bieten kann.
Screening zwischen Niedrigschwelligkeit und Fachkompetenz
Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von DOZ-Chefredakteur David Friederichs moderiert. Auf dem Podium diskutierten neben den drei vorgenannten Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health) und Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwestschweiz) über unterschiedliche Ansätze des Augenscreenings sowie die Chancen und Grenzen neuer Technologien.
Im Mittelpunkt stand dabei das Spannungsfeld zwischen niedrigschwelligen Angeboten, technologischen Möglichkeiten und fachlicher Verantwortung. Die Diskussion verdeutlichte, dass KI-gestützte Verfahren und neue Screening-Modelle die augenoptische Gesundheitsvorsorge ergänzen können. Zugleich wurde die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte bei der Bewertung von Ergebnissen und der weiteren Begleitung der untersuchten Personen hervorgehoben.
Damit griff die gemeinsame Eröffnung zugleich Fragen auf, die bereits bei der Feier zum 75-jährigen Bestehen des ZVA am Vorabend diskutiert worden waren: Wie kann sich die Augenoptik fachlich weiterentwickeln, neue Aufgaben übernehmen und ihre bestehenden Kompetenzen gegenüber anderen Akteuren im Gesundheitswesen behaupten?
Wolfgang Müller (links) erhielt von ZVA-Präsident Kai Jaeger das ZVA-Ehrenzeichen in Gold.
ZVA-Ehrenzeichen in Gold für Wolfgang Müller
Im Rahmen der Obermeistertagung zeichnete der Verband außerdem Wolfgang Müller aus Bad Essen mit dem ZVA-Ehrenzeichen in Gold aus. Die höchste Auszeichnung des Verbandes würdigt sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, insbesondere in der Normungsarbeit. Müller gehört seit vielen Jahren dem Fachwissenschaftlichen Ausschuss des ZVA an und engagiert sich in verschiedenen Normungsgremien. Jaeger betonte in seiner Laudatio die Bedeutung dieser häufig wenig sichtbaren Arbeit für das Augenoptikerhandwerk. In seiner Dankesrede verwies Müller auf die Notwendigkeit kontinuierlicher fachlicher Weiterentwicklung. Eine einmal erworbene Meisterqualifikation reiche angesichts neuer Technologien und veränderter beruflicher Anforderungen nicht aus.
Zum Abschluss der Obermeistertagung appellierte Jaeger an die Delegierten, sich weiterhin aktiv in die Verbandsarbeit einzubringen und unterschiedliche Positionen konstruktiv miteinander zu diskutieren. Die Interessen des Berufsstands ließen sich nur durch gemeinsames Engagement und die Bereitschaft vertreten, Verantwortung zu übernehmen.