Europa & Corona: Wie managen Unternehmen die Krise? - Teil 1

Veröffentlichungsdatum: 
27.03.2020
Autor:
Angelika Miller
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Annette Saust Estø und Sven Götti
Annette Saust Estø und Sven Götti äußern sich im DOZ-Interview zum Krisenmanagement von Fleye und Götti.
© DOZ / Angela Mrositzki; Götti Switzerland

Seit diesem Februar verbreitet sich das Coronavirus mit unvorhersehbarer Geschwindigkeit in der Welt. Der Umgang mit einer Krisensituation dieses Ausmaßes erfordert von allen Betroffenen ein systematisches Krisenmanagment für die Bewältigung der Gefahren. Dazu gehören eine transparente, widerspruchsfreie und wahrheitsgemäße Kommunikation. Verantwortungsvolle Information schafft Vertrauen – beides braucht es derzeit mehr denn je. Die DOZ hat Firmen aus diversen europäischen Ländern gefragt, wie sie mit der Krise umgehen und um ihre Einschätzung der Situation gebeten.

Fleye Copenhagen (Dänemark): Interview mit Annette Saust Estø

DOZ: Welche Maßnahmen hat das Unternehmen rund um die Ausnahmesituation mit dem Coronavirus getroffen?

Annette Saust Estø: Bei Fleye befolgen wir alle von der dänischen Regierung festgelegten Vorsichtsmaßnahmen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verringern und die Gesundheit und Sicherheit unseres Teams und unserer Kunden zu schützen. Seit dem 12. März folgen wir mit unserem Team einer Work-from-Home-Strategie, um bei reduzierter Kapazität die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten. Wir versuchen auch über die Distanz unseren Kunden das hohe Serviceniveau zu bieten, für das Fleye geschätzt wird.

Wurde die Produktion von Brillen gestoppt, reduziert?

Bisher funktioniert die Versorgung mit Brillen einwandfrei, wir bekommen ausreichend Produkte für unser Lager. Bisher können Brillenbestellungen wie gewohnt an unsere Kunden ausgeliefert werden. Priorität aber hat die Gesundheit aller, der Gemeinschaft. Wir und unsere Partner halten uns bei der Bearbeitung von Bestellungen an die globalen und lokalen Richtlinien zu COVID-19 zum Schutz der Hygiene und der Gesundheit.

Wie organisiert sich das Unternehmen für die kommenden Wochen?

Da sich COVID-19 sowohl auf unsere lokale als auch auf unsere globale Gemeinschaft auswirkt, beobachten wir die Situation in jedem Land sorgfältig. Wir erstellen flexible Pläne als Reaktion auf die offiziellen Empfehlungen der dänischen Regierung und befolgen die WHO-Richtlinien. Unsere Community und unser Team bilden den Kern unseres Geschäfts, ihre Gesundheit und Sicherheit haben oberste Priorität. Um die Auswirkungen für die Zukunft etwas abfangen zu können, entwerfen und entwickeln wir derzeit unsere neue Kollektion. So möchten wir sicherstellen, dass wir etwas präsentieren können, wenn diese Krise vorbei ist.

Wie hält Fleye Kontakt zu Kunden und Partnerunternehmen?

Wir haben Kundenbesuche für den nächsten Zeitraum ausgesetzt. Obwohl ein Ziel eine starke Präsenz vor Ort in allen unseren Märkten ist, ist Fleye auch stark digital präsent. Wir nutzen unsere digitalen Plattformen wie soziale Medien und Newsletter, um weiterhin mit unserer Community und unseren Kunden in Kontakt zu treten. Auch unser Kundenservice ist von zu Hause aus per E-Mail und Telefon erreichbar und bietet in diesen außergewöhnlichen Zeiten Beratung und Unterstützung.

Was kommuniziert das Unternehmen in diesen Tagen, und was nicht?

Zu unserer Philosophie gehört, offen und ehrlich zu kommunizieren, insbesondere in diesen besonderen Zeiten. Da wir alle zusammen diese Situation durchleben, brauchen wir Offenheit und Mitgefühl, um sie zu überwinden. Wir müssen uns die Zeit nehmen und gemeinsam handeln.

Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Pandemie ein? Arbeiten Sie an Strategien, wie den Konsequenzen entgegenzuwirken ist?

Es ist noch zu früh, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abschätzen zu können, zumal da wir in Dänemark erst am Beginn der Epidemie stehen. Die dänische Regierung hat eine Reihe von Initiativen eingeleitet, um Unternehmen dabei zu helfen, das Beste aus der Situation zu machen. Wir sind fest entschlossen, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen und die Krise bestmöglich zu bewältigen.

Götti (Schweiz): Interview mit Sven Götti

Welche Maßnahmen hat das Unternehmen rund um die Ausnahmesituation mit dem Coronavirus getroffen?

Sven Götti: Wir haben mit unserem Team einen Mix aus Kurzarbeit und Ferien vereinbart. Von 35 Personen arbeiten jetzt noch sieben im Betrieb, damit wir unsere Verantwortung gegenüber unseren Kunden wahrnehmen können. Unsere telefonische Beratung und unseren Lieferservice wollen wir auch in dieser schwierigen Zeit gewährleisten. Im Moment geht die Beratung mehr in Richtung Betreuung, beispielsweise zu Fragen, welche die Kurzarbeit betreffen. Wir nehmen uns einfach viel Zeit für Gespräche.

Wurde die Produktion von Brillen gestoppt, reduziert?

Unsere interne Produktion können wir relativ schnell stoppen und den Bedürfnissen anpassen. Die Produktion in Japan oder Deutschland können wir natürlich nicht mehr stoppen, wenn die Brillen schon halb fertig sind. Da können wir nur auf eine rasche Erholung der Situation hoffen.

Wie organisiert sich das Unternehmen für die kommenden Wochen?

Da wir zur Zeit eben nur im Notbetrieb besetzt sind, haben wir viel Platz und schauen, dass wir uns nicht zu nahe kommen. Die interne Produktion läuft weiter, damit wir Kundenbestellungen bearbeiten können. Die Kommunikation mit unseren Kunden finde ich sehr wichtig. Wir telefonieren viel und schauen mit jedem Kunden, dass wir ihn so gut wie möglich unterstützen. Wir wollen uns in dieser Zeit auf keinen Fall abkapseln. Die wirtschaftliche Entwicklung werden wir sehen. Es ist eine noch nie dagewesene Situation. Entscheidend wird sein, wie lange die Geschäfte geschlossen bleiben müssen.

Wie hält Götti Kontakt zu Kunden und Partnerunternehmen? Was kommuniziert das Unternehmen in diesen Tagen, und was nicht?

Es sind vor allem viele und auch gute Gespräche am Telefon. Jeder versucht den anderen so gut es geht zu unterstützen. Unsere Zulieferer in Japan und Deutschland arbeiten nach wie vor. Es ist ja auch, Stand heute, erst eine Woche vergangen, seit in der Schweiz und in unseren Hauptmärkten die Pandemie so richtig angekommen ist.  

Wie schätzt Götti die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Pandemie ein? Arbeiten Sie an Strategien, wie den Konsequenzen entgegenzuwirken ist?

Es kommt ganz darauf an, wie lange die Fachgeschäfte geschlossen bleiben und wie lange es braucht, bis der Endkonsument wieder Lust verspürt, sich etwas Gutes zu tun. So eine Situation ist für alle neu. Für Strategien ist es jetzt einfach noch zu früh. Wir werden vor allem alle solidarisch sein müssen, bis die gesamte Wirtschaft wieder anläuft. Ich hoffe, dass bei den Optikern und deren Kunden angekommen ist, dass eine lokale und hochwertige Produktion ein wertvolles Gut ist. Wir freuen uns auf jeden Fall schon jetzt auf den Moment, wenn unsere Produktion wieder auf Hochtouren läuft. Ganz nach dem Sprichwort: "Nothing lasts forever but at least we got these memories" - J. Cole.


Die DOZ dankt allen, die sich in diesen Tagen einen kurzen Moment Zeit nehmen, uns mit Informationen zu versorgen, ihre Gedanken zu äußern – und ja, auch emotional zu reagieren.

Die Interviews führte Angela Mrositzki


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