Digitale Medien und Myopiemanagement bei Schulkindern – Teil 2

Digitale Endgeräte sinnvoll einsetzen

Spätestens seit den Corona-bedingten Restriktionen ist die Nutzung digitaler Endgeräte auch für Schulkinder zum Alltag geworden. Allerdings kann die frühzeitige und intensive Nutzung digitaler Endgeräte das kindliche Sehsystem negativ beeinflussen, was unter Eltern und Pädagogen kaum bekannt ist. Der folgende Fachartikel veranschaulicht wesentliche Aspekte mit Blick auf den Umgang mit digitalen Medien und Myopie bei Schulkindern. Hier können Augenoptiker/ Optometristen Verbraucher über myopieprovozierende Umweltbedingungen aufklären und zu einem sinnvollen Umgang mit digitalen Medien beraten.
Schulkind blickt aus einer sehr nahen Distanz auf ein digitales Endgerät.

Schulkind blickt aus naher Distanz auf ein digitales Endgerät.

© AdobeStock / leszekglasner

In Deutschland ist die Anzahl der Brillenträgerinnen und -träger (ab 16 Jahre) in den vergangenen fünf Jahren auf 41,1 Millionen gestiegen. Deutliche Zunahmen sind nach den Ergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach bei den Jüngeren zu verzeichnen: bei Kindern unter 15 Jahren tragen circa 15 Prozent eine Brille, mehr als die Hälfte aller jungen Erwachsenen sind mittlerweile kurzsichtig [1]. In einzelnen asiatischen Ländern liegt die Rate noch deutlich höher. Obwohl die familiäre Disposition einen wesentlichen Risikofaktor für die Entwicklung einer Myopie darstellt [2], spielen vor allem Umweltfaktoren für die Ausbildung beziehungsweise Weiterentwicklung einer Myopie im Kindesalter eine wesentliche Rolle. Der Zusammenhang zwischen dauerhaftem Nahsehen und Entstehung beziehungsweise Zunahme einer Myopie gilt mittlerweile als gesichert. In diesem Kontext ist die intensive Nutzung von Smartphones und Tablets durch Kinder als Hauptursache zu betrachten.

Beim Lesen oder Spielen mit digitalen Endgeräten sind die Augen auf eine feste Entfernung in der Nähe eingestellt. Erfolgt dies täglich und über einen längeren Zeitraum, kann dies zu einem verstärkten Längenwachstum des Augapfels führen, sodass sich der Abstand zwischen Augenlinse und Netzhaut vergrößert.

Wie in Teil 1 (DOZ 12/2020) beschrieben, sind die meisten Kinder bei Geburt weitsichtig und am Ende der Kindergartenzeit aufgrund von Wachstumsprozessen des Auges normal- oder leicht weitsichtig. Eine Kurzsichtigkeit entsteht dann, wenn die Emmetropisierung weiterläuft. Da dies häufig mit dem Schulalter einhergeht, hat sich der Begriff „Schulmyopie“ etabliert. Die Kinder fallen auf, weil sie Objekte häufig näher vor das Gesicht halten und die Augen zusammenkneifen, um die unscharfen Bilder zu verbessern. Dabei zieht sich die Pupille zusammen, die Schärfentiefe nimmt zu und damit die Erkennbarkeit.

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