Eine Schweizer Idee im Leica-Gewand Prolens eröffnet weltweit ersten Leica Eyecare Store in Zürich

Leica

Zur Eröffnung des weltweit ersten Leica Eyecare Stores begrüßte Prolens etwa 80 Gäste in den neuen Räumlichkeiten in Zürich.

© Andreas Pretali

Erstveröffentlichung in der DOZ 08/2026

Klare Linien ziehen sich an den monumentalen Geschäftshäusern am Gustav-Gull-Platz in die Höhe. Die reduzierte Formensprache der vom Schweizer Architekten Max Dudler mitgeprägten Europaallee, einem der modernsten Stadtquartiere am Zürcher Hauptbahnhof, lädt geradezu dazu ein, den Fotoapparat zu zücken und die beeindruckenden Natursteinfassaden festzuhalten. Direkt vor der „Europfütze“, einem asymmetrischen Wasserspiegel, der den offenen Platz unterbricht, stoßen Besuchende auf einen in der Fotografie wohlbekannten Namen: Leica. Das neue Geschäft in der Europaallee hat jedoch nur bedingt etwas mit Kameras zu tun. Hier findet sich vielmehr der sinnbildliche Neuanfang eines traditionsreichen Zürcher Kontaktlinseninstituts. Nach 66 Jahren in der Josefstraße ist Ottlens im Mai 2026 unter dem neuen Namen Leica Eyecare Store an den Gustav-Gull-Platz umgezogen. Der Standortwechsel war zunächst reine Notwendigkeit: Das bisherige Gebäude muss vollständig saniert werden. Für Armin Duddek und seine Mitgeschäftsführer Marc Streit und Stefan Schumacher war der Umzug jedoch mehr als nur eine neue Adresse. Sie nutzten die Gelegenheit, das Geschäft konzeptionell vollständig neu zu denken. „Im alten Geschäft war die Optometrie noch etwas versteckt. Das war ein klassisches Etagenkonzept. Hier ist das schon eine ganz andere Welt“, sagt Stefan Schumacher. Diese „andere Welt“ eröffnet sich dem Kunden in einer klaren, zurückhaltenden Inneneinrichtung: hohe Decken, an denen Leinwände mit Fotografien angebracht sind, offene, dunkle Regale mit einer erlesenen Fassungsauswahl und viel Schwarz-Weiß. Man befindet sich offensichtlich in einem Augenoptikgeschäft, aber in einem mit Galeriecharakter.

Technisch hat sich das Geschäft ebenfalls vergrößert. Es stehen jetzt vier Refraktionsräume sowie ein eigener Diagnostikbereich mit Pentacam, Keratograph und weitereroptometrischer Messtechnik zur Verfügung. Bei der Umsetzung blieb das bisherige Kontaktlinseninstitut („Ottlens“) vollständig erhalten und bildet weiterhin das fachliche Herzstück des Unternehmens. Neu ist vor allem die Markenwelt um Ottlens herum. Premiumfassungen (Dita, Salt, Face à Face u. a.) treffen auf Premiumbrillengläser. Mutterunternehmen des Leica Eyecare Store ist Prolens, ein Schweizer B2B-Unternehmen. Seit 2024 vertreibt Prolens bereits Leica-Brillengläser in der Schweiz und in Liechtenstein. Der neue Store sei nun der nächste konsequente Schritt gewesen. Verkauft werde am neuen Standort ausschließlich das Leica-Glasportfolio. So entstand gemeinsam mit der Brand Leica Eyecare ein Geschäft, das sich gestalterisch an den weltweit rund 120 Leica Camera Stores orientiert, aber dennoch völlig eigenständig funktioniert. „Das Konzept bringt die Welt der Brillen und der Optometrie mit der Welt der Leica-Fotografie zusammen“, erklärt Schumacher. Dabei sei die Initiative ausdrücklich aus der Schweiz gekommen. Leica selbst habe den Store weder initiiert noch finanziert. „Für uns war das die ideale Symbiose, die Premiummarke Leica mit der Premiumoptometrie von Ottlens zu verbinden, die wir seit Jahrzehnten betreiben“, erläutert Marc Streit.

Schumacher, Duddek, Streit

Zuversichtlich am neuen Standort: Die Prolens- Geschäftsführer Stefan Schumacher, Armin Duddek und Marc Streit (v. l.) entwickelten das Konzept für den weltweit ersten Leica Eyecare Store.

© Andreas Pretali

Keine Vertikalisierungsabsichten

Dass ein Geschäft vollständig im Leica-Design auftritt, könnte den Anschein erwecken, der Kamerahersteller steige selbst in den Augenoptikhandel ein. Diesem Eindruck widerspricht Heiko Giloj, Head of Sales Leica Eyecare Deutschland, jedoch ausdrücklich. „Mir ist wichtig zu betonen, dass Prolens mit ihrem Leica-Eyecare-Store-Konzept keine Vertikalisierungsstrategie verfolgt. Im Mittelpunkt steht vielmehr die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unabhängigen Augenoptikerinnen und Augenoptikern, um gemeinsam neue Maßstäbe für das Markenerlebnis zu setzen“, sagt er. Der neue Store werde vollständig von Prolens betrieben. Leica liefere das Markenbild und unterstütze das Projekt, wirtschaftlich verantwortlich seien jedoch ausschließlich die Schweizer Unternehmer. „Der Store zeigt, wie sich Premium-Beratung, Markeninszenierung und Kundenerlebnis erfolgreich verbinden lassen – und kann damit anderen Augenoptikerinnen und Augenoptikern als Inspiration für die eigene Weiterentwicklung dienen“, erklärt Giloj, der zur Eröffnungsfeier am 2. Juli extra von Heuchelheim nach Zürich gereist ist.

„Wir wollen auch andere Betriebe inspirieren, auf Premiummarken zu setzen.“

Stefan Schumacher, Prolens

Die Schweizer Betreiber wollen den neuen Standort jedoch nicht nur als Fachgeschäft verstanden wissen. Geplant sind Vernissagen, Ausstellungen regionaler Fotografinnen und Fotografen sowie Veranstaltungen gemeinsam mit der Leica Academy Biel. Dafür wurde eigens ein flexibles Ausstellungssystem unter der Decke installiert. „Wir können den Laden dafür komplett umbauen. Der Leica Eyecare Store soll außerdem Startpunkt für Photowalks durch die Europaallee werden“, sagt Schumacher. Zur Eröffnung führte der im Store ausstellende Fotograf Stefan Berdat bereits gemeinsam mit Andreas Dibbern von der Leica Academy die Gäste auf den ersten gemeinsamen Photowalk durch das Quartier. Der neue Leica Eyecare Store versteht sich zugleich als Pilotprojekt. „Für uns geht es um einen Proof of Concept“, sagt Schumacher. Die Geschäftsführer wollen zeigen, dass Leica nicht nur als Premium-Brillenglasmarke funktioniert, sondern auch als eigenständige Markenwelt im Augenoptikfachgeschäft. „Der Brillenglasmarkenwechsel ist in der Augenoptik fast schon religiös geworden“, sagt Schumacher mit einem Schmunzeln. „Wir wollen zeigen, dass es funktioniert und damit vielleicht auch andere Betriebe inspirieren, auf Premiummarken zu setzen.“ Noch steht das Projekt am Anfang. Der Mietvertrag läuft zunächst über fünf Jahre. „Wir sind auf Plankurs“, sagt Schumacher, sowohl mit Blick auf das Geschäft an der Europaallee als auch auf den Vertrieb des Leica-Premiumportfolios. „Jetzt werden wir sehen, wie sich das Konzept entwickelt und wo wir noch nachjustieren müssen.“

Prolens auf einen Blick

Die Prolens AG mit Sitz in Zürich zählt zu den traditionsreichen Schweizer Unternehmen der Kontakt linsenbranche.
Sie entstand 1970 aus dem 1959 von Willi Ott gegründeten Kontakt linseninstitut Ottlens. Das traditionsreiche
Anpassinstitut Ottlens gehört heute zur Prolens AG, die seit 1997 von Armin Duddek geführt wird.
Heute bilden Duddek, Marc Streit und Stefan Schumacher die Geschäftsführung. Prolens vertreibt Kontaktlinsen,
Pflegemittel, Zubehör und Instrumente (u.a. Optain) an Schweizer Augenoptikbetriebe, Apotheken und
Augenärzte und ist seit 2024 exklusiver Vertriebspartner der Leica-Brillengläser in der Schweiz und Liechtenstein.
Mit dem neuen Leica Eyecare Store in Zürich, in den das Kontaktlinseninstitut Ottlens integriert wurde,
setzt Prolens erstmals ein vollständig auf die Markenwelt von Leica ausgerichtetes Storekonzept um.

Geschrieben von

Nicole Bengeser

Nicole Bengeser

Fachredakteurin & Augenoptikerin

Nicole Bengeser bringt als Augenoptikerin Fachwissen und als leidenschaftliche Redakteurin journalistisches Gespür zusammen. Beim DOZ-Verlag widmet sie sich mit Neugier den Trends, Debatten und Entwicklungen der Augenoptik.

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