Sammlerstücke Eine außergewöhnliche Kooperation: Andy Wolf und Erwin Wurm

Andy Wolf-Sonnenbrille mit dickem schwarzem Rahmen

Die Sonnenbrille „OH NO“ ist seit Juni 2026 erhältlich. 

© Andy Wolf

Erstveröffentlichung in der DOZ 08/2026

Kunstkooperationen sind im Premiumsegment der Augenoptik längst kein Novum. Die Herausforderung besteht jedoch darin, ihnen eine glaubwürdige Geschichte zu geben und einen Mehrwert für Handel und Endkunden zu schaffen. Zum 20-jährigen Bestehen hat die österreichische Eyewear-Marke Andy Wolf deshalb gemeinsam mit dem Künstler Erwin Wurm die limitierte Sonnenbrille „OH NO“ entwickelt. Entscheidend war dabei, so Geschäftsführer Wolfgang Scheucher im Gespräch mit der DOZ, dass Marke und Künstler mehr verbindet als ein gemeinsamer Name auf dem Produkt. Scheucher schildert: „Für unser 20-jähriges Jubiläum wollten wir mit jemandem zusammenarbeiten, der aus Österreich kommt oder einen Bezug dazu hat. Auf unserer Wunschliste ganz oben stand Erwin Wurm. Nicht nur, dass er einer der bekanntesten Künstler unserer Zeit ist, sondern auch, weil er in der Region geboren wurde, wo unsere Manufaktur in Österreich steht. Es war ein ‚match made in heaven‘, und wir haben uns sehr über die Zusage und Zusammenarbeit gefreut.“ 

Der erste Kontakt entstand zunächst per E-Mail. Während eines Besuchs im Atelier des Künstlers nahm die Idee konkrete Formen an. Von Beginn an war vorgesehen, gestalterische Elemente aus Wurms Werk in die Brille einfließen zu lassen. Das zeigt sich insbesondere an den Bügeln der Fassung. Die plastisch ausgeführten Schriftzüge greifen Wurms „Flat Sculptures“ auf und stellten die Fertigung vor besondere Anforderungen. „Die größte technische Herausforderung war die Umsetzung des Schriftzuges, der auf die Bügel der Sonnenbrille designt wurde“, erklärt Scheucher. Dafür wurde ein spezielles 3D-Werkzeug entwickelt, sodass die Buchstaben den Bügel scheinbar umgreifen können. „Das Projekt war technisch zwar herausfordernd, aber genau das hat uns dabei auch gefallen. Wir haben während der Umsetzung wieder einmal gesehen, wie vielfältig das Brillenhandwerk sein kann, und wie man immer Lösungen für Herausforderungen finden kann.“
Und warum fiel die Wahl auf das Motiv „OH NO“? Wurm selbst habe diese Idee ins Spiel gebracht, erklärt uns Scheucher, da es eines seiner aktuellsten Kunstwerke ist. „So kann jeder zum Kunstwerk werden.“

Erwin Wurm inmitten seiner Kunstwerke stehend

Mit aufgeblähten Autos, begehbaren Häusern und seinen berühmten „One Minute Sculptures“ hat Erwin Wurm den traditionellen Skulpturbegriff erweitert. Der 1954 in Bruck an der Mur geborene Künstler zählt zu den wichtigsten österreichischen Künstlern der Gegenwart. Seine oft humorvoll wirkenden Arbeiten greifen gesellschaftliche Themen wie Konsum, Wohlstand, Identität und Körperwahrnehmung auf. Wurms Werke sind international in Museen, Sammlungen und Ausstellungen vertreten.

© Andy Wolf

Auf 1.000 Exemplare limitiert

Für Augenoptiker dürfte neben der technischen Umsetzung auch die Vermarktungsstrategie interessant sein. Die Kollektion ist auf 1.000 Exemplare limitiert und umfasst neben einer Standardfarbe fünf sogenannte Secret Colors, die in Blind Boxes ausgeliefert werden. Welche Variante sich darin befindet, erfahren Käufer erst beim Öffnen. Das Konzept verbindet Exklusivität mit einem Sammlergedanken, der auch in anderen Lifestyle-Segmenten an Bedeutung gewonnen hat. „Für uns war von Anfang an klar, dass es eine Limitierung geben muss. Einerseits wegen der aufwendigen Produktion und andererseits, weil es noch einmal die Besonderheit des Projekts hervorhebt. Natürlich ist das auch ein Ansporn für unsere Partnerinnen und Partner, die Kollaboration zu kaufen, da man damit Teil von etwas Exklusivem ist und es ja auch unsere Jubiläumskollektion ist“, erläutert Scheucher. 

Nach Angaben des Unternehmens stieß das Konzept bereits im Vorverkauf auf reges Interesse bei den Augenoptikerinnen. Dabei richtet sich die Kollektion nicht ausschließlich an Kunstsammler, die Erwin Wurm und seine Arbeit zu schätzen wissen, sondern ebenso an designaffine Brillenträger. Zur Inszenierung gehört auch ein aufwendig gestaltetes Packaging mit Displayboard, Echtheitszertifikat und Poster. Ergänzt wird dieses durch eine eigens für die Kooperation entwickelte „One Minute Sculpture“, die eine der bekanntesten Werkreihen Erwin Wurms aufgreift und den Träger selbst in das Kunstwerk einbezieht. 

Brille aufgestellt im geöffneten Etui

Mit einer zehn Millimeter starken Front und sechs Millimeter breiten Bügeln setzt die Brille auf ein markantes Statement und erfordert spezielle 3D-Technologien. 

© Andy Wolf

Für Scheucher sind Kooperationen dieser Art allerdings kein Selbstzweck. „Kunstkooperationen sind immer etwas Besonderes, aber für uns muss es ganz einfach thematisch passen“, sagt er. „Man sieht oft Kooperationen, wo man zwischen den Marken oder Personen keinen ­Zusammenhang erkennen kann. Wir glauben, dass das in Zukunft noch besser verknüpft sein muss. Es werden so viele Kooperationen gemacht – auch unpassende – man muss sich da immer fragen, was ist dabei der Mehrwert? Auch für die Kundschaft.“

Die Zusammenarbeit mit Erwin Wurm sieht der Geschäftsführer zugleich als Ausdruck der Entwicklung von Andy Wolf. Das Unternehmen startete vor 20 Jahren mit dem Anspruch, regionale Produktion und handwerkliche Fertigung wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Heute produziert die Marke in eigenen Manufakturen in Österreich und Frankreich. „Da werde ich immer ein wenig sentimental dabei“, lächelt Scheucher. „Für Andy und mich war es vor 20 Jahren ein Versuch, eine Gegenströmung zum generellen Usus in der Brillenbranche zu bilden. Wir wollten wieder regional produzieren und wieder genauer hinschauen, wie man produziert. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Die ersten Jahre waren zäh, nun sind wir stolz mit dem Brand so erfolgreich zu sein. Nicht nur unsere Mitarbeitenden wurden mehr, auch eine zweite Manufaktur im französischem Jura wurde erschlossen, die Marke an sich hat ihre Sprache gefunden und entwickelt sich stetig weiter. Was in den nächsten 20 Jahren passiert? Das wissen wir nicht, aber ich freue mich darauf, wenn man die letzten 20 Jahre Revue passieren lässt und sieht, was sich alles bewegt hat.“ 

Für den augenoptischen Fachhandel sieht Scheucher den besonderen Wert der Jubiläumskollektion vor allem in der Geschichte, die sich rund um das Produkt erzählen lässt. „Ich würde mir wünschen, dass sie den handwerklichen Aufwand, den wir in die Brille gesteckt haben, sehen. Die Welt, die wir darum gebaut haben – ob es das Packaging ist, die Kommunikation oder auch das POS, das wir dazu anbieten. Wir wollten, dass es eine runde Geschichte wird, und das ist uns auch damit gelungen.“

Mehrere Acetatfarben übereinandergereiht

Die limitierte Kollektion umfasst eine Standardfarbe sowie fünf Secret Colors mit jeweils 20 Exemplaren. 

© Andy Wolf

Geschrieben von

Ulrike Kafka

Ulrike Kafka

Ulrike Kafka erzählt am liebsten Geschichten, die Design und Persönlichkeit verbinden. Mit Gespür für Stil und Sprache bringt die Chefredakteurin von Sublime Eyewear die vielfältige Welt der Brillen zum Strahlen – auch in der DOZ.

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