„Mutig sein, um belohnt zu werden“ Zweimal Walter, einmal Ebner: Wie eine Augenoptikerin für sich das ideale Betriebsmaß fand

Augenoptikermeisterin Stefanie Ebner

Augenoptikermeisterin Stefanie Ebner, vormals Walter, führt mittlerweile drei Betriebe unter zwei verschiedenen Namen. Ihre Aufgaben haben sich dadurch durchaus gewandelt.

© Optik Ebner

Erstveröffentlichung in der DOZ 03/26

Den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser zu wagen, ist Stefanie Ebner gewohnt – schon ihre Geschichte als Geschäftsinhaberin begann so. Mit gerade einmal 23 Jahren gründete sie 2005 die Optik Walter GmbH in Fürstenfeldbruck – unter ihrem damaligen Familiennamen. „Meine Mutter hatte mitbekommen, dass im Einkaufszentrum noch ein Augenoptiker fehlte, brannte sofort für diese Idee und fragte mich, ob ich Lust hätte, das Geschäft zu führen.“ Folgerichtig stand Mutter Eleonore ihrer Tochter zu Beginn in der Geschäftsleitung zur Seite – und brachte die eigene Erfa rung ein. Zusammen mit ihrem Mann Georg leitete sie im nahe gelegenen Dachau bereits seit 1984 ein eigenes Augenoptik-Fachgeschäft. Einmal in die Fußstapfen getreten, übernahm Stefanie Ebner 2019 auch den elterlichen Betrieb.

Fünf Jahre später zog die Liebe Stefanie Ebner an den Tegernsee. Die Folge: Mit der Hochzeit änderte sich ihr Nachname und mit dem neuen Heimatort kam eine logistische Herausforderung hinzu. Da sie die beiden Walter-Geschäfte nicht aufgeben wollte, pendelte sie nahezu täglich rund 180 Kilometer hin und zurück; dazu kamen noch 20 Kilometer zwischen den beiden Läden. Doch damit nicht genug: Bald reifte in ihr der Wunsch nach einem dritten Geschäft – diesmal in ihrer neuen Heimat.

Weniger Tätigkeiten im Laden, dafür mehr im Büro

Die Lösung, wie sich dieser Wunsch umsetzen und gleichzeitig Aufwand sparen ließ, lag für die findige Unternehmerin auf der Hand. Schon mit zwei Betrieben hatte sich eine Prognose eines Bekannten bestätigt: Je größer das eigene Geschäft wird, desto mehr entfernt sich die Arbeit von dem, was man ursprünglich gelernt hat.

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„Meine Aufgaben hatten sich ohnehin schon dahingehend verändert, dass ich fast nur noch mit Administration zu tun hatte und viel am Schreibtisch saß“, erzählt die Unternehmerin. „So entstand die Idee: Das kann ich doch genauso auch für drei Läden zentral und aus dem Homeoffice machen.“ Anstatt täglich drei Stunden im Auto zu verbringen, wollte sie diese Zeit künftig verstärkt für Bürotätigkeiten nutzen – und gründete Optik Ebner als Einzelunternehmen am Tegernsee.

Den neuen Laden anders zu benennen, war eine bewusste strategische Entscheidung: „Weil mich hier jeder schon als Ebner kannte, hätte es der Corporate Identity widersprochen, an diesem Standort ebenfalls Optik Walter einzuführen.“ Die Standorte waren aus ihrer Sicht weit genug voneinander entfernt, um den dritten Betrieb autark zu führen, und zugleich nah genug, dass Stammkundinnen von Optik Walter bei einem Ausflug an den beliebten oberbayerischen See auch hier vorbeischauen konnten.

Persönliche Präsenz vor Ort bleibt wichtig

Auch wenn Stefanie Ebner zahlreiche administrative Aufgaben zentral und aus dem Homeoffice erledigen kann, wollte sie keinesfalls komplett auf persönliche Präsenz in ihren Läden verzichten. Zwei- bis dreimal pro Woche ist sie weiterhin in Dachau und Fürstenfeldbruck, nicht zuletzt wegen der insgesamt 20 Mitarbeitenden, von denen viele schon seit Jahren zum Team gehören. „Weil meine Eltern in beiden Geschäften noch Vollzeit arbeiten und mich sehr unterstützen, brauche ich dort nicht ständig präsent sein und kann mich auf den Kleinbetrieb hier in Weißach und die administrativen Aufgaben konzentrieren.“ Der zusätzliche Aufwand durch den dritten Standort sei überschaubar geblieben: „Dadurch, dass wir überall mit den gleichen Hauptlieferanten zusammenarbeiten, spielt es fast keine Rolle, ob der Einkauf für zwei oder für drei Geschäfte erfolgt.“

Den neuen Laden führt Stefanie Ebner derzeit allein – ist aber auf der Suche nach Verstärkung. Auch in den anderen Filialen würde sie Verstärkung begrüßen, im Vordergrund steht zunächst aber die Etablierung des neuen Betriebs am Tegernsee. Ob es bei den drei Geschäften bleibt? „Geplant habe ich keine weitere Eröffnung, aber wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich mit 23 meinen ersten Laden führen und heute am Tegernsee arbeiten würde, hätte ich es auch für blühende Fantasie gehalten. Manchmal muss man einfach mutig sein, um belohnt zu werden.“

Geschrieben von

Christine Lendt

Christine Lendt

Journalistin

Christine Lendt ist freie Journalistin und Fachautorin mit Schwerpunkt auf Ausbildung, Karriere und Arbeitsschutz. Sie interviewt regelmäßig Fachleute aus der Augenoptik und setzt relevante Themen um.

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