Auch neue Langzeitergebnisse für MyoCare Zeiss präsentiert erste Daten zum neuen Myopie-Glas MyoActive

Zeiss MyoCare

Zeiss hat neue Studienergebnisse zu MyoCare vorgestellt und erstmals auch Einblicke in das neue Glas MoyActive gewährt.

© Zeiss

Zeiss hat im Rahmen eines Pressetermins die erstmals auf der ARVO 2026, dem Jahreskongress der Association for Research and Vision and Ophthalmology in Denver, vorgestellten neuen klinischen Daten zu seinem Myopie-Portfolio präsentiert. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl neue Langzeitdaten zu Zeiss MyoCare als auch erstmals klinische Ergebnisse zum neuen Brillenglas Zeiss MyoActive, das zunächst in China eingeführt wurde und voraussichtlich ab Frühjahr 2027 auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar sein soll.

Bei MyoActive hat Zeiss das Glasdesign angepasst und setzt bei der nächsten Generation seiner Myopiegläser auf ein verändertes optisches Konzept. Statt der klassischen ringförmigen Defokusstrukturen C.A.R.E. ("Cylindrical Annular Refractive Elements") wie bei MyoCare arbeitet das neue Design mit variierenden Mikrostrukturen und dynamischen Defokussignalen. Nach Angaben von Zeiss soll die höhere Variabilität der Defokussignale verhindern, dass sich das visuelle System an gleichförmige Reizmuster adaptiert und dadurch die Wirksamkeit der Gläser mit der Zeit nachlässt. 
 

Dreijahresdaten bestätigen Wirkung von MyoCare

Für Zeiss MyoCare präsentierte das Unternehmen neue Dreijahresdaten aus einer laufenden multizentrischen Studie in China. Nach 36 Monaten zeigte Zeiss MyoCare gegenüber Einstärkengläsern eine durchschnittlich um 0,62 dpt reduzierte Myopieprogression sowie eine um 0,28 mm geringere Zunahme der Achslänge. Für MyoCare S lagen die Werte bei 0,45 dpt beziehungsweise 0,18 mm.

Bei den Zweijahresdaten einer europäischen Studie mit 234 kaukasischen Kindern lag die durchschnittliche Differenz gegenüber Einstärkengläsern bei 0,38 dpt und 0,22 mm axialer Länge. Zudem reduzierte MyoCare laut Zeiss sowohl Risiko als auch Schwere einer schnellen Progression um 76 Prozent gegenüber Einstärkengläsern.

„Wir sehen insgesamt, dass MyoCare sowohl bei asiatischen als auch bei kaukasischen Kindern wirkt“, sagte Judith Ungewiss aus dem Bereich Scientific & Medical Affairs bei Zeiss. „Und wir können auch sagen, dass die Gläser gleichermaßen gut wirken, sowohl im Jahr eins als auch im Jahr zwei.“

Zusätzlich untersuchte Zeiss den Anteil sogenannter „Fast Progressors“, also Kinder mit besonders schneller Progression. Während in der Einstärkenglasgruppe der asiatischen Studie 88 Prozent der Kinder innerhalb von drei Jahren eine Progression von mindestens einer Dioptrie zeigten, lag dieser Anteil mit MyoCare bei 55 Prozent und mit MyoCare S bei 65 Prozent.
 

MyoActive: Zeiss arbeitet an dynamischerem Defokussignal

Besonderes Interesse weckte allerdings das neue Zeiss MyoActive. Das Brillenglas nutzt laut Zeiss „innovative Defokusmuster“, um neuronale Adaptation zu reduzieren und die Behandlungseffektivität zu maximieren. Im Gegensatz zur C.A.R.E.-Technologie von MyoCare und MyoCare S verfolgt das neue Design die sogenannte M.O.V.E.-Technologie („Micro Optical Variable Elements“), bei der innerhalb der Mikrostrukturen unterschiedliche optische Stärken zwischen 1,5 und 5,5 dpt eingesetzt werden. Ziel sei es, ein dynamischeres retinales Signal zu erzeugen – vor dem Hintergrund der Hypothese, dass sich das visuelle System mit der Zeit an gleichförmige Defokussignale anpassen könnte und dadurch die Wirksamkeit nachlässt.

Die bisherigen MyoActive-Daten stammen aus einer chinesischen Studie mit insgesamt 242 Kindern, die auf sechs Gruppen mit unterschiedlichen Glasdesigns verteilt wurden. Ersten Ergebnissen zufolge zeigten Kinder nach sechs Monaten mit Zeiss MyoActive durchschnittlich lediglich 0,13 dpt Progression sowie 0,02 mm axiales Wachstum. Im Vergleich zu Einstärkengläsern entsprach dies einer Reduktion um durchschnittlich 0,38 dpt beziehungsweise 0,15 mm.

„Die Sechs-Monats-Daten zeigen eindeutig, dass das neue Glasdesign zunächst eine hohe Wirksamkeit zeigt“, betonte Ungewiss. Allerdings seien Sechs-Monats-Daten nur ein vorläufiges Ergebnis und noch keine sichere Basis. Dennoch zeigte man sich optimistisch, dass die Ergebnisse im weiteren Verlauf der Studie bestätigt würden.
 

Einbindung in umfassendes Myopie-Management-Ökosystem

Parallel baut Zeiss sein Myopie-Management zu einem umfassenden Ökosystem aus. Neben den Brillengläsern gehören dazu unter anderem der Biometer Myo 200, die Softwarelösung MyoConsult zur Verlaufskontrolle sowie ergänzende Trainings- und Marketingangebote für Augenoptikbetriebe. Ziel sei es, Myopie-Management als langfristigen Versorgungsprozess abzubilden, erklärte Bettina Neubauer, Produktmanagerin bei Zeiss Vision Care.

Geschrieben von

David Friederichs

David Friederichs

Große Themen mit gründlicher Recherche und kritischem Blick sind David Friederichs Spezialgebiet. Der DOZ-Chefredakteur schreibt am liebsten über das, was wirklich zählt – und sammelt dabei gerne Brillen. 

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