Hoya stellt neue 12-Monats-Studie vor Neue Brillenglastechnologie Miyosmart iQ: Das Ende der progressiven Myopie?

Miyosmart iQ

Die Ergebnisse der Studie sollen einen neuen Maßstab für die Wirksamkeit des Myopie-Managements im jungen Alter setzen.

© Hoya

Auf der ARVO-Jahrestagung 2026 in Denver hat Hoya Vision Care neue Studiendaten zur Kontrolle fortschreitender Kurzsichtigkeit bei Kindern präsentiert. Im Mittelpunkt steht das neue Brillenglas „Miyosmart iQ“, eine Weiterentwicklung der D.I.M.S.-Technologie (Defocus Incorporated Multiple Segments). Nach Angaben des Unternehmens und der beteiligten Forschenden zeigte die randomisierte kontrollierte Studie bei vielen Kindern eine deutliche Verlangsamung der Myopieprogression – in einzelnen Altersgruppen im Mittel sogar ohne weiteres Fortschreiten der Kurzsichtigkeit innerhalb von zwölf Monaten. Das neue Glas soll nach Angaben von Hoya in wenigen Monaten in Deutschland verfügbar sein.

An der Studie nahmen 196 kurzsichtige Kinder aus Hong Kong im Alter von vier bis zwölf Jahren teil, die den kompletten Untersuchungszeitraum abgeschlossen hatten. Verglichen wurde das neue Glasdesign mit konventionellen Einstärkengläsern. Laut den vorgestellten Daten lag die durchschnittliche Veränderung des sphärischen Äquivalents (SER) in der Miyosmart-iQ-Gruppe nach zwölf Monaten bei +0,046 dpt, während sie in der Kontrollgruppe bei −0,534 dpt lag. Gleichzeitig fiel das Achsenlängenwachstum mit durchschnittlich 0,075 mm deutlich geringer aus als in der Vergleichsgruppe mit 0,346 mm.

Besonders hebt Hoya hervor, dass erstmals auch bei Kindern ab vier Jahren eine Wirksamkeit eines D.I.M.S.-basierten Brillenglases nachgewiesen worden sei. In der Altersgruppe von vier bis sechs Jahren erreichte Miyosmart iQ laut Studie eine durchschnittliche Wirksamkeit von 65 Prozent beim sphärischen Äquivalent und 44 Prozent bei der Achsenlänge.

Ab sieben Jahre sphärisches Äquivalent leicht Richtung Hyperopie

Bei den sieben- bis zwölfjährigen Kindern berichteten die Forschenden über eine Wirksamkeit von mehr als 100 Prozent im Vergleich zu konventionellen Einstärkengläsern. Dieser rechnerische Wert ergibt sich daraus, dass sich das sphärische Äquivalent in der Miyosmart-iQ-Gruppe im Mittel leicht in Richtung Hyperopie verschob, während die Kontrollgruppe weiterhin eine myope Progression zeigte. Das übermäßige Achsenlängenwachstum sei in dieser Altersgruppe um 94 Prozent reduziert worden. John Goltermann Lassen, CEO von Hoya Vision Care, ordnete die Ergebnisse als wichtigen Schritt im Myopie-Management ein: „Bis heute hat keine Studie mit Brillengläsern zum Myopie-Management eine derart hohe Wirksamkeit bei der Eindämmung der Sehschwäche gezeigt.“

Technisch basiert Miyosmart iQ auf einem sogenannten „Triple Enhanced Design“ (TED), einer Weiterentwicklung der bisherigen D.I.M.S.-Technologie. Das optische Prinzip dahinter bleibt die Erzeugung eines myopen Defokus auf der Netzhautperipherie. Dieser Defokus soll das übermäßige Längenwachstum des Auges bremsen, das als zentraler Treiber der Myopieprogression gilt.

"Miyosmart iQ ist das Ergebnis jahrelanger engagierter Forschung und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Augenspezialisten"

Prof. Chi-ho To, Hong Kong Polytechnic University

Das neue Design umfasst drei zentrale Veränderungen: Erstens wurden die Defokus-Segmente näher an das geometrische Zentrum des Brillenglases herangerückt. Dadurch soll die Netzhaut häufiger und kontinuierlicher mit dem myopen Defokussignal stimuliert werden – insbesondere in jenen peripheren Netzhautbereichen, die als besonders sensitiv für Wachstumsreize gelten. Zweitens wurde die Stärke des erzeugten Defokus erhöht. Ziel ist ein stärkeres optisches Signal zur Hemmung des axialen Augenwachstums. Drittens wurde die Behandlungszone des Glases erweitert. Damit soll auch bei größeren Fassungsformen eine größere Fläche des peripheren Gesichtsfeldes vom therapeutischen Defokus erfasst werden.

Prof. Chi-ho To von der Hong Kong Polytechnic University erklärte dazu: „Miyosmart iQ ist das Ergebnis jahrelanger engagierter Forschung und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Augenspezialisten. Das Triple Enhanced Design basiert auf einem tiefgreifenden Verständnis dafür, wie das Auge auf ein myopisches Defokussierungssignal reagiert, sowie auf der Entschlossenheit, die Grenzen dessen, was Brillengläser leisten können, zu erweitern. Zu sehen, wie sich diese jahrelange Arbeit in solchen Ergebnissen niederschlägt, ist zutiefst befriedigend.“

Geschrieben von

David Friederichs

David Friederichs

Große Themen mit gründlicher Recherche und kritischem Blick sind David Friederichs Spezialgebiet. Der DOZ-Chefredakteur schreibt am liebsten über das, was wirklich zählt – und sammelt dabei gerne Brillen. 

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