Warum gutes Hören mehr als Technik braucht Terzo setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz in der Hörakustik

Terzo Laden

Die Customer Journey beginnt bei Terzo bereits an der Eingangstür. Offene Räume und bewusst gestaltete Begegnungszonen sollen Hemmschwellen abbauen und den Einstieg in die Beratung erleichtern.

© Terzo

Erstveröffentlichung in der DOZ 10/2026

Hören ist mehr, als ein Hörgerät anzupassen und auf bessere Sprachverständlichkeit zu hoffen – davon sind die Verantwortlichen von Terzo, einem Beratungs- und Anpasskonzept der ISMA AG, überzeugt. Für sie greift die klassische Hörgeräteversorgung oft zu kurz. Im Mittelpunkt steht nicht die Technik im Ohr, sondern der Mensch dahinter: seine Hörgesundheit und seine Lebensqualität. Das Terzo-Konzept verbindet klassische Hörgeräteversorgung mit wissenschaftlich fundierten Hörtrainings und verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz. In rund 100 lizenzierten Terzo-Fachgeschäften in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird dieser Ansatz durch ein gezieltes Gehörtraining umgesetzt. Im Terzo-Zentrum München sind dafür Tim Große, Josef Troxler und Michaela Weidlich verantwortlich. Die Gesamtverantwortung tragen unter anderem Dr. Juliane Dettling Papargyris als wissenschaftliche Leitung und der Vorstand Kevin Oppel.

Hören ist auch Kopfsache

„Moderne Hörgeräte können heute vieles ausgleichen und herausfiltern – der Alltag bleibt trotzdem akustisch anspruchsvoll“, erklärt Kevin Oppel. Gespräche fänden selten in ruhiger Umgebung statt, sondern zwischen klapperndem Geschirr, Straßenlärm oder mehreren parallel geführten Unterhaltungen. Hörgeräte müssten deshalb ständig entscheiden, welche Signale relevant sind. Viele Nutzerinnen und Nutzer passten die Einstellungen dafür regelmäßig per App an – zumindest theoretisch. „In der Praxis machen das die wenigsten dauerhaft“, sagt Oppel. Die Folge: Manche legen das Hörgerät irgendwann ganz ab. „Viele Kunden tragen ihre Geräte gerade in schwierigen Hörsituationen nicht mehr konsequent“, ergänzt Hörakustikmeisterin Michaela Weidlich. Dabei könne ein Hörgerät seine Wirkung nur entfalten, wenn es regelmäßig und über viele Stunden getragen wird.

Terzo setzt deshalb nach eigenen Angaben nicht allein auf Technik, sondern zusätzlich auf das Training der Hörverarbeitung. „Man muss das Gehirn mitnehmen“, betont Oppel. So entstand auch der Name „terzo“ („das Dritte“) als Brücke zwischen den Hörgeräten an den Ohren und der Hörverarbeitung im Gehirn. Erst wenn Hörgerät, Ohren und Hörverarbeitung zusammenspielen, könne Sprachverstehen im Alltag dauerhaft verbessert werden.

Faktor Ladengestaltung

„Während das Hörtraining heute vielerorts in Fachgeschäften bereits als ergänzendes Element eingesetzt wird, versteht Terzo es anders: nicht als Zusatz, sondern als festen Bestandteil der gesamten Versorgung“, erklärt Oppel. Es ist von Beginn an Teil eines strukturierten und begleiteten Prozesses. Konkret bedeutet das: Kommt ein Kunde in den Betrieb, beginnt die Versorgung nicht erst mit der Anpassung des Hörgeräts, sondern bereits mit einem gezielten Training der Hörverarbeitung.

Auch die Customer Journey beginnt anders als in klassischen Hörakustikbetrieben – nicht erst im Beratungsgespräch, sondern bereits vor der Tür: Die Gestaltung der Terzo-Zentren unterscheidet sich bewusst von klassischen Hörakustik-Fachbetrieben. Statt großer Theken prägen offene Räume das Bild. Empfang und Erstgespräche erfolgen in großzügig gestalteten, frei zugänglichen Zonen, während die technische Anpassung in separaten Räumen stattfindet.

Terzo Training

Das strukturierte, appunterstütze Gehörtraining ist fester Bestandteil des Terzo-Konzepts. Es soll die Hörverarbeitung gezielt unterstützen und das Sprachverstehen im Alltag verbessern.

© Terzo

Auch im Schaufenster wird auf die klassische Produktpräsentation verzichtet. Statt Hörgeräten stehen dort das Hören und seine Funktionsweise im Mittelpunkt. „Wir spielen mit dem Bruch“, sagt Michaela Weidlich. Die Gestaltung soll neugierig machen und Menschen dazu anregen, sich überhaupt mit ihrer Hörgesundheit auseinanderzusetzen. „Manchmal kommen die Leute auch einfach in den Betrieb und fragen, was wir hier überhaupt machen“, gibt Weidlich einen Einblick. „Meiner Meinung nach ist genau das wertvoll, weil wir die Kunden dort abholen können, wo sie stehen.“

Individuelle Zielsetzung und Hörtraining

Ist der erste Kontakt hergestellt, verläuft die Beratung sehr individuell. Gleichzeitig folgt sie einem festen Ablauf. „Statt mit einem klassischen Hörtest und dem Aufsetzen von Kopfhörern starten wir mit der Frage: ‚Warum sind Sie heute eigentlich hier?‘“, erläutert Hörakustiker Tim Große. Die Antworten der Kunden auf diese Frage sind oftmals eindeutig. Meist geht es um konkrete Alltagssituationen, die sich wiederholen und zunehmend verunsichern. Manche werden vom Arzt geschickt, andere kommen mit sehr klaren eigenen Beobachtungen. Typisch sind Szenen wie das Familienessen, bei dem Stimmen ineinanderlaufen, Geburtstage, bei denen nur noch einzelne Wortfetzen ankommen, oder Gruppengespräche, in denen Betroffene irgendwann nur noch lächeln, weil Nachfragen anstrengender wird als Nichtverstehen. „Aus diesen Schilderungen entsteht im Gespräch ein erstes Bild der individuellen Situation. Im Terzo-Kontext reden wir von ,Schmerzpunkten‘ – also von konkreten Alltagssituationen, in denen das Hören Probleme bereitet. Sie bilden die Grundlage für die weitere Ausrichtung der Gehörtherapie“, ergänzt Hörakustiker Josef Troxler.

„Hörtraining ist bei Terzo nicht Zusatz, sondern fester Bestandteil der gesamten Versorgung.“

Zunächst wird den Kunden mithilfe einfacher visueller Erklärungen jedoch veranschaulicht, wie Hören im Normalfall funktioniert und welche Veränderungen eine Hörminderung mit sich bringt. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Hörfilter: Sie sorgen dafür, dass sich einzelne Stimmen aus einem Geräuschteppich herauslösen können, während der Rest vom Gehirn ausgeblendet wird. „Viele merken an dieser Stelle zum ersten Mal, dass Hören nicht passiv ist, sondern eine aktive Leistung des Gehirns“, sagen die Experten. Danach folgt die Hörfiltermessung. Dabei werden dem Kunden unterschiedliche Hörsituationen mit mehreren gleichzeitig sprechenden Stimmen vorgespielt. Die Aufgabe besteht darin, gezielt eine davon herauszufiltern und dem Gesagten zu folgen. Die Testumgebung ist bewusst alltagsnah aufgebaut – von ruhigen Gesprächssituationen über steigende Hintergrundgeräusche bis hin zu komplexen akustischen Szenen. „Wir holen die Menschen genau da ab, wo sie im echten Leben Schwierigkeiten haben“, verdeutlicht Tim Große.

Terzo Schaufenster

Statt Hörgeräte zu präsentieren, erklärt das Schaufenster des Terzo-Zentrums in München anschaulich, wie Hören funktioniert. So soll bereits vor dem Betreten des Fachgeschäfts das Interesse an der eigenen Hörgesundheit geweckt werden.

© Kevin Oppel

Gemeinsam wird daraus ein konkretes Ziel entwickelt. Leitfragen sind etwa: Was genau soll sich verbessern? In welchen Situationen soll es leichter werden? Und bis wann soll es sich verbessern? „Wir legen gemeinsam mit dem Kunden Zwischenziele fest und definieren, wie wir oder ein Hörsystem den Weg dorthin unterstützen können“, führt Josef Troxler weiter aus.

Die Hörsysteme werden anschließend individuell eingestellt und mit dem strukturierten Terzo- Trainingsprogramm kombiniert, das über mindestens zwei Wochen im Alltag von den Kundinnen durchgeführt wird. „Wir kommunizieren sehr klar, dass die Mitarbeit der Kundinnen entscheidend ist“, sagt Große. Dazu gehören tägliche Übungen von etwa 45 bis 60 Minuten, die zu Hause absolviert werden und gezielt das Verstehen in anspruchsvollen Hörsituationen trainieren. Nicht jeder geht diesen Weg von Anfang an vollständig mit. Manche möchten zunächst erleben, was allein die Technik bewirken kann. Zeigt sich jedoch im Alltag, dass die in der Beratung beschriebenen Ziele erreichbar sind, lassen sich die meisten auf den gesamten Prozess ein und absolvieren auch das begleitende Hörtraining konsequent.

Terzo Team

Kevin Oppel (l.) und Dr. Juliane Dettling- Papargyris verbinden beim Terzo-Konzept hörakustische Praxis mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hörforschung und Neurobiologie.

© Fotoloft Benjamin Stolle

Ohne die Mitarbeit des Kunden geht es nicht

Entscheidend für den Erfolg der Gehörtherapie ist die Mitarbeit der Kunden – die sogenannte Compliance. Zentral ist dabei das Problembewusstsein. „Im Vergleich zur Optik ist die Situation für die Kunden deutlich komplexer“, sagt Kevin Oppel. Während in der Augenoptik viele Betroffene selbst bemerken, dass sie bestimmte Dinge nicht mehr scharf sehen, erleben Menschen mit nachlassendem Gehör ihre Alltagssituation zunächst noch als „eigentlich gut“. Verständigungsprobleme werden häufig dem Umfeld zugeschrieben – nicht dem eigenen Gehör. Dieses Problembewusstsein sei jedoch die Voraussetzung dafür, überhaupt in einen Veränderungsprozess einzusteigen. Die Arbeit mit den Kundinnen setzt deshalb früh an. Ziel ist es, ein realistisches, aber zugleich verbindliches Zielbild zu entwickeln. Klassische Kennzahlen der Hörgeräteversorgung – etwa Verbesserungen um 20 Prozent im Sprachverstehen in Ruhe oder 10 Prozent im Störgeräusch – seien aus Sicht des Teams nur bedingt aussagekräftig. „Das ist für viele zu wenig greifbar.“ Wichtiger sei die Frage, was im Alltag tatsächlich wieder funktionieren solle.

Aus diesem Zielbild leitet sich auch der weitere Versorgungsprozess ab. Hörsystemanpassung, Hörtraining und Übungen zu Hause bilden ein abgestimmtes System. „Wir können die Rahmenbedingungen schaffen – aber das Ziel, das Gehirn in Harmonie mit dem Hörgerät zu bringen, braucht die aktive Mitarbeit“, erklärt Oppel. Am Ende stehe ein gemeinsames Verständnis: Fortschritte entstehen nicht allein durch die Technik im Ohr, sondern durch das Zusammenspiel aus Anpassung, Training und aktiver Beteiligung im Alltag.

„Das Gehirn in Harmonie mit dem Hörgerät zu bringen, braucht aktive Mitarbeit.“

Wissenschaftliche Einordnung

Der Gedanke, Hören ganzheitlicher zu betrachten, prägt den Terzo-Ansatz seit seinen Anfängen. Seit 20 Jahren werden dazu konsequent neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Hörforschung und Neurobiologie in die tägliche hörakustische Praxis transferiert, um sie wertschöpfend umzusetzen: „So wurde aus verschiedenen evaluierten Trainings-Set-ups und gewonnenen Erkenntnissen ein Gesamtpaket für die Beratung und Anpassung entwickelt, das Hörgesundheit ermöglicht und bestmöglich begleitet.“ Zunächst stand dabei die praktische Anwendung im Vordergrund, bevor der Ansatz später systematischer untersucht und wissenschaftlich begleitet wurde. „Wir haben uns über verschiedene Kliniken intensiv um wissenschaftliche Nachweise bemüht“, sagt Dr. Juliane Dettling-Papargyris.

Michaela Weidlich

Josef Troxler (l.), Tim Große und Michaela Weidlich begleiten Kundinnen und Kunden im Terzo-Zentrum München – von der individuellen Zielsetzung über die Hörgeräteanpassung bis zum begleitenden Gehörtraining.

© Privat

Einen wichtigen Schritt markierte 2017 die Zusammenarbeit mit dem Tinnituszentrum der Charité Berlin. Dort wurde die Kombination aus Terzo-spezifischer Hörgeräteanpassung und Hörtraining bei Tinnitusbetroffenen untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen anschließend in die Praxis ein. „Die Kombination hilft Betroffenen, besser mit der Belastung umzugehen“, betont Dettling-Papargyris. In einer Studie von 2018 bis 2020 wurde die Terzo-Gehörtherapie gezielt auf ihre Wirkung bei Tinnitus untersucht – mit dem Ergebnis einer nachhaltigen Verbesserung der Symptomatik. Ein weiterer Baustein ist die klinische Anwendung im Universitätsklinikum Jena. Dort ist der Ansatz seit 2013 in ein teilstationäres fünftägiges Programm der Tinnitusklinik integriert. „Ein Modul des Programms ist die Terzo-Gehörtherapie“, erklärt Kevin Oppel. Der Fokus auf Tinnitus ist dabei bewusst gewählt: Viele Betroffene leiden zusätzlich unter einer Hörminderung und einer hohen Alltagsbelastung. „Aus dem Tinnitusbereich lassen sich viele Erkenntnisse besser auf Schwerhörigkeit übertragen als umgekehrt“, sagt Oppel.

In den Terzo-Zentren und Partnerbetrieben reicht das Spektrum von pädakustischen Angeboten über Tinnitus- und Cochlea-Implantate bis hin zur klassischen Hörgeräteanpassung. Hören wird dabei nicht als isolierte technische Maßnahme verstanden, sondern als Zusammenspiel aus Versorgung, Training und wissenschaftlicher Begleitung.

Was ist Terzo?
Terzo ist eine Marke der ISMA AG und verbindet ein wissenschaftsbasiertes Versorgungskonzept mit einem Partnernetzwerk für Hörakustikbetriebe. Zum Netzwerk gehören sowohl eigene Terzo-Zentren als auch lizenzierte, inhabergeführte Hörakustikbetriebe, die das Terzo- Konzept in ihren Fachgeschäften umsetzen. Dieses umfasst neben der Hörgeräteanpassung unter anderem ein strukturiertes Gehörtraining, Fort bildungsangebote sowie wissenschaftliche Begleitung. Mehr als 100 Fachgeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten heute bereits mit dem Konzept.

Geschrieben von

Katharina Jansen

Katharina Jansen

Redakteurin

Katharina Jansen erzählt am liebsten von Menschen – direkt, lebendig, mitten aus dem Leben. Sie bringt Porträts und Reportagen zum Blühen, mit Gespür fürs Detail und einem Blick für das Unerwartete.

Zum Autorenprofil