Chinesische Studie Mikroplastik aus Reifen belastet die Augen

Reifenabrieb
© Carl Tronders / Unsplash

Ein Forschungsteam der Wenzhou Medical University und der Chinese Academy of Sciences hat in der Studie untersucht, wie sich diese kombinierte Belastung auf die frühe Entwicklung von Lebewesen auswirkt. Im Fokus stand dabei das Auge als besonders sensibles Organ. Anhand von Zebrafischembryonen analysierten die Forschenden die gleichzeitige Exposition gegenüber Polystyrol-Nanokunststoffen und dem Reifenantioxidans 6PPD. Während 6PPD allein bereits messbare Augenanomalien verursachte, führte die Kombination mit Nanokunststoffen zu deutlich schwereren Fehlbildungen. Beobachtet wurden myopieähnliche Veränderungen, strukturelle Schäden an der Netzhaut sowie ein erhöhter Zelltod im Augengewebe. Verhaltenstests zeigten zudem eine beeinträchtigte Phototaxis, was auf einen funktionellen Sehverlust hinweist.

Mithilfe hochauflösender Bildgebung konnte das Team nachweisen, dass sich Nanokunststoffe bevorzugt im Auge anreichern und dort die interne Konzentration von 6PPD erhöhen. Dieser sogenannte „Trojanische-Pferd-Effekt“ ermöglicht es der Chemikalie, tiefer in empfindliches Sehgewebe einzudringen. Histologische und molekulare Analysen belegten Schäden an Netzhaut, Linse und Augenblutgefäßen sowie weitreichende Störungen von Gen- und Proteinprozessen, die für Phototransduktion, Augenentwicklung und oxidativen Stress relevant sind. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Nanokunststoffe nicht nur passive Umweltabfälle sind, sondern aktiv als Verstärker chemischer Toxizität wirken können.

Ergebnisse können für Langzeitbewertung der menschlichen Gesundheit relevant werden

Die kürzlich im Fachmagazin Environmental Science and Ecotechnology veröffentlichte Studie verweist auf die allgemeine Verbreitung von Mikro- und Nanokunststoffen in Gewässern. Diese entstehen unter anderem durch den Abbau von Kunststoffen sowie durch Reifenabrieb, der über Straßenabflüsse in Flüsse und Küstengewässer gelangt. Gemeinsam mit ihnen gelangen auch chemische Reifenzusatzstoffe in die Umwelt, die dort mit Plastikpartikeln interagieren können. Im Hinblick auf die Ergebnisse plädieren die Autoren für integrierte Ansätze in der Umweltregulierung, um die tatsächlichen Risiken gemischter Schadstoffexpositionen besser abzubilden. Langfristig könnte dies auch für die Bewertung möglicher Risiken für andere Organe und für die menschliche Gesundheit relevant sein.

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Geschrieben von

Nicole Bengeser

Nicole Bengeser

Augenoptikerin

Nicole Bengeser bringt als Augenoptikerin Fachwissen und als leidenschaftliche Redakteurin journalistisches Gespür zusammen. Beim DOZ-Verlag widmet sie sich mit Neugier den Trends, Debatten und Entwicklungen der Augenoptik.

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