Chinesische Studie Mikroplastik aus Reifen belastet die Augen
04.02.2026
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Ein Forschungsteam der Wenzhou Medical University und der Chinese Academy of Sciences untersuchte in der Studie, wie sich diese kombinierte Belastung auf die frühe Entwicklung von Organismen auswirkt. Im Fokus stand dabei das Auge als besonders sensibles Organ. Für ihre Studie setzten die Forschenden Zebrafischembryonen sowohl Polystyrol-Nanokunststoffen als auch dem Reifenantioxidans 6PPD aus und analysierten die Auswirkungen. Während 6PPD allein bereits messbare Augenanomalien verursachte, führte die Kombination mit Nanokunststoffen zu deutlich schwereren Fehlbildungen. Beobachtet wurden myopieähnliche Veränderungen, strukturelle Schäden an der Netzhaut sowie ein erhöhter Zelltod im Augengewebe. Verhaltenstests zeigten außerdem eine veränderte Reaktion auf Licht (Phototaxis), was auf eine eingeschränkte Sehfunktion hinweist.
Mithilfe hochauflösender Bildgebung konnte das Team nachweisen, dass sich Nanokunststoffe bevorzugt im Auge anreichern und dort die interne Konzentration von 6PPD erhöhen. Dieser sogenannte „Trojanische-Pferd-Effekt“ ermöglicht es der Chemikalie, tiefer in empfindliches Sehgewebe einzudringen. Histologische und molekulare Analysen zeigten Schäden an Netzhaut, Linse und Augenblutgefäßen sowie Störungen von Gen- und Proteinprozessen, die für Sehen, Augenentwicklung und oxidativen Stress wichtig sind. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Nanokunststoffe nicht nur passive Umweltabfälle sind, sondern aktiv als Verstärker chemischer Toxizität wirken können.
Ergebnisse können für Langzeitbewertung der menschlichen Gesundheit relevant werden
Die kürzlich im Fachmagazin Environmental Science and Ecotechnology veröffentlichte Studie verweist auf die allgemeine Verbreitung von Mikro- und Nanokunststoffen in Gewässern. Sie entstehen unter anderem, wenn Kunststoffe abgebaut werden und durch Reifenabrieb auf der Straße. Über Straßenabflüsse gelangen die Partikel anschließend in Flüsse und Küstengewässer. Gemeinsam mit ihnen gelangen auch chemische Reifenzusatzstoffe in die Umwelt, die dort mit Plastikpartikeln interagieren können. Im Hinblick auf die Ergebnisse plädieren die Autoren für integrierte Ansätze in der Umweltregulierung, um die tatsächlichen Risiken gemischter Schadstoffexpositionen besser abzubilden. Langfristig könnte dies auch für die Bewertung möglicher Risiken für andere Organe und für die menschliche Gesundheit relevant sein.