Pilotprojekt „Auracast“ am Frankfurter Flughafen: Durchsagen an den Gates direkt ins Ohr
29.06.2026
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Der Flughafen Frankfurt setzt als weltweit erster Airport die Bluetooth- Technologie „Auracast“ für öffentliche Durchsagen ein.
Erstveröffentlichung in der DOZ 07/2026
Wer kennt das nicht: Man befindet sich am Gate eines Flughafens und die Durchsagen sind aufgrund der akustischen Verhältnisse kaum verständlich. Oder man sitzt in der Hotellobby und auf einem Fernseher werden Nachrichten oder ein spannendes Fußballspiel übertragen. Der Ton ist aber in der Regel stummgeschaltet, um andere Gäste nicht zu stören. In diesen Situationen wäre es nicht nur für Hörsystemnutzer praktisch, wenn Audiosignale auf Wunsch kabellos über Hörsysteme oder Kopfhörer empfangen werden könnten. Diese Alltagssituationen waren Motivation für die Entwicklung eines allgemeinen und leicht zugänglichen Standards bei der Übertragung von Audiosignalen, der seit Januar am Frankfurter Flughafen in einem Pilotprojekt getestet wird.
Die Projektpartner haben die neue Lösung an den Gates A16 und A17 im Terminal 1 installiert. Zur Zeit sammeln sie Feedback von Reisenden und Mitarbeitenden, um zu bewerten, wie sich die Technologie auf die Barrierefreiheit, den Komfort und das gesamte Passagiererlebnis auswirkt. Nutzen können die Audioübertragung diejenigen Fluggäste mit Auracast-kompatiblen Hörsystemen, Ohrhörern oder Kopfhörern. Um an den beiden Gates die Durchsagen zu empfangen, wählen Passagierinnen und Passagiere sich einfach mit der App der Hörsysteme beziehungsweise ihrer kabellosen Kopfhörer oder den Betriebseinstellungen des Smartphones in den entsprechenden Übertragungsstream ein. Zu betonen ist, dass das Smartphone dabei nicht der physische Empfänger der Signale ist, sondern darüber lediglich der Zugang erfolgt, ähnlich wie man es bei der Einwahl in ein öffentliches WLAN kennt. Diese Option ermöglicht es den Nutzern, eigenverantwortlich zu entscheiden, welchen Stream sie empfangen wollen und erlaubt die parallele mehrsprachige Übertragung von Durchsagen.
Technisch-audiologische Hintergründe
Kabellose Technologien sind seit langem ein Ausstattungsstandard bei Hörsystemen, sogenannte Wireless- Kopfhörer sind im Alltag der Gesellschaft angekommen. In der Regel empfangen diese jedoch nur Signale von einem einzelnen Smartphone, Tablet-Computer oder Fernseher. Eine allgemeine Empfangsmöglichkeit von öffentlichen Durchsagen ist nicht vorgesehen. Für Träger von Hörsystemen ergibt sich zusätzlich das Problem, dass Kopfhörer und Hörsysteme nicht gleichzeitig nutzbar sind. Aus diesem Grund wurden verschiedene Technologien entwickelt, die eine direkte Verbindung zwischen Hörsystemen und verschiedenen Audioquellen ermöglichen.
Mit der Auracast-Technologie können Nutzer zum Beispiel in Hörsälen oder Theatern kabellos Audiosignale auf allen Plätzen empfangen.
Trotz der genannten Vorteile ist zu erwarten, dass bestehende traditionelle induktive Übertragungsanlagen in öffentlichen Räumen noch eine gewisse Zeit in Betrieb bleiben. Die SIG verspricht aber, dass Auracast die bisherige induktive Übertragung vollständig ersetzen kann. Dies wäre ein bedeutender Fortschritt für Hörgerätenutzer, da so die Beschränkung auf eine begrenzte Auswahl von Plätzen in Theatern oder Kinos entfällt. Zudem ist die Auracast-Technologie deutlich weniger störanfällig zum Beispiel gegenüber Magnetfeldern, die durch Leuchtstoffröhren entstehen.
Auracast im Geschäft aktiv nutzen
Auracast ist heute vielfältig einsetzbar. Eine Reihe von Hörsystemen haben den Standard bereits integriert und lassen sich mit frei erhältlichen Audiosendern einfach verbinden. Idealerweise ist der Auracast-Sender natürlich in Geräten wie Fernsehern fest eingebaut, so dass zusätzliches Zubehör entfällt. Um eine praktische Anwendung vor Ort zu ermöglichen bietet sich eine Kooperation mit einem lokalen Kinobetreiber oder der Kirchengemeinde im Rahmen eines Sponsorings an. Die Betreiber haben in der Regel noch nichts über Auracast gehört. Die Information darüber lässt sich gut in einer Win-Win-Aktion umsetzen. Ein passender Auracast-Sender kann durch den Fachbetrieb kostengünstig an die dort vorhandene Soundanlage angeschlossen werden. Die Mitarbeiter des Kinos oder der Gemeinde sind dann schnell in die einfache Bedienung eingewiesen, sodass Hörsystemnutzer von der direkten Übertragung profitieren. Diese wohnortnahen Anwendungsmöglichkeiten lassen sich dann gut in den eigenen Beratungsprozess aufnehmen und tragen zur Kundenzufriedenheit bei.
Ausbau und Vereinheitlichung der Konnektivität erleichtern Hörsystemträgern den Alltag und ermöglichen mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auracast ist ein praktikabler Lösungsansatz, das (noch) bestehende Durcheinander bei den Übertragungstechnologien zu vereinheitlichen. Mehrere Hörsystemhersteller haben hierzu Hörsysteme im Portfolio, sodass Kunden mit der Option Auracast optimal versorgt werden können.