Schweizer Präzisionsdenken Akoni: Luxus steckt im Detail
29.09.2026
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Zum fünfjährigen Jubiläum von Akoni erscheinen die zwei Modelle „Eris“ und „Eris-Two“ (hier im Bild).
Erstveröffentlichung in der DOZ 10/2026
Wer als Marke im Luxussegment bestehen will, braucht heute mehr als einen bekannten Namen und ein prägnantes Logo. Gerade im unabhängigen Augenoptikfachhandel zählen Produktqualität, eine nachvollziehbare Geschichte und Details, die sich am Beratungstisch nicht nur erzählen, sondern zeigen lassen. Hier setzt Akoni an.
Als Rosario Toscano und Alessandro Lanaro 2019 begannen, ihre Vorstellung einer neuen Luxus-Eyewear-Marke zu entwickeln, stand nicht die Frage im Mittelpunkt, welcher Look als Nächstes kommen würde. Vielmehr ging es darum, wie eine Brille beschaffen sein muss, die über Saisons hinweg relevant bleibt. 2020 wurde Akoni in der Schweiz gegründet.
Toscano sah damals eine Lücke im Markt. Trotz zahlreicher etablierter Luxusmarken fehlte ihm bei Brillen die Verbindung aus Eleganz, Design, Handwerk und Ingenieurskunst, die er sich für dieses Segment vorstellte. Der Anspruch war, Luxus stärker über die Qualität von Gestaltung und Ausführung als über offensichtliche Markenmerkmale zu definieren. Das Konzept verbindet Schweizer Präzisionsdenken mit japanischer Fertigungskompetenz.
Produziert werden die Fassungen vollständig in Japan, wo Akoni mit spezialisierten Manufakturen zusammenarbeitet. Dabei spielt die Shokunin-Tradition eine wesentliche Rolle – ein Handwerksverständnis, bei dem Erfahrung, kontinuierliche Verbesserung und Respekt vor Material und Aufgabe zusammenkommen. Gerade bei einer Brille entscheidet sich Qualität in kleinen Dimensionen: an Übergängen und Kanten, an der Präzision von Fräsungen, an Scharnieren, Oberflächen und Passungen. Die Marke macht solche konstruktiven Details bewusst zum Bestandteil seiner Designsprache.
Die Sonnenbrille „Pathfinder“ verfügt über verstellbare Bügel,welche laut Toscano zu den innovativsten Features von Akoni zählen.
Wer eine Akoni-Fassung genauer betrachtet, erkennt schnell, aus welchen Welten viele der gestalterischen Referenzen stammen. Mechanische Uhren, hochwertige Schreibgeräte und luxuriöse Vintage-Objekte gehören ebenso dazu wie Architektur und Automobildesign. Entscheidend ist dabei, welche gestalterischen oder konstruktiven Prinzipien sich aus diesen Vorbildern ableiten lassen.
Eine Uhr kann zum Ausgangspunkt für Proportionen, Rändelungen oder das Zusammenspiel polierter und gebürsteter Metallflächen werden. Ein Füllfederhalter wiederum kann Anregungen für die Linienführung eines Bügels oder die Konstruktion seines Endstücks liefern. Und beim Rennwagen geht es um Prinzipien wie aerodynamische Linienführung, Leichtbau, Bewegung oder mechanische Präzision. „So wird Inspiration zu Design und nicht bloß zu Dekoration“, fasst Toscano diesen Prozess zusammen.
„Von Anfang an war es unser Anspruch, Brillen zu schaffen, die sich wirklich luxuriös anfühlen.“
Ein Beispiel ist der sogenannte Signature- Bügel mit seinem erhabenen, geriffelten Muster. Seine Gestaltung erinnert an Oberflächen hochwertiger Armbanduhren, Schreibgeräte und klassischer Feuerzeuge. Beim flachen Signature-Bügel wird diese Struktur in ein reduzierteres, architektonisches Profil übertragen. Andere Bügel greifen kantige und aerodynamische Formen aus dem Rennsport auf.
Bis ins kleinste Detail: Akonis Nasenpad aus Beta- Titan und Keramik vereint Leichtigkeit, Komfort und Präzision.
Dass solche Elemente nicht allein dekorativen Zwecken dienen sollen, zeigt das Sonnenbrillenmodell „Pathfinder“. Sein verstellbares Bügelsystem aus Titan bezeichnet Toscano als eines der innovativsten Features der Marke. „Innovation soll bei uns niemals nur um der Innovation willen stattfinden. Sie muss einen Zweck erfüllen“, sagt Toscano.
Diese Auffassung setzt sich bei der Materialwahl fort. Akoni verarbeitet japanisches Zelluloseacetat auf Basis von Holz- und Baumwollfasern sowie hochwertiges Titan. Entscheidend ist dabei weniger die Aufzählung edler Werkstoffe als die Art ihrer Verarbeitung. Titan kommt nicht nur dort zum Einsatz, wo geringes Gewicht gefragt ist, sondern wird zum konstruktiven und gestalterischen Element. Komponenten werden gefräst und strukturiert, Übergänge bewusst sichtbar gemacht, Materialstärken und Proportionen aufeinander abgestimmt. Die charakteristischen Seitenelemente aus Titan oder Acetat erfüllen nicht nur eine Schutzfunktion, sondern prägen auch das Design der Fassung. Selbst bei einem kleinen Bauteil wie dem Nasenpad legt Akoni Wert auf Material und Konstruktion. Die Marke kombiniert Beta-Titan mit einem Keramikpad, das auf geringes Gewicht, Langlebigkeit, Tragekomfort und einen präzisen Sitz ausgelegt ist. Das zeigt, wie konsequent Akoni seinen Anspruch bis ins kleinste Detail verfolgt. Aus den wiederkehrenden konstruktiven Elementen entsteht zugleich die Markenidentität. Toscano spricht von „essenziellen Codes“ und nennt Materialität, Konstruktion, Proportion, Bewegung, Textur und Funktion.
In Bügeln, Nieten, Rändelungen und technischen Übergängen werden diese Prinzipien immer wieder neu interpretiert. Besonders anschaulich zeigt sich das an einem der kleinsten Bauteile: der Niete. Akoni gestaltet sie als Quadrat innerhalb eines Kreises und macht aus einem funktionalen Verbindungselement ein wiederkehrendes Designzeichen. Die Geometrie ist nach Angaben des Unternehmens von harmonischen Proportionen und dem Goldenen Schnitt inspiriert. „Wenn das Design selbst zur Signatur wird, weiß man, dass man etwas wirklich Eigenständiges geschaffen hat“, sagt Toscano. Die Wiedererkennbarkeit erschließt sich damit häufig erst bei genauerem Hinsehen.
Markantes Detail: Der Signature-Bügel verbindet eine charakteristische Riffelung mit einer klaren, architektonischen Formensprache.
Auch die Modellnamen folgen einem System. Begriffe aus Astronomie, Raumfahrt, Wissenschaft und Technologie stehen für Neugier, Fortschritt und Entdeckung. Modelle wie „Etere“, „Delta“, „Horizon“, „Optima“ oder „Eris“ gehören so zu einer Familie, deren Zusammengehörigkeit vor allem eine wiederkehrende konstruktive Handschrift vermittelt.
Für das unabhängige Augenoptikfachgeschäft ist dieser Ansatz nicht nur aus Produktsicht relevant. Toscano bezeichnet es ausdrücklich als entscheidend für den Erfolg der Marke. Akoni ist nach seinen Angaben inzwischen weltweit an rund 1.000 Verkaufsstellen vertreten; die dort arbeitenden Augenoptikerinnen und Augenoptiker seien schnell zu Botschaftern der Marke geworden. Die Fassungen liefern ihnen Argumente, die sich unmittelbar am Produkt vermitteln lassen: Herkunft, Material, Konstruktion, Verarbeitung und technische Lösungen.
„Ein unabhängiger Augenoptiker verkauft nicht einfach nur eine Fassung. Er versteht seine Kundschaft, er kennt die Besonderheiten von in Japan gefertigten Produkten und weiß, wie man den dahinterstehenden Wert vermittelt“, sagt Toscano.
Das setzt Beratung voraus. Wer vor allem eine prominente Marke sucht, deren Bekanntheit bereits einen Großteil der Verkaufsarbeit übernimmt, findet bei Akoni ein anderes Konzept. Die Fassungen wollen in die Hand genommen, aufgesetzt und im Detail betrachtet werden. Gerade darin kann ihre Stärke liegen. Denn im hochpreisigen Segment sprechen viele über Handwerk, hochwertige Materialien und Exklusivität. Interessant wird es dort, wo sich diese Versprechen unmittelbar am Produkt nachvollziehen lassen.
Subtile Signatur: Die Niete mit Quadratim- Kreis-Motiv macht selbst das kleinste Detail zum charakteristischen Designelement.
Das fünfjährige Bestehen der Marke bietet vor diesem Hintergrund Gelegenheit, die inzwischen entstandene Design-DNA zu betrachten. Mit limitierten Anniversary Editions von „Eris“ und „Eris-Two“ verdichtet Akoni sie aktuell auf zwei Modelle. Beide Fassungen werden aus leichtem japanischem Titan gefertigt und mit eigens entwickelten „Mars“-Gläsern kombiniert. Während „Eris“ stärker von architektonischer Klarheit geprägt ist, übersetzt „Eris-Two“ die Formensprache in eine kompaktere Geometrie. Die Fassungen erscheinen in streng limitierter, einzeln nummerierter Auflage und werden in einer speziellen Sammlerbox präsentiert – eine weitere Referenz an die Welt hochwertiger mechanischer Uhren. Damit erzählt Akoni das Jubiläum vor allem über das Produkt selbst und greift jene Elemente auf, die die Marke seit ihrer Gründung prägen.
Für Toscano bedeutet die bisherige Entwicklung allerdings nicht, an einem einmal gefundenen Rezept festzuhalten. Märkte, Kunden und die Art, wie Menschen Produkte entdecken und kaufen, veränderten sich fortlaufend. Eine junge Marke müsse darauf reagieren können. Die Herausforderung bestehe darin, sich weiterzuentwickeln, ohne die eigene Identität aufzugeben. Bei zwei Dingen, sagt er, werde Akoni keine Kompromisse eingehen: Qualität und Design.
Dabei kommt dem Fachgeschäft eine besondere Rolle zu. Denn viele Qualitäten dieser Fassungen erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Sie müssen entdeckt, erklärt und am Produkt gezeigt werden. Genau dort wird aus einem Detail schließlich ein Verkaufsargument.