„Dann mach’s doch einfach und werde Augenoptiker!“

Letzte Änderung: 
07.01.2019
Autor:
Daniela Zumpf
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Werbeplakat
Eine Idee der Studenten: Mit Charakteren auf den facettenreichen Beruf Augenoptiker aufmerksam machen.
© 2do digital

Fehlende Azubis und junge Fachkräfte in der Augenoptik? Dafür gibt es nach Meinung des Studienprojekts „Statt Nachwuchs-­Sorgen für Nachwuchs sorgen“ eine einfache Begründung: Die Generation Y, also die ab Mitte / Ende der 1980er Jahre geborenen Deutschen, brauche Vorbilder. Typen, mit denen man sich identifizieren könne. Vermutlich gibt es solche Charaktere in unserer spannenden Branche reichlich, doch nach außen kommuniziert werden sie eher selten bis nie. „Wir sollten vier Charaktere schaffen, die die wichtigsten Aspekte des Berufs ausdrücken“, schlugen die Studenten daher jüngst auf dem Spectaris Trendforum in Berlin vor. Die DOZ fragte nach, wie die Umsetzung dieser Idee funktionieren soll. 

Augenoptiker verkaufen doch nur Brillen. Oder? Was kann daran so spannend sein, fragten sich die Studenten der International School of Management (ISM) und der Universität of Applied Sciences Europe (BiTS) aus Hamburg, als sie sich vor fünf Monaten mit dem Thema Nachwuchs-Sorgen in der Augenoptik beschäftigen sollten. Was denken andere Menschen von diesem Beruf? Neben einer Straßenumfrage analysierten die Projektteilnehmer die Bekanntheit des Berufs mit „Google Trends“. Das ist ein Service von Google, der die Anzahl von tatsächlich eingegebenen Suchbegriffen in einem zeitlichen Verlauf darstellt und in Relation zum gesamten Suchvolumen setzt. Der Service soll das Interesse der Nutzer widerspiegeln und diesbezüglich Prognosen ermöglichen. 

Google Trends
Die Auswertung der Google-Suche belegt nach Einschätzung der
Projektteilnehmer eine geringere Nachfrage nach dem Augenoptiker
als nach dem Schornsteinfeger. ©2do digital

Beruf relativ unbekannt

Die Projektgruppe wollte den Augenoptiker mit einem Beruf vergleichen, der relativ in die gleiche Gehaltsklasse fällt. Hier entschieden sie sich für den Schornstein­feger, der sogar etwas weniger in der Ausbildung verdient. „Wir können uns vorstellen, dass es für viele abwegig ist, den Beruf des Augenoptikers auszuüben, weil er anspruchsvoller ist als andere Berufe. Wenn man Schornsteinfeger wird, dann hat man nicht so viele Erwartungen an den Beruf, es gibt nicht so viele Entfaltungsmöglichkeiten. Wenn auch die Qualifikationen höher sind, dann kann ein anderer Beruf mit mehr Gehalt interessanter für die Generation Y sein“, erklärt Ella Göbel. „Der Berufseinsteiger wägt erst einmal zwischen Berufen ab und wenn er den Beruf nicht kennt, dann wird er sich auch nicht für diesen entscheiden“, fügt Tobias Deppermann hinzu.

Die Studenten bemerkten schnell, dass der Beruf mit allen seinen Facetten relativ unbekannt ist. Es sei wichtig, die Vorzüge des Augenoptikers hervorzuheben, darin sind sich die Studenten einig. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Beruf erst mal bekannt wird – damit Leute, die sich dafür interessieren, auch anfangen, diesen Beruf auszuüben“, erläutert Deppermann.

Christina, Paul & Co verkörpern den Beruf

Charaktere
Christina deckt den wirtschaftlichen Aspekt
ab, Paul die modische Komponente, Uwe
das Handwerk und Lena die medizinische
Komponente des Berufes. ©2do digital

Jede Generation braucht ihre Vorbilder, an deren Handeln sie sich messen, orientieren und vergleichen kann. „Daher kam die Idee, dass wir jemanden brauchen, mit dem wir uns identifizieren können“, erklärt Deppermann. Derjenige soll den Beruf nicht erklären, sondern es soll eine Persönlichkeit entstehen, mit dem sich die Generation identifizieren kann. Die Studenten präsentierten beim Trendforum als erstes Christina, eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit einem eigenen Geschäft. Sie wollte schon immer ihr eigener Chef werden und hat es einfach gemacht. Und Paul, den smarten jungen Mann, der mit Menschen umgehen kann, der weiß, was den Leuten steht, der modisch talentiert ist und für jeden die richtige Brille findet. Die Personen sollten den Beruf nicht erklären, sondern verkörpern – als eine Art Stereotypen. „Es war uns wichtig, das man sagt: ich möchte so sein wie Paul oder wie Christina. Wenn du so sein willst wie sie, dann mach’s doch einfach und werde Augenoptiker“, sagt Göbel.

Daneben stellten die Studenten den Charakter Uwe vor, den Tüftler. Er könnte in einem Schuppen sitzen und dort die Brillen seiner Freunde reparieren. Lena stellt den vierten Charakter dar, den medizinisch-empathischen Bereich. „Sie möchte anderen helfen, sie möchte anderen wieder die Möglichkeit geben, richtig zu sehen.“

Neuinterpretation von TV-Formaten

Um die entwickelten Figuren bekannt zu machen, haben die Projektteilnehmer ein Marketing-­Konzept entwickelt. Ziel war es, die Generation Y nicht mit langen Erklärvideos zu langweilen – Inte­resse soll vielmehr durch Neuinterpretation bekannter TV-Formate geweckt werden. So könnte Christina zum Beispiel in der „Höhle der Löwen“ ihre Idee präsentieren: „Hallo ich bin 
Christina und ich habe euch heute eine Super-Idee mitgebracht. Ich habe recherchiert, denn 67 Prozent der Deutschen können nicht richtig sehen. Ich frag‘ mich, woran liegt das und wie kann ich das Problem lösen? Ganz einfach: Ich habe zwei Gläser in einen Rahmen eingebaut und mir das mal auf die Nase gesetzt. Schon ist die Fehlsichtigkeit weg – Problem gelöst!“ Christina erhält einen Deal mit den „Löwen“. Das Video endet in ihrem Geschäft. „Was ich kann, können meine Auszubildenden auch. Du hast eine Vision und möchtest dein eigener Chef oder deine eigene Chefin werden? Dann mach’s doch einfach. Bewirb dich jetzt und werde Optiker oder Optikerin!“, erklärt sie.

Plakat
Charaktere wie Christina und Paul können den Beruf Augenoptiker
bekannter machen und das Interesse der Generation Y wecken.
​​​​​©2do digital

Mit bekannten TV-Formaten soll die Aufmerksamkeit erregt werden und natürlich mit Ironie und der überspitzten Darstellung im Gedächtnis bleiben. Die Resonanz auf den Vortrag beim Trendforum war groß. „Wir sind kaum von der Bühne runter, da sprach uns gleich eine Augenoptikerin an, ob wir Interesse hätten das Projekt in Hamburg fortzuführen“, freute sich der Student. Wer weiß, vielleicht sehen wir Christina und Paul also tatsächlich bald im Fernsehen.