Technischer Luxus mit Funktion Zu Besuch bei TAG Heuer in der Schweiz mit Designer Renato Montagner
29.06.2026
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Technisches „Mini Vingt-Sept"-Scharnier mit elliptischer Verschlussform: TAG Heuer Eyewear entwickelt Brillen nicht als klassische Modeaccessoires, sondern als technische Präzisionsprodukte.
Erstveröffentlicht in der DOZ 07|2026
Wer den Hauptsitz von TAG Heuer im schweizerischen La Chaux-de-Fonds besucht, erkennt schnell, dass die Marke ihre Uhren- und Eyewear-Sparte bewusst anders positioniert als klassische Luxuslabels. Im Mittelpunkt stehen weniger modische Trends als technische Funktion, Materialinnovation und ergonomische Lösungen. Gerade für Augenoptikerinnen und Augenoptiker dürfte dieser Ansatz interessant sein. Denn TAG Heuer Eyewear versteht sich weniger als Fashion-Produkt, sondern vielmehr als technisch orientierte Brillenkollektion mit Fokus auf Passform, Leichtigkeit, Reparierbarkeit und langfristigen Tragekomfort.
Nach einem Firmenrundgang, einem Einblick in die Produktion des Schweizer Uhrenhandwerks und einem Besuch des hauseigenen Museums nimmt uns der italienische Eyewear-Designer Renato Montagner mit auf eine Reise der TAG-Heuer-Brillenentwicklung. Ziel war es von Anfang an, die Marken-DNA von TAG Heuer – Motorsport, Präzision, Ingenieursdenken und Funktionalität – in moderne Brillenmodelle zu übersetzen. „Ich bin Architekt, und Architektur definiert die Beziehung zwischen dem Menschen und den ihn umgebenden Elementen – über verschiedene Maßstäbe hinweg“, erklärt Montagner. „Ob man ein Gebäude, ein Möbelstück oder ein Objekt zum Tragen entwirft: Das grundlegende Prinzip bleibt dasselbe – den Menschen in den Mittelpunkt des Projekts zu stellen.“
Dieser Gedanke prägt die komplette Entwicklung der Kollektionen, die in Italien produziert werden. Besonders auffällig ist der Fokus auf Ergonomie und Anpassbarkeit. Unterschiedliche Gesichtsformen, lange Tragezeiten und hohe Komfortansprüche standen von Beginn an im Zentrum der Produktentwicklung. „Für uns ist Präzision kein Slogan, sondern eine Methodik“, sagt Montagner. „‚Der TAG-Heuer-Slogan ‚Jede Millisekunde zählt‘ bedeutet auch in der Eyewear jedes Detail mit einem Genauigkeitsgrad zu entwickeln, der langfristige Qualität, konstante Performance und mechanische Zuverlässigkeit gewährleistet.“ Technisch zeigt sich dieser Anspruch in zahlreichen Details. So setzt TAG Heuer Eyewear auf Materialien wie Titan, Carbonfaser, Dyneema oder recycelten Graphit – Werkstoffe, die ursprünglich aus Luftfahrt, Motorsport oder Raumfahrt stammen. Ziel ist eine Kombination aus maximaler Stabilität und minimalem Gewicht.
Eyewear-Designer Roberto Montagner präsentierte in der Schweiz die Neuheiten der TAG Heuer Eyewear-Kollektionen.
Servicefähigkeit steht bei Entwicklung ganz oben
Besonders interessant ist dabei die „Line“-Kollektion. Die Modelle verfügen über eine flexible Doppelsteg-Konstruktion aus Titan und Dyneema-Kabeln. Dadurch soll sich die Fassung dynamisch an Gesichtsbewegungen anpassen und gleichzeitig dauerhaft stabil bleiben. Ergänzt werden die Modelle durch Biopolymer-Komponenten sowie Bügelenden aus recyceltem Korkmaterial. "Leichtigkeit und Langlebigkeit sind aus meiner Sicht die zentralen Qualitätsindikatoren“, sagt Montagner. „Materialien wie Carbonfaser, Titan und Dyneema stammen aus Hochleistungsbereichen wie der Luftfahrt und dem Motorsport, in denen Gewichtsreduktion ohne Verlust struktureller Stabilität essenziell ist.“
Auch das Thema Servicefähigkeit wurde bei der Entwicklung sichtbar mitgedacht. Viele Modelle bestehen bewusst aus wenigen Einzelteilen und nutzen einheitliche Schraubensysteme. Dadurch sollen Reparaturen vereinfacht und einzelne Komponenten leichter austauschbar werden – ein Aspekt, der für Augenoptiker relevant ist. Hinzu kommt ein hoher Individualisierungsgrad. Mehrere Modelle verfügen über austauschbare Nasenpads in unterschiedlichen Größen sowie asymmetrische Anpassungsmöglichkeiten. Für Korrektionsträger wurden zusätzlich Clip-in-Lösungen entwickelt. Damit adressiert TAG Heuer Eyewear gezielt die Anforderungen an eine individuelle Zentrierung und Passform.
AG Heuer Eywear kombiniert ein Dyneema-Kabel mit einem Titan-Nasenrücken für modernen Komfort und Stil.
Ein weiteres technisches Kernelement ist das sogenannte 27-Grad-Scharnier der „Mini Vingt-Sept“-Linie. „Das 27-Grad-Scharnier ist eine patentierte Lösung von TAG Heuer, die vor über 15 Jahren in der ersten Brillenkollektion eingeführt wurde“, erklärt Montagner. „Seine elliptische Geometrie optimiert Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Öffnungsbalance.“ Für den Sport- und Performancebereich entwickelt TAG Heuer zudem spezielle Shield-Modelle mit stark gewölbten Scheiben zur Reduktion von Streulicht. Ergänzt werden diese durch die patentierte „Tendon“-Technologie mit flexiblen Einlagen für verbesserten Tragekomfort. Interessant ist außerdem die Entwicklung neuer Scheibentechnologien. Mit „Specta“ arbeitet TAG Heuer an Gläsern, die polarisierende Eigenschaften bieten sollen, ohne digitale Displays – etwa in Fahrzeugen oder Smartwatches – vollständig auszublenden. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung im Alltag könnte dies perspektivisch auch für augenoptische Beratungsgespräche relevant werden. Designseitig bleibt die Verbindung zum Motorsport zentral. Modelle wie die „Drive Titanium“-Kollektion greifen gestalterische Elemente von Formula-1-Uhren auf und kombinieren sichtbare technische Konstruktionen mit Kautschukbügeln, die an moderne Sportuhren erinnern.
Im hauseigneen Museum lässt sich die Geschichte des traditionsreichen Uhren- und Brillenherstellers TAG Heuer hautnah erleben. Alles begann 1860 mit Edouard Heuer.
Was ist Luxus?
Trotz aller technologischen Innovationen vermeidet Montagner bewusst den klassischen Luxusbegriff. „Ich spreche lieber von Qualität als von Luxus“, erklärt er. „Preis wird häufig mit Luxus gleichgesetzt, doch für mich liegt echter Wert im Savoir-faire, in objektiver Materialqualität und in den Stunden, die in Forschung und Entwicklung investiert werden.“ Gerade in einem Markt, in dem viele Produkte zunehmend kurzlebiger werden, setzt TAG Heuer Eyewear damit bewusst auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und technische Glaubwürdigkeit. Für augenoptische Geschäfte ergibt sich daraus eine interessante Positionierung zwischen Premiumsegment, Performance-Anspruch und funktionaler Beratungskompetenz. „Heute gibt es viele Produkte, die schnell gekauft und schnell wieder weggeworfen werden. Deshalb ist es etwas Besonderes geworden, Produkte zu entwickeln, die lange halten“, sagt Montagner. „Das ist für mich echter Luxus.“
Technische Präzision in der aktuellen Avant-Garde-Eyewear-Kollektion.