Mit gentechnisch veränderten Bakterien US-Forscher arbeiten an "lebenden Augentropfen" für Hornhautheilung
23.04.2026
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Gentechnisch veränderte Bakterien könnten künftig als „lebende Augentropfen“ direkt auf der Hornhaut therapeutische Wirkstoffe freisetzen.
Ein Forschungsteam der University of Pittsburgh hat einen neuen Ansatz zur Behandlung von Hornhautverletzungen vorgestellt: genetisch veränderte Bakterien, die direkt auf der Augenoberfläche therapeutische Wirkstoffe freisetzen. Die Ergebnisse der Proof-of-Concept-Studie wurden in Cell Reports veröffentlicht. Im Zentrum steht das natürlicherweise am Auge vorkommende Bakterium Corynebacterium mastitidis. Die Forschenden modifizierten es so, dass es kontinuierlich das entzündungshemmende Zytokin Interleukin-10 (IL-10) produziert. In einem Mausmodell heilten Hornhautläsionen nach Behandlung mit diesen Bakterien schneller als bei Vergleichsgruppen mit unveränderten Bakterien oder Kochsalzlösung. Wurde der IL-10-Rezeptor blockiert, verschwand der Effekt – ein Hinweis darauf, dass die Wirkung tatsächlich auf das freigesetzte Protein zurückzuführen ist.
Ein zentrales Problem der bisherigen Therapie von Erkrankungen der Augenoberfläche ist die kurze Verweildauer von Wirkstoffen. Augentropfen werden durch den Tränenfilm schnell verdünnt und abtransportiert, was häufige Anwendungen erforderlich macht. Der neue Ansatz zielt darauf ab, dieses Problem zu umgehen: Die modifizierten Bakterien verbleiben auf der Augenoberfläche und setzen den Wirkstoff kontinuierlich frei.
„Dies ist der erste Nachweis, dass ein auf der Augenoberfläche lebender Mikroorganismus so verändert werden kann, dass er ein Therapeutikum freisetzt, das die Augengesundheit verbessert“, erklärt Studienleiter Anthony St. Leger vom UPMC Vision Institute. Perspektivisch eröffne dies die Möglichkeit einer „lebenden Medizin“, die einmal appliziert wird und anschließend dauerhaft wirkt.