Q1-Zahlen 2026: Margen steigen, Umsatz sinkt Mister Spex verbessert Ergebnis – bleibt aber in den roten Zahlen
07.05.2026
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Im Februar eröffnete Mister Spex einen neuen Store auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Zum 1. April folgte ein weitere Store in Hamburg-Bergedorf.
Mister Spex hat im ersten Quartal 2026 seine operative Profitabilität deutlich verbessert, schreibt jedoch weiterhin Verluste. Das geht aus der aktuellen Pressemeldung und dem Quartalsbericht hervor. Der Berliner Omnichannel-Optiker steigerte sein bereinigtes EBITDA auf 1,3 Millionen Euro und damit um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig bleibt das ausgewiesene EBITDA mit minus 1,2 Millionen Euro weiterhin negativ. Auch das Periodenergebnis liegt mit rund minus 6,5 Mio. Euro klar im roten Bereich.
Der scheinbare Widerspruch zwischen positivem bereinigtem EBITDA und negativem ausgewiesenem EBITDA erklärt sich durch umfangreiche Sondereffekte. Mister Spex rechnet beim bereinigten EBITDA einmalige Aufwendungen heraus, die vor allem im Zusammenhang mit strategischen, organisatorischen und systemseitigen Maßnahmen stehen, darunter Investitionen in die IT-Infrastruktur, Restrukturierungen sowie externe Beratungskosten. Im ersten Quartal summierten sich diese Anpassungen auf rund 2,5 Millionen Euro.
Das bereinigte EBITDA soll nach Unternehmensangaben die operative Leistungsfähigkeit des Kerngeschäfts besser abbilden, während das ausgewiesene EBITDA alle Kosten vollständig enthält. Für die wirtschaftliche Gesamtsituation ist deshalb entscheidend, dass Mister Spex trotz operativer Fortschritte weiterhin nicht profitabel arbeitet. Das spiegelt auch der Aktienkurs wider. Beim Börsenschluss gestern lag das Wertpapier bei 1,20 Euro, einem Minus von über 95 Prozent im Vergleich zum Ausgabewert von 24,50 Euro.
Online schrumpft, stationäres Geschäft wächst
Beim Umsatz zeigt sich die strategische Neuausrichtung deutlich. Die Erlöse gingen um 9 Prozent auf 40,7 Millionen Euro zurück. Verantwortlich dafür ist vor allem das Online-Geschäft, das um 19 Prozent schrumpfte. Hintergrund sind eine bewusst reduzierte Rabattintensität, die stärkere Fokussierung auf margenstarke Umsätze sowie der Rückzug aus mehreren internationalen Märkten.
Parallel dazu entwickelte sich das stationäre Geschäft positiv und wuchs um 11 Prozent. Das Unternehmen profitierte dabei sowohl von bestehenden Standorten als auch von einem im Februar neu eröffneten Geschäft auf dem Berliner Kurfürstendamm und vier weiteren übernommenen Geschäften. Die Verschiebung hin zum stationären Vertrieb sowie ein höherer Anteil margenstarker Korrektionsbrillen wirkten sich direkt auf die Profitabilität aus. So verbesserte sich die Bruttomarge um rund 2,3 Prozentpunkte auf knapp 59 Prozent.
Die strategische Fokussierung auf margenstärkere Umsätze zeigt sich auch in den nicht-finanziellen Kennzahlen. Während die Zahl der aktiven Kundinnen und Kunden sowie die Bestellungen deutlich zurückgingen, stieg der durchschnittliche Bestellwert um 13 Prozent auf 117 Euro. Mister Spex nimmt damit bewusst geringere Volumina in Kauf, um die Qualität der Umsätze zu erhöhen.
Zur Ergebnisverbesserung trugen neben der Margenentwicklung auch Kosteneffekte bei. Die Personalaufwendungen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent, während gleichzeitig höhere Einmalaufwendungen unter anderem für IT-Projekte und Beratung anfielen.
Vier strategische Hebel für strukturellen Umbau
Parallel zur operativen Entwicklung treibt das Unternehmen den strukturellen Umbau seines Geschäftsmodells voran. Im Mittelpunkt stehen vier strategische Hebel, die auf ein skalierbares und widerstandsfähiges Operating Model abzielen. Dazu zählen eine vereinheitlichte technologische Plattform, der geplante Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Prozesssteuerung, eine stärkere Automatisierung zur Senkung von Kosten sowie ein konsequenter Fokus auf margenstarke Produkte und wiederkehrende Erlöse, etwa durch das Abo-Modell „Switch“.
Für das Gesamtjahr bestätigt Mister Spex seine Prognose und erwartet eine Umsatzentwicklung zwischen 0 und minus 10 Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge im Bereich von Break-even bis zu einem mittleren einstelligen Prozentwert.
Unterm Strich zeigt sich damit ein klarer Trend: Mister Spex kommt operativ voran und verbessert seine Margenstruktur, hat den Weg zur nachhaltigen Profitabilität jedoch noch nicht abgeschlossen.