Jubiläumstagung bot ein breites thematisches Spektrum Im Licht der Votivkirche: 40 Jahre Interlens in Wien
29.05.2026
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Nach den Vorträgen zum Myopie-Management nutzte ein Teilnehmer die Chance, einen speziellen Fall aus seinem Geschäft mit den Speakern zu besprechen.
Erstveröffentlichung in der DOZ 06/2026
Als sich im März rund 80 Kontaktlinsenspezialistinnen und -spezialisten in Wien zur 116. Fachtagung der Interlens versammelten, war es zugleich ein besonderes Treffen: Die Vereinigung feierte ihr 40-jähriges Bestehen. Direkt zu Beginn prägten persönliche Gespräche, Umarmungen und freundschaftliche Späße das Bild. „Es ist ein Familientreffen“, brachte es Martin Laifer treffend auf den Punkt. Viele der Anwesenden kennen sich seit Jahren und gehören zu den langjährigen Mitgliedern der Vereinigung.
Dass diese besondere Atmosphäre auch neue Teilnehmer einbezieht, zeigte sich unmittelbar: Berührungsängste gab es nicht. Ein Einfaches „Bist du zum ersten Mal da? Hi, ich bin …“ genügt – und schon ist man mittendrin im Netzwerk. Diese Offenheit dürfte ein Grund dafür sein, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind: Waren es vor drei Jahren noch rund 30 Interessierte, fanden sich diesmal etwa 80 Fachleute in Wien ein. Darunter auch zahlreiche Gäste, denn die Tagung steht ausdrücklich nicht nur Mitgliedern offen.
Inhaltlich bot die Veranstaltung ein breites Spektrum, das weit über die klassische Kontaktlinsenanpassung hinausging. Ein zentrales Thema war das Myopie-Management: Vorträge zur Versorgung, aktuelle Studien und praxisnahe Ansätze stießen auf großes Interesse. Die rege Beteiligung in den Fragerunden spiegelte die hohe Relevanz des Themas wider.
Dabei kam auch der Humor nicht zu kurz: So stellten die Referenten Hakan Kaymak und Philipp Hessler fest, dass zu dunkle Klassenzimmer die Myopie fördern könnten – die „logische“ Konsequenz, Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken, wurde dann augenzwinkernd verkündet. Ein Einwurf aus dem Plenum sponn den Scherz weiter: Gerade Kinder mit hoher Hyperopie seien aufgrund der Aussage der Myopisierung in Schulen besonders auf den Unterricht angewiesen. Solche Momente lockerten die Diskussion, ohne die fachliche Tiefe zu schmälern.
Denn neben der Leichtigkeit gab es auch kontroverse Themen. Unterschiedliche Sichtweisen wurden offen diskutiert – ein Aspekt, der die Qualität der Tagung zusätzlich unterstrich. Ebenso wichtig wie die Vorträge selbst waren die Pausen: Hier wurden Erfahrungen ausgetauscht, neue Kontakte geknüpft und bestehende vertieft.
Ein paar hundert Meter vom Tagungshotel entfernt steht die Votivkirche mit der Installation „Unendlichkeit des Lichts“. Eine treffende Inspiration für einen kontaktoptischen Preis.
Gemeinschaft, die fachlich wie menschlich verbindet
Dass die Interlens-Tagung nicht nur fachlich, sondern auch menschlich verbindet, zeigte sich selbst in kleinen Details: Die Tagungsräume trugen die Namen verschiedener Tänze, wie Tango oder Walzer – und so verwunderte es nicht, dass in den Pausen auch spontane Tanzeinlagen eines Wiener Walzers zu beobachten waren. Momente wie diese unterstrichen die besondere Mischung aus Professionalität und Herzlichkeit.
Ein fester Bestandteil der Tagung ist der Blick in die Praxis eines Mitgliedsbetriebs vor Ort. In diesem Jahr inspizierte man das Geschäft eines neu aufgenommenen Mitglieds in der Nähe des Tagungshotels. Der Besuch bot Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen und eröffnete Raum für direkten kollegialen Dialog. Der gemeinsame Abend führte die Gruppe schließlich mit einer traditionellen Wiener Bim (den Deutschen als Straßenbahn bekannt) zum Prater. Während der Fahrt erläuterte ein Guide die Sehenswürdigkeiten. Vor Ort wurde deutlich, dass der Prater weit mehr ist als nur
eine Grünanlage – und zwar ein lebendiger Ort mit Volksfestcharakter. Unterstrichen wurde das Bild im Restaurant von umhereilenden Kellnern, die beladen waren mit bis zu 20 Krügen Bier, Haxen oder Schnitzel und diese an die hungrigen Tagungsteilnehmern verteilten. Fachliche Diskussionen gingen an diesem Abend fließend in persönliche Gespräche über.
Ein besonderer Moment der Tagung war der Rückblick auf 40 Jahre Interlens. Im Mittelpunkt stand Karl-Heinz Haunreiter, eines der Gründungsmitglieder, der die Anfänge der Vereinigung schilderte. Die Interlens entstand aus dem Bedürfnis heraus, die Interessen der Kontaktlinsenspezialisten stärker zu vertreten. Viele fühlten sich damals fachlich und wirtschaftlich nicht ausreichend repräsentiert. Während für die Zuzahlungen der Brille intensiv verhandelt wurde, blieb die Situation bei Kontaktlinsen lange unverändert. Haunreiter erinnerte sich: „Formstabile Kontaktlinsen aus PMMA kosteten für die Krankenkassen über Jahre hinweg rund 300 D-Mark – trotz veränderter Rahmenbedingungen, wie steigenden Preisen.“
Völlig überrascht und gerührt nimmt der ehemalige Schatzmeister Karl-Heinz Haunreiter den Infinitas-Preis für sein Engagement in der Kontaktoptik und für die Interlens entgegen.
Die Idee einer eigenen Vereinigung entstand auf einer damaligen VDC-Tagung (heute VDCO). Noch am selben Abend fanden sich etwa zehn Interessierte zusammen, am nächsten Morgen stand bereits der Name fest: Interlens. Offiziell startete die Vereinigung 1986 mit neun Gründungsbetrieben.
Eine besonders prägende Herausforderung folgte 1992: Eine Unterlassungsklage einer gleichnamigen Kontaktlinsen-Fachgruppe aus der Schweiz stellte die junge Vereinigung vor eine existenzielle Krise. Da finanzielle Mittel für eine langwierige juristische Auseinandersetzung fehlten, stand gar ein Namenswechsel im Raum. Letztlich konnte Interlens jedoch nachweisen, dass der Name bereits 1985 aktenkundig gewesen war – und behielt ihn. Was heute wie eine Randnotiz erscheint, war damals entscheidend für den Fortbestand der Gemeinschaft. Um dieses Engagement zu würdigen, wurde erstmals der Infinitas-Preis verliehen. Das Unendlichkeitssymbol steht sinnbildlich für den unermüdlichen Einsatz in der Kontaktoptik.
Geehrt wurden Karl-Heinz Haunreiter sowie – in Abwesenheit – Ulrich Dohle. Die Auszeichnung wurde unter großem Applaus überreicht und spiegelte die hohe Wertschätzung innerhalb der Gemeinschaft wider. Der Preis soll künftig regelmäßig vergeben werden; weitere potenzielle Preisträger gibt es bereits.
Aus drei mach zwei
Zum Abschluss der Tagung wurde nicht nur auf das Erreichte angestoßen, sondern auch der Blick in die Zukunft gerichtet. Die nächste Fachtagung findet am 21. und 22. November dieses Jahres in Göttingen statt. Das Konzept wechselnder Veranstaltungsorte bleibt bewusst bestehen: Frühjahrstagungen finden meist am Sitz eines Mitgliedsbetriebs statt, Herbsttagungen eher zentral in Deutschland, um die Anreise fair zu gestalten. Seit der Corona-Pandemie hat sich zudem ein neuer Rhythmus etabliert: Statt drei Treffen pro Jahr finden nun zwei statt – mit stärkerem Fokus auf Qualität und Themenauswahl. Der Austausch selbst wurde durch digitale Kommunikationsplattformen sogar erweitert.
Damit schloss sich in Wien der Kreis zum Auftakt der Tagung: Aus ersten Gesprächen wurden neue Kontakte, aus Begegnungen kollegialer Dialog – und für viele erneut der Beleg, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die fachlich wie menschlich trägt.
Mitgliedschaft bei der Interlens
Der Vorstand der Interlens setzt sich zusammen aus: Ralf Emminger, Martin Laifer, Alexander Starfinger, Corinna Wahrendorf, Niklas Ihrke-Bronk, Corinna Kampp, Danny Köhler und Karsten Bronk (Ressort Krankenkassen). Eine Mitgliedschaft ist nur für Betriebe (keine Einzelpersonen) möglich. Um Mitglied werden zu können, ist eine Teilnahme an mindestens drei Tagungen als Gast, Vorstellung des eigenen Betriebs und das Referieren eines Fachvortrages Pflicht. Die Betriebe werden anhand von verschiedenen Kriterien, Ehrenkodex und QM-Handbuch für die Aufnahme geprüft.