Zwischen Terminen, Trends und Treibenlassen DOZ begleitete Augenoptikerin Eva Trummer-Held einen Tag auf der Opti

Eva Trummer-Held und Katharina Jansen auf der Opti

Gemeinsam auf der Opti unterwegs: DOZ-Redakteurin Katharina Jansen (re.) zog mit Augenoptikermeisterin Eva Trummer-Held durch die vier Messehallen. Start und Ziel war (natürlich) am DOZ-Stand.

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Erstveröffentlichung in der DOZ 03/26.

Die Opti ist für mich ein Muss“, sagt Augenoptikermeisterin Eva Trummer-Held, als sie am Sonntagmorgen vom Messeeingang Nord-West in Richtung Halle C4 geht. Seit mehr als elf Jahren ist sie Inhaberin der Optikmeisterei in Erlangen – und ebenso lange hat die Opti ihren festen Platz im Terminkalender. Meist kommt sie nur für einen Tag nach München, häufig am Sonntag, oft gemeinsam mit dem Team. In diesem Jahr ist sie allerdings allein unterwegs. „Wir fahren im Team zur Mido“, erklärt sie, „deshalb mache ich die Opti solo.“ Ihr Plan für den Messetag? „Neuheiten sichten, Fassungen shoppen und dazwischen ein bisschen treiben lassen.“ Für Letzteres bleibt zunächst allerdings keine Zeit. Um 11:30 Uhr wartet Hoya-Kundenberater Joachim Pillinger als erster Termin. Also geht es zügig durch die Messehalle C4. Laute Musik schallt von einem Stand, auf der Tomorrow-Vision-Fläche läuft gerade eine Cheerleader-Vorführung. All das nimmt Trummer-Held nur am Rande wahr – sie hat ihre Handyuhr im Blick und sucht den Hoya-Stand.

Gespräche auf Augenhöhe

Am großzügig und offen gestalteten Hoya-Stand mit Stehtischen, Hockern und einer kleinen Lounge findet Eva Trummer-Held zwischen den vielen Besuchern schnell ihren Gesprächspartner Joachim Pillinger. Eine kurze Umarmung, dann suchen sich die beiden einen einen runden Tisch mit drei Hockern und ordern Getränke. Neben ihnen testen zwei Augenoptiker gerade die neue Messtechnik für das „MySense“-Glas, das auf der Messe vorgestellt wird.

„Welchen Eindruck hast du von der Messe?“, beginnt Joachim Pillinger das Gespräch. Trummer-Held erzählt, dass sie bisher kaum Zeit hatte, sich umzusehen, aber gehört hat, dass es am Samstag sehr voll gewesen und es am Eingang teilweise zu längeren Wartezeiten gekommen sei. Am Sonntagmorgen dagegen ging der Einlass für sie zügig. Anschließend stellt Pillinger ihr die Neuheiten vor. Häppchen werden mehrfach angeboten, doch die Augenoptikerin winkt ab und bleibt beim Gespräch, stellt Zwischenfragen zu Preisen sowie Vor- und Nachteilen. Schnell entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe, kein klassischer Verkaufsmonolog. Man spürt, dass sich die beiden gut verstehen. Das ist der Betriebsinhaberin besonders wichtig: „Viele meiner Kundenberater kenne ich schon jahrelang, da weiß man, was man aneinander hat. Er kennt meinen Betrieb und ich kenne seine Art, Sachen zu präsentieren.“

Während sie sich bei den Glasneuheiten lediglich informiert, bucht sie die Sommeraktion zu den Sonnenbrillengläsern gleich vor Ort. „Diese Aktion bieten wir jedes Jahr an, das läuft gut, das kann ich gleich abschließen“, sagt Trummer-Held kurz entschlossen. Kaum ist die Bestellung abgeschlossen, drängeln auch schon Pillingers nächste Kunden nach vorne und beanspruchen seine Aufmerksamkeit. Nach einer kurzen Verabschiedung taucht meine Wegweiserin wieder ins Messegewimmel ein, während hinter uns schon die nächsten Gespräche anlaufen.

Eva Trummer-Held und Joachim Phillinger

Immer mit Blick aufs Detail: Eva Trummer-Held lässt sich von Hoya-Kundenberater Joachim Pillinger die Glasneuheiten direkt am Tablet zeigen.

© DOZ/ Katharina Jansen

„Ich kann nicht alles mitnehmen, was die Messe bietet.“

„Zwischen den festen Terminen lasse ich mir immer ein bisschen Luft, um mir andere Sachen anzuschauen“, erklärt Trummer-Held, während sie durch die Gänge mit den Ständen der Kontaktlinsenhersteller entlanggeht und einen flüchtigen Blick auf die Austellerflächen wirft (eine Übersicht über die Neuheiten der Kontaktlinsenhersteller finden Sie ab Seite 100). Immer wieder entdeckt sie bekannte Gesichter. „Hey, du auch hier!?“ – eine schnelle Umarmung, ein kurzer Small Talk, und schon läuft sie weiter, Richtung Halle C3, die, zumindest zu diesem Zeitpunkt, etwas ruhiger als die anderen Hallen wirkt.

Die dortigen Highlights wie der „Next Generation Hub“ und die Hörakustik-Sonderfläche lässt sie bewusst links liegen. „Mein Zeitplan ist begrenzt. Ich kann nicht alles mitnehmen, was die Messe bietet, ich muss Prioritäten setzen“, sagt sie, merkt aber gleichzeitig an, wie sehr sich die Opti in den vergangenen Jahren in ihren Augen positiv verändert hat. „Die Freiflächen zum Sitzen und für Gespräche und die Sonderflächen mit Vorträgen und neuen Impulsen machen die Opti deutlich frischer und moderner.“ Trotzdem hat sie bei ihren Messebesuchen bis dato nie die Zeit gefunden, diese Angebote wahrzunehmen, sondern ihren Aufenthalt lieber gut mit Terminen durchgeplant.

Nächster Stopp ist bei Rupp + Hubrach, die in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Standfläche mit Essilor-Luxottica und Nika haben. Doch schon beim Betreten des Stands fällt auf, dass dort ein sehr gut besuchter Vortrag stattfindet. Es ist rappelvoll. Dass die Augenoptikermeisterin im Vorfeld versäumt hatte, einen Termin zu vereinbaren, rächt sich jetzt. „Es ist zu voll, da werde ich wohl meinen Kundenberater kontaktieren und einen Termin vereinbaren müssen“, sagt sie. Darüber hinaus schaut sie sich in der Halle nicht um, „mit Geräten sind wir aktuell gut versorgt“. Was ihr Betrieb aber wirklich braucht, sind neue Fassungen. Das Frühjahr naht. „Meine Mädels haben mir ein paar Wünsche mitgegeben, die ich bei Andy Wolf einkaufen soll.“ Bevor es aber auf Shoppingtour geht, will sie noch durch die beiden Fassungshallen laufen. Also geht es in Halle C1. „Zum Glück habe ich mir gestern noch den Hallenplan angeschaut und weiß in etwa, wo die für mich interessanten Hersteller sind“, sagt sie und ist schon wieder unterwegs.

Eva Trummer-Held am Ivko-Stand

Zwischenstopp: Eva Trummer-Held stöbert am Ivko-Stand bei den Kinderbrillen und entdeckt ein paar Highlights.

© DOZ/ Katharina Jansen

In den beiden Fassungshallen wirkt alles dichter gedrängt, wieder strömen viele Besucher zwischen den Ständen. Die Fassungsmarken zeigen unterschiedliche Konzepte: Einige Stände setzen auf eine Lounge und Sessel, andere auf exklusive Beratung in ruhigerer Atmosphäre hinter am Stand eingezogenen Wänden. An wieder anderen ist es laut, Musik dröhnt. Manche locken mit auffälligen Exponaten: ein glänzend polierter Sportwagen bei Porsche Design, holländischer Käse beim niederländischen Label Dutz Eyewear.

Am sehr hell gehaltenen Messeauftritt von Gigi Studios bleibt die 34-Jährige stehen. Zum einen, weil sie erneut einen Bekannten trifft, zum anderen, um die Fassungen in die Hand zu nehmen. „Beim Anfassen merkt man sofort, aus welchem Material die Brillen sind und in welcher Preislage sie liegen.“ Das spanische Label hat sie erst vor ein paar Jahren auf der Opti entdeckt und den Erstkontakt hergestellt. Diesmal kann sie allerdings kaum spannende neue Labels auf der Messe finden. „Es kommen immer die gleichen“, sagt die 34-Jährige. Aktuell sind sie und ihr Team auf der Suche nach neuen Fassungsmarken, die das Sortiment der Erlangener Optikmeisterei noch sinnvoll ergänzen und zum Ladenkonzept und den Kunden passen. Deshalb wird ihr Team dieses Jahr zum ersten Mal einen Abstecher nach Mailand machen, in der Hoffnung, neue Independent-Labels kennenzulernen (dazu am Ende des Artikels mehr).

Auf der Opti will sie in diesem Jahr daher nur bei zwei Fassungsherstellern ordern und zudem nach Kinderbrillen schauen. „Kinderbrillen sind immer ein schwieriges Thema. Einige Kollegen bieten inzwischen keine Kinderbrillen mehr an“, sagt die Augenoptikerin. Sie finde es aber wichtig, auch Kinder zu versorgen. Das Hauptproblem: Im Laden gibt es einige Fassungen, aber oft nicht die genau passende Größe oder Farbe für das Kind. Dann muss bestellt werden. „Daher ist es gut, sich auch bei den Kinderkollektionen auszukennen.“ Am Stand der Ivko-Gruppe bleibt sie kurz stehen. Neue Modelle mit Paw-Patrol-Motiven fallen ihr sofort ins Auge. Sie blättert durch ein Infoblatt, steckt es ein und nickt: „Das muss ich mir merken.“

„Sind die Brillen für den Schulsport zertifiziert?“

In der nächsten Halle bei Gloryfy: Auch hier gibt es Kinderbrillen. Trummer-Held schaut sich die Modelle genau an, tippt auf die Bügel, hebt die Gläser gegen das Licht. „Sind die Kinderbrillen als schulsporttauglich zertifiziert?“, fragt sie den Berater am Stand. „Leider nein“, lautet die Antwort. „Schade, wir haben viele Eltern, die darauf achten, dass die Zertifizierung vorliegt, weil Schule und Vereine beim Schul- und Vereinssport genau das erwarten.“ Sie seufzt kurz, da das bei vielen Kinderbrillenherstellern ein Problem ist. „Ich hoffe, dass die Hersteller hier künftig nachlegen, dann ist die Auswahl für die Eltern und Kinder besser.“ Dann klingelt ihr Handy und erinnert sie an den Ordertermin bei Andy Wolf Eyewear.

Schon von weitem fällt der Stand auf: In der Mitte steht eine große, mehrstöckige Papp-Geburtstagstorte mit roten Schleifen – das Brand feiert 20 Jahre. Die Beratungstische sind so angeordnet, dass man von allen Plätzen einen Blick auf die Torte hat. Die Atmosphäre am Stand ist von Anfang an locker. Vor allem aber stimmt die Chemie zwischen Sales Manager Sebastian Klinkhammer und Eva Trummer-Held. Er legt die Brillenboxen der Frühjahr-/Sommerkollektion auf den Tisch, sie greift sich Fassungen, dreht sie um, probiert sie selbst aus und reicht sie ihm. „Wenn ich unsicher bin, schaue ich mir die Fassungen gerne an einem anderen Gesicht an“, sagt sie. Klinkhammer spielt mit, zieht Brillen auf, lacht dabei und legt immer mehr Boxen nach. Schnell hat sich ein Stapel an Brillenboxen gebildet, dann wird „gedreht“. Die Augenoptikerin zeigt Routine: „Ich kenne die Kollektionen, weiß, was bei uns gut läuft und was wir brauchen“, erklärt sie.

Zwischendurch wird ein Foto für Instagram gemacht – die Kundinnen und Kunden sollen schließlich sehen, dass „ihre“ Augenoptikermeisterin auf der Opti neue Fassungen shoppt. Während die Bestellung notiert wird, plaudern die beiden locker weiter, dann geht es für Trummer-Held schon zum nächsten Termin. Diesmal werden die Fassungen bei „Munic 1991“ bestellt. Auch hier kommt die 34-Jährige gut durch. Am Nachmittag ist sie „erst mal platt, erschöpft, aber zufrieden“. Ihr Opti-Tag ist geschafft. Voller Eindrücke von den vielen Gesprächen und neuen Fassungen macht sie sich zurück nach Erlangen.

Eva Trummer-Held bei Fassungsauswahl am Andy Wolf-Stand

Auf Shoppingtour am Stand: Die Augenoptikermeisterin wählt bei Sebastian Klinkhammer neue Andy-Wolf-Fassungen für ihren Betrieb aus. Von ihrem Team in Erlangen hat sie dafür ein paar Wünsche mit auf den Weg bekommen.

© DOZ/ Katharina Jansen

Mido im Fassungsbereich eine Alternative

Zwei Wochen später reiste die 34-Jährige mit ihrem Team nach Mailand zur Mido, um neue Impulse zu sammeln und andere Independent-Labels kennenzulernen. „Wir haben viel Neues entdeckt“, berichtet mir Eva Trummer-Held nach dem Besuch am Telefon. Die Messe in Mailand habe sich internationaler und moderner als die Opti präsentiert: Neben bekannten italienischen Herstellern wie Safilo und Marcolin konnte sie zahlreiche Labels entdecken, die in Deutschland bislang wenig bekannt sind. Für die Zukunft zieht die Augenoptikermeisterin regelmäßige Besuche in Mailand oder auf anderen Messen in Betracht. Im Herbst steht zudem die Silmo auf ihrem Plan – dann wird sie entscheiden, welche Messen im kommenden Jahr erneut besucht werden. Die Opti bleibt für sie aber weiter ein Muss.

Geschrieben von

Katharina Jansen

Katharina Jansen

Katharina Jansen erzählt am liebsten von Menschen – direkt, lebendig, mitten aus dem Leben. Bei der DOZ bringt sie Porträts und Reportagen zum Blühen, mit Gespür fürs Detail und einem Blick für das Unerwartete.

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