Schweizer Designerinnen mit Modell "Read on light customized" Die neue Generation Fertiglesebrillen

Dame mit roter Lesebrille und rotem Jacket

Read on light customized besticht nicht durch seine knalligen Farben und das schlichte Design, sondern setzt auch in Sachen Nachhaltigkeit ein klares Statement.

© Pia Grimbühler / Nina Maria Glahé / Hans Hansen

Erstveröffentlichung in der DOZ 05/26.

Meist sind Fertiglesebrillen rein funktional gedacht – praktische Alltagshelfer, doch selten schön, oft dunkel, schwerfällig und fast nie elegant. Dass es auch anders geht, zeigen die Schweizerinnen Sandra Kaufmann und Monika Fink. Mit ihren farbenfrohen Lesebrillen „Read on light customized“, bringen sie Farbe, Charme und überraschende Leichtigkeit in ein Objekt, das bislang kaum als modisches Statement galt. Denn diese Lesebrillen verstecken sich nicht. Sie leuchten in Knallrot, strahlen in Sonnengelb, schimmern in frischem Türkis, zartem Mint oder elegantem Violett - Farben, die gute Laune machen und Akzente setzen. Und selbstverständlich gibt es sie auch in edlem Schwarz, denn Klassiker dürfen nie fehlen.

Trotz ihrer Präsenz wirken sie niemals aufdringlich, sondern überraschend leicht und stilvoll. Ein Statement für minimalistisches Design und Alltagstauglichkeit. Praktisch sind sie ohnehin, und so werden sie im Alltag schnell zum unverzichtbaren Begleiter: beim schnellen Blick auf die Speisekarte, beim Lesen einer Nachricht in der Tram oder beim spontanen Entziffern eines Preisetiketts. Denn sie bergen einen großen Vorteil: Sie sind mit ihren drei Millimetern so flach, dass sie sogar in die Jackentasche, in das Hipsterbag oder an der Kordel umgehängt unter und über den Pulli passen. Seit September 2025 sind sie auf dem Markt und wurden bereits mit dem German Design Award 2026 in der Kategorie „Excellent Product Design – Lifestyle & Fashion“ ausgezeichnet. Doch beginnen wir am Anfang. 

Leuchtende Farben, federleichte Fassung

Bereits 2023 entwickelten die beiden Zürcherinnen das Vorgängermodell „Read on light“: eine ultradünne, elegante Lesebrille, verpackt in einem flachen, robusten Etui mit farblich perfekt abgestimmter Umhängekordel – ein stilvolles, praktisches Accessoire, das sich mühelos in den Alltag einfügt. Ein Jahr später stand fest, dass dieses raffinierte Konzept weiterreifen sollte. Die klare Linie, die leuchtenden Farben, die federleichte Form – all das blieb unangetastet. Und wer die fröhlichen Fassungen sieht, versteht sofort, weshalb. Doch Sandra Kaufmann und Monika Fink wollten mehr: eine Innovation, die nicht nur ästhetisch besticht, sondern auch die Arbeit von Augenoptikerinnen und Augenoptikern erleichtert und der Kundschaft einen echten Nutzen bietet. 

Und genau diesen Schritt haben sie getan. „Das Herzstück unseres neuen Systems ist eine Box mit 28 austauschbaren, geschliffenen Gläsern in sieben Dioptrienstärken – von +1,0 bis +2,5“, erklärt Monika Fink. „Damit kann ein Augenoptiker die Brille in weniger als zwei Minuten personalisieren und für jedes Auge die optimale Stärke einsetzen.» Damit ist Read on eine überraschend elegante Lösung in einer lange vernachlässigten Zwischenkategorie gelungen: eine Fertiglesebrille, die nicht nur gut aussieht, sondern erstmals individuell nach Rezept anpassbar ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nachhaltigkeit. „Passen herkömmliche Fertiglesebrillen nicht mehr oder sind die Gläser zerkratzt, landen sie in der Regel im Abfall. Bei unserer Brille können die Gläser vom Augenoptiker einfach ersetzt werden», sagt Sandra Kaufmann. 

Read on light - Fertiglesebrille in gelb

Read on Light Customized besticht nicht nur durch seine knalligen Farben und das schlichte Design, sondern setzt auch in Sachen Nachhaltigkeit ein klares Statement.

© Pia Grimbühler / Nina Maria Glahé / Hans Hansen

Intelligentes Baukastensystem

So bleibt Read on die einzige Brillenmarke, die mit nur einer Brillenform und zwei identischen Glasformen auskommt – inspiriert von einem intelligenten, platzsparenden Baukastensystem. Alles wird in praktischen, schicken Boxen an die Augenoptikfachgeschäfte geliefert: die faltbare Brille im Etui, die Kordeln, die Gläser – jede Komponente ist durchdacht, jede Funktion sinnvoll, jedes Detail liebevoll gestaltet. „Bei Read on verbinden wir verspielten Lifestyle mit praktischer Funktionalität - es ist die Brille für unterwegs. Wir leben in einer mobilen Welt, als urbane Nomaden. Unsere Accessoires sollen das berücksichtigen und sich unseren Ansprüchen anpassen“, erklärt Monika Fink.

Doch wer sind die beiden Frauen, die hinter diesem Erfolg stehen? Sandra Kaufmann ist Industriedesignerin und widmet sich seit zwanzig Jahren dem Entwerfen von Brillen und Uhren. An der Züricher Hochschule der Künste doziert sie im Bereich Industrial Design mit dem Schwerpunkt Entwurf und Innovation. Monika Fink hat in Barcelona Skulptur studiert und arbeitet als Künstlerin in Zürich. „Wir entwerfen Brillen zunächst für uns selbst – es sind Produkte, die wir uns wünschen. Weil wir sie jedoch nirgendwo finden, erschaffen wir sie einfach“, sagt sie. Und Sandra Kaufmann ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass viele Menschen ähnliche Bedürfnisse haben wie wir. 

Ausschnitt einer Read on Lesebrille in gelb

Die Gläser lassen sich innerhalb weniger Minuten individuell und exakt auf jedes Auge abstimmen und austauschen.

© Pia Grimbühler / Nina Maria Glahé / Hans Hansen

Zwei Marken, zwei Designerinnen

Bereits mit ihrer Brillenmarke Sol Sol Ito sorgten die zwei Zürcherinnen für Aufsehen. Ihre Fassungen – klar, eigenständig, zugleich extravagant – begeistern seit Jahren Designliebhaberinnen und -liebhaber. Die Schweizer Video- und Performance-Künstlerin Pipilotti Rist zählt ebenso zu ihren Bewunderinnen wie zahlreiche internationale Kreative, die ihre Brillen tragen. Sogar das Schweizer Supermodel Tamy Glauser entwarf eine eigene Fassung für das Label. „Die Innovation von diesen Brillenfassungen liegt im Gummipuffer-Scharnier. Es ist sehr robust und praktisch und ganz ohne Schrauben, die verlorengehen könnten“, sagt Monika Fink. Für dieses durchdachte Design wurde Sol Sol Ito mit dem Red Dot Award und dem German Design Award ausgezeichnet. Auch die Formensprache bricht mit klassischen Zuschreibungen: nicht feminin, nicht maskulin, sondern eine Brille für moderne Menschen – unabhängig vom Geschlecht. Ob Fertiglesebrille, Sonnenbrille oder klassische Sehhilfe - die Entwürfe der beiden Frauen sind weit mehr als funktionale Begleiter: Sie sind Statements. Oder wie Sandra Kaufmann es ausdrückt: „Schönheit und Ästhetik sind zentrale Aspekte in unserer Arbeit. Wir suchen im Design immer nach einem Mehrwert, der über reines Styling hinausreicht“.

Doch kehren wir noch einmal zurück zu ihrem Start-up Read on und wie dort alles anfing. Am Anfang dieser Reise im Jahr 2020 stand mit „Read on mobile“ eine unscheinbare, aber geniale Idee: Eine Fertiglesebrille, so dünn und leicht, dass sie mühelos in eine iPhone-Hülle integriert werden konnte. Ein kleines Accessoire, das man gar nicht erst suchen musste, weil es einfach immer da war – griffbereit, elegant, beinahe schwerelos. Damit war der Vor-Vorläufer der heutigen Version geboren: Vier Millimeter dünn, in Schwarz und Transparent. Fünf Jahre und diverse Auszeichnungen später sagt Monika Fink: „Mit unserer Customized-Version haben wir unsere Grundidee perfekt vollendet.“ Und das stimmt wohl. 

Read on light - Fertiglesebrille zusammengeklappt

Im ultradünnen Etui verstaut, passt die Lesebrille überall hinein und wird mit einer Kordel zum stilvollen Schmuckstück.

© Pia Grimbühler / Nina Maria Glahé / Hans Hansen

Geschrieben von

Author

Denise Dollinger

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