Austausch zwischen Augenoptik und Ophthalmologie Academia Optomedica: An einem Tisch, noch nicht auf einer Linie

Academia Optomedica

Insgesamt zehn Teilnehmende diskutierten bei der Academia Optomedica in Düsseldorf mit den Epitop-Organisatoren Amir Parasta (l.) und Max Wallwitz (2. v. l.). 

© DOZ / David Friederichs

Erstveröffentlichung in der DOZ 10/2026

Düsseldorf, NH Hotel City, ein Donnerstagabend Ende August um 18 Uhr. Im Tagungsraum auf der ersten Etage sind etwas mehr als 20 Stühle aufgebaut. Noch sind erst knapp die Hälfte der Plätze besetzt, aber bis zum Start eine halbe Stunde später ist noch etwas Zeit. „Wir sind ausgebucht, haben 20 Anmeldungen und mussten sogar noch ein paar zusätzliche Stühle organisieren“, erklärt Amir Parasta. Der Gründer und Geschäftsführer der Epitop GmbH hat an diesem Abend zur zweiten Station der Academia Optomedica geladen. Rund zweieinhalb Monate zuvor hatte das Format, bei dem Augenoptiker, Augenärztinnen und medizinische Fachangestellte zusammenkommen sollen, in Frankfurt seine Premiere gefeiert. „Das war ein richtig guter Austausch, in dem auch kontrovers diskutiert wurde. Und das ist auch genau das, was wir wollen“, erklärt Parasta im Gespräch kurz vor Veranstaltungsbeginn. 

Eine erste Enttäuschung aber gibt es an diesem Abend. Denn wirklich voller wird es nicht, rund die Hälfte der Angemeldeten bleibt der Veranstaltung fern. Die, die gekommen sind, bilden aber dennoch einen guten Querschnitt. Eine Augenoptikermeisterin und eine Optometristin eines Kölner Augenzentrums haben ebenso den Weg nach Düsseldorf gefunden wie eine praktizierende Augenärztin mit ihrem Mann. Auf der anderen Seite sind Augenoptiker aus Oldenburg, Wülfrath und Essen vor Ort. Das gemeinsame Ziel für diesen Abend: „Wir wünschen uns Impulse für eine bessere Zusammenarbeit mit den lokalen Augenärzten“, bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Denn dort hakt es bei den Anwesenden teilweise noch deutlich, wie sie gleich zu Beginn kundtun. Um der offenen Diskussion nicht im Weg zu stehen, ist abgesprochen, dass die Berichterstattung ohne konkrete Namensnennung stattfindet.

Verständnis für die andere Berufsgruppe aufbauen

„Warum arbeiten wir noch getrennt, obwohl wir dieselben Menschen und dasselbe Organ betreuen?“ oder „Der größte Engpass in der Augenversorgung ist nicht der Ärztemangel, sondern die fehlende qualifizierte Zusammenarbeit“ sind exemplarische Fragen und Aussagen, die Parasta an diesem Tag mitgebracht hat. Sie sollen Grundlage für den Austausch sein, in dem es auch darum geht, Verständnis für die jeweils andere Berufsgruppe zu bekommen. Was verdient ein Augenarzt an einem Patienten? Was ist ein Regelleistungsvolumen? Und wie sieht der Weg von Epitop aus, um beide besser miteinander zu vernetzen? Ganz neu stellt Parasta dabei das sogenannte Care Board vor, eine Vernetzungsplattform, auf die sowohl Augenoptikerinnen als auch Augenärzte Zugriff haben. Augenoptikerinnen stellen die Ergebnisse ihrer Screenings ein, Augenärzte auf der anderen Seite bekommen sofort einen Einblick, inwiefern der Patient zur Ausrichtung der Praxis passt und ob er zeitnah einbestellt werden muss. Zudem können sie direkt Kontakt aufnehmen. 

Während die anwesenden Augenoptiker positiv auf die Neuentwicklung reagieren, ist die Zurückhaltung auf Seiten der Augenärztin spürbar. Immer wieder verfällt sie in eine Art Schutzhaltung. Wirklich konstruktiv wird der Austausch dadurch nicht. Zumindest schildern die beiden Augenoptikerinnen aus dem Augenzentrum, dass bei ihnen großer Wert auf eine Beziehung zwischen den Beteiligten gelegt wird. Konkurrenzdenke sei hier weniger ausgeprägt. Vielmehr ginge es darum, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufzubauen und die beste Lösung für den Kunden beziehungsweise die Patientin zu finden. Für Parasta machen genau diese unterschiedlichen Sichtweisen den Reiz der Veranstaltung aus. „Gerade die kritischen Praxen sind für so ein Format wertvoll – das sind die, die sich sonst nie einem Gespräch stellen, aber regional in Fortbildungen und an Stammtischen Stimmung machen.“ 

Immerhin bleibt die Augenärztin auch nach dem offiziellen Ende noch, tauscht Visitenkarten aus und zeigt Interesse an einem weiteren Austausch. Dennoch sei das gegenseitige Verständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen Berufsgruppe noch ausbaufähig. „Genau deshalb setzen wir bewusst auf den direkten Dialog beider Seiten. Das ist sicherlich mühsam, aber nachhaltig“, befindet Parasta.

Für ihn ist die Academia Optomedica daher ein wachsendes Pflänzchen. „Im Vordergrund steht aktuell noch das gegenseitige Kennenlernen der Sorgen und Ängste beider Seiten, dazu ein Sounding Board für neue Ansätze – weniger die Abstimmung einheitlicher Prozesse. Wer jetzt am Tisch sitzt, lernt und prägt mit, wie die Zusammenarbeit in seiner Region aussieht.“ Daher sei es besonders wichtig, die kritischen Stimmen zu hören, statt nur mit den ohnehin schon dem Thema gegenüber offen eingestellten Protagonisten zu sprechen.

Und so hofft Parasta, dass auch bei den weiteren Stationen der Academia Optomedica in Nürnberg (15.10.) und Stuttgart (12.11.) sowie bei der Abschlussveranstaltung am Vorabend der Opti 2027 in München (28.01.) (weitere Infos zu den Termine auf der Partnerseite von Epitop auf dem COE Campus) das Pflänzchen weiterwächst – und es weniger Absagen gibt als noch in Düsseldorf. Ob daraus am Ende mehr entsteht als ein guter Austausch, muss sich allerdings erst im Versorgungsalltag vor Ort zeigen.

Geschrieben von

David Friederichs

David Friederichs

Große Themen mit gründlicher Recherche und kritischem Blick sind David Friederichs Spezialgebiet. Der DOZ-Chefredakteur schreibt am liebsten über das, was wirklich zählt – und sammelt dabei gerne Brillen. 

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