ECLSO-Kongress in Wien Simon Jäkels sechs Minuten, die Türen öffnen
29.05.2026
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Simon Jäkel durfte beim ECLSO-Kongress in Wien einen kurzen Vortrag halten und zeigte sich begeistert vom interdisziplinären Austausch.
Erstveröffentlicht in der DOZ 06|2026
Mit diesem Erfahrungs- und Reisebericht über meinen Besuch beim europäischen Kongress der kontaktlinsenanpassenden Augenärzte (European Contact Lens Society of Ophthalmologists; ECLSO) möchte ich nicht nur Fortbildungsinteressierte aus Augenoptik, Optometrie und Kontaktlinsenpraxis ansprechen, sondern auch jene, die eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Augenoptik und Ophthalmologie kritisch sehen. Meine Eindrücke sollen motivieren, selbst aktiv das Netzwerken mit Augenärztinnen und Augenärzten zu suchen. Denn dieser Weg lohnt sich – fachlich wie interdisziplinär.
Der Anlass meiner Reise nach Wien war eine Einladung von Dr. Thomas Heinzle, Obmann der Vereinigung kontaktlinsenanpassender Augenärzte in Österreich (VKAA). Ich durfte auf dem 51. Meeting der ECLSO eine kurze Fallpräsentation zum Thema Skleralkontaktlinsen halten.
Ich gebe zu: Die Abkürzung ECLSO war mir bis dahin selbst kaum begegnet. Also habe ich mich vorab erst einmal eingelesen. Hinter der Gesellschaft steht der Dachverband der nationalen Kontaktlinsengesellschaften der Augenärzteschaft, mit Fokus auf wissenschaftlichen Austausch rund um Kontaktlinsenanpassung und damit verbundene Augenerkrankungen. Gleichzeitig versteht sich die ECLSO ausdrücklich auch als Plattform für „other eye care experts“ – und genau das machte die Einladung für mich besonders spannend. Mit diesem Wissen im Gepäck ging es am 24. April per Zug nach Wien.
Im Vorfeld: Mischung aus Vorfreude und Respekt
Meine Gefühlslage würde ich rückblickend als Mischung aus Vorfreude und Respekt beschreiben. Ein Blick ins Programmheft hatte es in sich: Dort standen zahlreiche Namen renommierter Referentinnen und Referenten wie Deborah Jacobs (USA), James S. W. Wolffsohn, Philip Morgan (beide UK) oder Eef van der Worp (NL), die ich bislang eher aus internationalen Studien (wie dem Drey-Eye-Report TFOS DEWS III) oder von großen Kontaktlinsen-Fachkongressen kannte. Umso reizvoller war die Frage: Wie packt man in sechs Minuten Vortragszeit genügend Substanz, ohne die Zuhörenden zu überfrachten – und liefert gleichzeitig einem ophthalmologischen Publikum echten Mehrwert?
Bei der Vorbereitung war deshalb Kreativität gefragt. Ein wenig verunsichert war ich, als meine Frau und mein elfjähriger Sohn meinten, einige meiner Vortragsfolien seien für solch eine Tagung womöglich zu verspielt. Hintergrund war eine Idee, mittels KI-Bilder eine Sachertorte mit 72 Kuchenstücken zu erzeugen – in der Hoffnung, dass mein Vortrag selbst bei der nächsten Kaffeepause noch in Erinnerung bleibt. Und tatsächlich ging der Plan auf.
In der Pause entstanden über diese „Kuchen-Folien“ etliche interdisziplinäre Gespräche – nicht nur über Torte, sondern vor allem über Freiform-Sklerallinsen, die Vermessung des Corneo-Skleralprofils und praktische Anpassstrategien. Besonders gefreut hat mich das Feedback von Professor Carina Koeppen (Belgien), Past-Präsidentin der ECLSO, die hervorhob, wie viele praxisrelevante Take-home-Messages sich in sechs Minuten transportieren ließen. Ein schönes Beispiel dafür, wie selbst ein kurzer Case-Vortrag Brücken schlagen kann.
Bleibt hängen: Die visuelle Metapher der Sachertorte sorgte nicht nur im Vortrag, sondern auch in der Kaffeepause für Gesprächsstoff.
Noch eindrucksvoller war allerdings die Atmosphäre des Kongresses insgesamt. Rund 100 Fachleute aus Europa und den USA kamen nach Wien – verbunden durch eine gemeinsame Leidenschaft für gute Versorgung und fachliche Weiterentwicklung. Gerade bei Gesprächen am Mittagstisch war dieser Spirit spürbar. Ich hatte inspirierende Gespräche mit Ärztinnen, Optometristen und Kontaktlinsenanpasserinnen aus Belgien, den Niederlanden oder Frankreich über Produkte, Anpassphilosophien und Erfahrungen aus dem Praxisalltag.
Wie bei vielen Kongressen gilt auch hier: Vorträge sind nur ein Teil des Lernens. Der persönliche Austausch ist mindestens genauso wertvoll. Daher mein klarer Appell: Nutzen Sie die Veranstaltungen unserer Fachgesellschaften – ob AOA, OSO, VDCO, WVAO oder IVBS. Diese Formate bringen fachlich weiter und fördern genau die Zusammenarbeit, über die wir oft reden, aber die aktiv gestaltet werden muss.
Hohe Vortragsdichte, viel Input
Am Freitag umfasste das Programm unter anderem Vorträge zu Astigmatismus, Inflammation und trockenes Auge bei Keratokonus, chirurgische Ansätze im Keratokonus-Management sowie Updates zum Myopie-Management. Hinzu kamen Free-Paper-Sessions mit eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten. Auch der Samstag bot enorme fachliche Dichte – von TFOS DEWS III über Diskussionsrunden zu Anwendung von Kontaktlinsen statt Atropin, der Anpassung von Kontaktlinsen bei Kindern bis hin zu KI-Anwendungen in der formstabilen Kontaktlinsenanpassung und einem Ausblick auf die Zukunft der individuellen Weichlinsen-Versorgung.
Mein persönliches Fazit: Solche Veranstaltungen zeigen, wie nah Berufsgruppen zusammenrücken können, wenn die gemeinsame Patientenversorgung im Mittelpunkt steht – ob chirurgisch bei schweren Augenerkrankungen, therapeutisch oder auch als Kontaktlinsenspezialist für eine gesunde optische Rehabilitation. Man lernt voneinander, erweitert den eigenen Horizont – und beurteilt die Arbeit anderer vielleicht weniger vorschnell. Und ganz nebenbei kann man testen, ob Sachertorte in Wien wirklich besser schmeckt als zu Hause beim Konditor.