Augengesundheit im Fokus Mit Screening Mehrwert schaffen: Gut für die Augen – gut fürs Geschäft
30.07.2026
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Augenoptikerin Emma Fritsche von Filia76 erklärt einer Kundin das Ergebnis des optometrischen Screenings: Zunächst wurde der vordere Augenabschnitt mit dem Visionix VX120+ erfasst, dann folgte das Netzhautscreening des hinteren Augenabschnitts mit dem Visionix VX610.
Erstveröffentlichung in der DOZ 08/2026
„Filia76“ ist eine Erfolgsgeschichte aus Kassel. 2001 von der designaffinen Augenoptikermeisterin Claudia Weber gegründet, hat sich das Augenoptikfachgeschäft mit derzeit acht Mitarbeitenden und einer Auszubildenden innerhalb kurzer Zeit vom Geheimtipp zur Topadresse in Kassel gemausert. Bei WerkenntdenBesten.de, einem der größten Bewertungsportalen Deutschlands, wurde Filia76 im letzten Jahr zum „Besten Optiker Kassels und Hessens“ gekürt.
Gründe für den messbaren Erfolg sind fachliche Kompetenz und ein mit Sorgfalt ausgewähltes Angebot an Independent Eyewear. Ein weiterer Grund sind die Screenings und Augengesundheits-Checks, die Filia76 seit August 2024 den Kunden anbietet und die immer wieder Begeisterung auslösen, wie Inhaberin Claudia Weber erzählt. Zum Einsatz kommt die VX 610 von Visionix, eine non-mydriatische Funduskamera, welche die Erfassung von hochauflösenden Bildern ohne Pupillenerweiterung ermöglicht.
„Wir setzen das Gerät gezielt als präventive Maßnahme für Risiken und Auffälligkeiten am Auge ein“, so Weber, „dabei verwenden wir zusätzlich den Visionix VX 120+, der neben der Refraktionsbestimmung auch das Screening und Überwachung unterschiedlicher Anzeichen auf Erkrankungen wie Glaukom oder Katarakt abdeckt. Jeder Kunde mit hohem detektierten Risiko erhält bei uns automatisch ein Human Grading. Dabei werden die von uns aufgenommenen Netzhautbilder innerhalb von 48 Stunden von einem angeschlossenen augenärztlichen Expertenteam beurteilt.“
Zum Berufsalltag von Claudia Weber und ihren Mitarbeiterinnen gehört es mittlerweile, dass ihnen beim Netzhautscreening Auffälligkeiten begegnen, die einer schnellen Abklärung durch den Augenarzt bedürfen. Vor einigen Monaten etwa kam eine Kundin mit dem vagen Gefühl ins Geschäft, schlechter zu sehen. Die Augenmessung war eher unauffällig, die Sehstärke hatte sich nur leicht verändert. Doch beim Netzhautscreening zeigten sich Auffälligkeiten, die augenärztlich abgeklärt werden mussten. Im vorausgegangenen Anamnese-Gespräch hatte die Kundin bereits berichtet, dass in der Familie Fälle von Makulaerkrankungen vorliegen. Augenärzte diagnostizierten schließlich die sehr seltene Netzhauterkrankung Makuläre Teleangiektasie Typ 2 (MacTel Typ 2). „Heute ist die Kundin unglaublich erleichtert, endlich zu wissen, woher ihre Beschwerden kamen, und ist uns sehr dankbar“, betont Weber. „Wenn wir durch ein Screening den entscheidenden Impuls geben können, damit eine Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden kann, dann haben wir genau das erreicht, was uns wichtig ist: unsere Kunden bestmöglich zu begleiten.“ Und die Augenoptikerin benennt einen wichtigen Nebeneffekt: „Wir schärfen beim Kunden das Bewusstsein für die eigene Augengesundheit.“
Alle Mitarbeitenden bei Filia76 haben mehrere Schulungen zum Thema Netzhautscreening, Augengesundheit und Geräte-Handling erhalten. Für die Chefin war das ganz wichtig: „Wenn wir in diese Technologie investieren, muss das gesamte Team sicher damit arbeiten können.“
Für Claudia Weber schafft das Augenscreening einen doppelten Mehrwert: Es stärkt die Prävention und festigt gleichzeitig das Vertrauen der Kunden in die augenoptische Kompetenz.
Netzhautscreening bei mindestens jedem dritten Premiumsehtest
Wer bei Filia76 einen Termin zur Augenmessung vereinbart, der wird ganz selbstverständlich gefragt, ob dabei auch die Augengesundheit mitberücksichtigt werden soll. „Allein diese Frage führt oft zu einem tollen Gespräch“, verdeutlicht Claudia Weber. „Zu jedem zweiten bis dritten Premiumsehtest verkaufen wir ein Netzhautscreening im Wert von 59 Euro. Damit erhöhen wir das Vertrauen des Kunden und erhalten gleichzeitig einen betriebswirtschaftlichen Mehrwert.“
Augenoptikern, die Netzhautscreenings neu ins Portfolio aufnehmen wollen, rät die Inhaberin: „Nehmen Sie Ihr Team mit. Denn Begeisterung steckt an. Wenn ich selbst nicht überzeugt bin oder Unsicherheit ausstrahle, merkt das auch der Kunde. Wenn ich hingegen selbst begeistert bin, überträgt sich das.“ Genauso wichtig sei auch ein gutes Miteinander mit den Augenärzten. „Wir nehmen niemandem etwas weg. Im Gegenteil – wir verstehen uns als Partner und liefern weitere Patienten. Als Augenoptiker stellen wir keine Diagnosen, unsere Aufgabe ist es, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und die Kunden bei Bedarf an die richtige Stelle weiterzuleiten.“
Bleibt die Frage, wie die Augenoptikermeisterin aus Kassel den Einsatz von KI für den augenoptischen Betrieb grundsätzlich bewertet, schließlich werden die Möglichkeiten hier stetig wachsen. Ihre Antwort: „Für mich ist KI ein unterstützendes Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Und ich bin überzeugt, dass sich unser Berufsbild nicht zuletzt durch die KI noch weiter verändern wird. Wer heute so arbeiten möchte wie noch vor zehn Jahren, wird es künftig schwer haben. Deshalb finde ich es wichtig, offen für neue Technologien zu sein und gleichzeitig die eigene Kompetenz weiterzuentwickeln.“
Screening und Kompetenz eng verbunden
Auch bei „Die Brillenmacher GmbH“ in Biebesheim am Rhein – Firmenphilosophie: „Beratung mit Kniff, Gläser mit Schliff – alles für die Sicht“ – setzt man seit Februar dieses Jahres aufs Augenscreening – mit wachsendem Erfolg. Eng verbunden ist dieser mit Katharina Schlotzhauer. Die 44-jährige Augenoptikerin, seit knapp sechs Jahren bei den Brillenmachern, bestand vor kurzem die Prüfung zur Optometristin und ist seither die erste Ansprechpartnerin fürs Augenscreening im Geschäft. Mittags, zum angesetzten Interview mit der DOZ, hat sie bereits drei Augenscreenings durchgeführt.
Zum Einsatz kommt der VX 650, ebenfalls von Visionix, ein multifunktionales Gerät, mit dem der vordere und hintere Augenabschnitt gemessen und analysiert werden kann. Von der Bestimmung der Hornhautkrümmung bis hin zur Erkennung von Netzhautproblemen wie diabetische Erkrankungen und Blutungen werden alle wichtigen Aspekte der Augengesundheit abgedeckt, wie Katharina Schlotzhauer nicht ohne Begeisterung ausführt. „Das Gerät kann fast alles, und die Untersuchung an beiden Augen dauert maximal vier bis fünf Minuten.“
Bei der Analyse der Augenhintergrundbilder verlässt man sich in Biebesheim nicht allein auf die eigenen scharfen Augen, sondern nutzt KI-unterstützte Auswertungen. Ein spezielles KI-Programm überprüft die Netzhautbilder auf 13 verschiedene Krankheiten. In einer Viertelstunde ist das Ergebnis da. Der Auswertungsbogen gibt an, ob Auffälligkeiten gefunden wurden und empfiehlt in diesen Fällen den Gang zum Augenarzt. „Letzte Woche hatten wir zwei Kunden, bei denen sowohl ich als auch die KI Auffälligkeiten erkannt haben. Das hat meine Einschätzung bestätigt. Doch man darf sich auf keinen Fall vollständig auf die KI verlassen. Kürzlich habe ich auf einem Augenhintergrundbild eine Auffälligkeit entdeckt. Die KI konnte das Bild jedoch nicht auswerten, weil es zu unscharf war. Nur ein gestochen scharfes Augenhintergrundbild ermöglicht überhaupt eine KI-Analyse.“ Wichtig ist der Augenoptikerin zudem ein anderer Aspekt: „Die KI erkennt nicht alles. Deshalb bleibt die fachliche Beurteilung der Netzhautbilder unverzichtbar. Sie kann keinen Menschen ersetzen – ich nutze sie vielmehr als Zweitmeinung.“
Als Schlotzhauer kürzlich über ein verlängertes Wochenende nicht im Geschäft war, führten ihre Kollegen bei einem Kunden ein Augenscreening durch und ließen die Aufnahmen vorsorglich von der KI auswerten. So wollten sie sicherstellen, dass keine auffälligen Netzhautbefunde vorlagen, die ein sofortiges Handeln erfordert hätten. Da die KI keine Auffälligkeiten erkannte, konnte die Beurteilung bis zu Schlotzhauers Rückkehr am Montag warten.
Optometristin (FH) Katharina Schlotzhauer versteht KI und Augenscreening als wertvolle Unterstützung – die fachliche Beurteilung durch den Menschen bleibt für sie jedoch unverzichtbar.
KI-Unterstützung als Zweit- oder sogar Drittmeinung
Von einem weiteren Fall berichtet Katharina Schlotzhauer ebenfalls. Augenoptikermeister Volker Armann, Inhaber der Die Brillenmacher GmbH, entdeckte bei einem Augenscreening ernst zu nehmende Auffälligkeiten an der Netzhaut einer Kundin und bat Schlotzhauer um ihre Einschätzung. Sie bestätigte den Verdacht. Anschließend wurde – gewissermaßen als Drittmeinung – auch die KI hinzugezogen, die ebenfalls auf eine Auffälligkeit hinwies. Die Auswertung wurde umgehend an den Augenarzt übermittelt. Zwei Tage später wurde die Kundin dort untersucht, einen weiteren Tag später in einer Augenklinik. Die Diagnose lautete Makulaödem. „Da zählen Stunden“, sagt Schlotzhauer. Ihr ist dabei wichtig zu betonen: „Ich bin keine Augenärztin. Ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin ist immer noch die höchste Instanz.“
Mittlerweile haben die Brillenmacher gute Kontakte zu zwei Augenärzten vor Ort, wollen dieses „Networking“ aber noch intensivieren. Schließlich lohnt sich das – für beide Seiten.
Der Weg zur Optometrie begann für Katharina Schlotzhauer lange vor den ersten Augenscreenings. Seit 15 Jahren arbeitet sie im Low-Vision-Bereich, kennt sich mit Augenerkrankungen bestens aus, liest regelmäßig Arztberichte und kann sich gut in Menschen mit starken Seheinschränkungen hineinversetzen. Erste Erfahrungen im Umgang mit den entsprechenden Geräten sammelte sie während ihres Fernstudiums zur Optometristin (FH) in Jena. Die Entscheidung für ein Gerät von Visionix hing letztlich damit zusammen, dass man die Vorteile des Direktvertriebs nutzen wollte. Die Handhabung sei einfach, wenn man eine Geräteschulung und die entsprechenden Seminare durchlaufen hat. „Wer den Kunden richtig vor dem Gerät platziert, kann das Gerät ohne Wissen dahinter korrekt bedienen.“
Und wie reagieren die Kunden auf die Augenscreenings? „Hammer!“, sagt Katharina Schlotzhauer wie aus der Pistole geschossen. „Die Kunden sind einfach nur glücklich. Die Kundin mit dem Makulaödem reagierte besonders emotional und sagte: ,Ihr habt mir mein Augenlicht gerettet!‘“ und auch bei der Frage, ob sich Augenscreenings betriebswirtschaftlich rechnen, kommt die Antwort schnell: „Bei den Brillenmachern kostet es 49 Euro. Doch der Preis ist nicht entscheidend, unsere Kunden zahlen gerne fürs Augenscreening. Sehr oft bekommen sie keinen zeitnahen Termin beim Augenarzt. Wir sind manchmal der letzte Strohhalm, nach dem sie greifen.“
Unabdingbar ist für sie, dass mindestens eine Person im Geschäft das Ergebnis von Augenscreenings verlässlich auswerten können muss, also ein Optometrist oder eben ein Augenoptikermeister. Dass der Beruf des Augenoptikers insgesamt medizinischer wird und voraussichtlich immer neue KI-Anwendungen hinzukommen, beunruhigt sie derweil nicht. Im Gegenteil. „Die Balance zwischen Augenscreening und Augenoptikerhandwerk wird bleiben, schließlich werden die Brillen noch immer von uns gemacht und angepasst. Augenscreenings sind also eine gute Ergänzung und bringen zusätzlich Kunden ins Geschäft, die manchmal auch eine Brille kaufen. Zudem können wir Augenoptiker auf diese Weise einen echten Rundum-Service anbieten. Ich finde das klasse!“