Pricon-Konzept setzt auf Handwerk LocalFrame.Works ermöglicht das Fertigen eigener Fassungen direkt im Verkaufsraum
20.04.2026
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Kompaktes System: Für die Fertigung der Fassungen im Betrieb sind drei Maschinen nötig.
Die Augenoptikbranche befindet sich im Wandel. Filialisten wachsen, während viele Fachgeschäfte ihr Leistungsspektrum um Screening- und optometrische Dienstleistungen erweitern. Für klassische Betriebe stellt sich damit die Frage, wie sie sich künftig durch ein Alleinstellungsmerkmal von der Konkurrenz abheben. Pricon-Geschäftsführer Matthias Köste verortet eine mögliche Antwort im Handwerk: „Die Fertigung von Brillen gehört zum Wesentlichen der Augenoptik.“ Er setzt darauf, diesen Prozess wieder in den Verkaufsraum zu holen. Seine Idee: Fassungen werden nicht extern bestellt, sondern Schritt für Schritt direkt im Geschäft konfiguriert und mithilfe von 3D-Druck gefertigt. Kundinnen und Kunden können dabei live miterleben, wie ihre Brille entsteht, und sehen, wie der Augenoptiker sein handwerkliches Können einsetzt.
Technologisch basiert das Konzept auf einem 3D-Drucksystem des österreichischen Herstellers Genera, das sich auf Digital-Light-Processing-Druckverfahren (DLP) spezialisiert hat. „Im Unterschied zu Systemen, die mit Pulver arbeiten, wird beim DLP flüssiges Kunstharz schichtweise mit Licht ausgehärtet“, erklärt Köste. Ein Projektor forme jede Schicht präzise, sodass Fassungen mit hoher Auflösung und besonders glatten Oberflächen entstehen könnten. „Das Ergebnis entspricht in Qualität und Haptik Acetatfassungen.“ Für den deutschen Markt ist Pricon Ansprechpartner für Vertrieb, Betreuung, Schulung und Support.
Für die Inhouse-Fertigung werden zwei Maschinen benötigt: eine für das DLP-Verfahren (G1) und eine für die Endbearbeitung der Fassung, die automatisierte Reinigung und Nachbelichtung übernimmt (F1). „Zusätzlich kann der Augenoptiker die Oberflächen der fertig gedruckten Fassungen weiterbearbeiten und individuell verfeinern“, erklärt Köste. Dem Augenoptiker stehen 40 gängige Farben für die Fassungen zur Verfügung. Wer weitere Farben haben möchte, der kann das System mit der Farbmischmaschine C1 optional ergänzen.
Einige Designer stellen ihre Entwürfe über die Plattform Mission Eyewear zur Verfügung.
So läuft die Fertigung im Geschäft
Der Arbeitsaufwand für den Augenoptiker bleibt laut Pricon überschaubar. „Die Maschinen arbeiten weitgehend selbstständig“, erklärt Köste. Punktuelle Handgriffe, etwa das Umlagern zwischen den Geräten, seien jedoch nötig, und Schulung sowie Routine blieben unverzichtbar. Insgesamt dauert die additive Fertigung mehrere Stunden; pro Durchlauf können bis zu sieben Fassungen entstehen. Um Abläufe zu trainieren, seien regelmäßige Drucke erforderlich.
Insgesamt benötigt die Anlage eine Stellfläche von etwa 1,5 bis 2 Quadratmetern und lässt sich in den Verkaufsraum integrieren. „Die Maschinen sind geräusch- und gerucharm ausgelegt“, erklärt er. Für die Inhouse-Fertigung sollten immer einige vorgefertigte Fassungen bereitliegen, da Kunden die Brillen anfassen und ausprobieren wollen – allein die digitale Ansicht reicht nicht aus.
Pricon-Geschäftsführer Matthias Köste
Designbibliothek mit zahlreichen Entwürfen
Die Fassungen werden über die Designbibliothek von Mission Eyewear gestaltet, die aktuell 40 Entwürfe von Genera sowie bekannten Designern wie Sébastien Brusset und Philipp Haffmans enthält. Alle Entwürfe sind ISO-zertifiziert (ISO 12870, ISO 10993 5, ISO 10993 23) und MDR-konform. „Augenoptiker können die freigegebenen Designs nutzen und gelten dabei als Anwender und Händler, nicht als Hersteller im regulatorischen Sinn“, erläutert Köste. Parameter wie Farbe, Größe oder Bügellänge lassen sich innerhalb vorgegebener Grenzen individuell anpassen.
Auch eigene Designs zu fertigen, ist grundsätzlich möglich. „Das erfordert jedoch Kenntnisse der Drucksoftware und Erfahrung mit den Fertigungsparametern“, sagt Köste. In diesem Fall geht die volle MDR-Verantwortung auf den Betrieb über – ein Risiko, das viele Augenoptiker scheuen. Langfristig verfolgt Köste die Vision eines „Designstores“: Designerinnen stellen ihre Fassungsentwürfe ähnlich wie in einem Appstore bereit. Damit behalten sie die Rechte an ihren Entwürfen, werden für ihre Arbeit entlohnt und die Betriebe können ihr Sortiment erweitern. Ein ausführlicher Bericht zu Köstes Vision und Projekt folgt in einer der kommenden DOZ-Ausgaben.