Opt-X in Baden (CH)

Kleiner Augenoptiker, böses Internet und Königin der Nacht

Die Opt-X in Baden brachte erneut über 400 Augenoptikerinnen und Optometristen aus der ganzen Schweiz sowie Teilen Frankreichs in Baden zusammen. Das Trafo Kongresszentrum bot auf zwei Stockwerken Raum für Diskussionen, Vorträge und Networking. Und gesungen wurde auch.
Eingang TRAFO-Hallen

Die weitläufigen Räume der TRAFO-Hallen waren der Veranstaltungsort der OPT-X 2022. 

© DOZ

Das Schweizer Augenoptik Branchenevent Opt-X bot ein vielfältiges Programm, auch über die Grenzen der Branche hinaus. Schwerpunkte waren in Themen zu Digitalisierung, Cybersicherheit und Internetmarketing erkennbar. Aber auch das Trockene Auge und andere, mit dem Auge in Verbindung stehende Pathologien wurden besprochen. In zwei großen Sälen, auf zwei Stockwerken, konnten Besucherinnen und Besucher am ersten Tag zwischen dem Wissenschaftsforum oder dem Praxisforum wählen. Nicht selten sah man hier Menschen eilig die Etage wechseln. Wie bereits beim Fachkongress der SBAO im März dieses Jahres war die OPT-X unter anderem auch ein großes Klassentreffen. In den Kaffeepausen wurde an den Tischen lebhaft diskutiert, Themen wie der Fachkräftemangel beschäftigte hier die Schweizer Kollegen. Umso wichtiger war es, die Vielfalt der Branche aufzuzeigen. Und das gelang über das breite Vortragsspektrum.

So referierte Dr. med. Jens Krüger über Koffein und dessen medizinische Mythen, seinen Einfluss auf Katarakt und Augeninnendruck sowie darüber, dass Kaffee und Koffein eben nicht ein und dieselbe Sache sind. Das Trockene Auge wurde von Prof. Dr. Ute Wolf-Schnurrbusch von humanmedizinischer Seite aus referiert. Im Anschluss beleuchtete der Dipl. Augenoptiker Marc Streit, Geschäftsführer der Bilosa GmbH und Leiter im Marketing und Verkauf bei Prolens, die möglichen Strategien, mit denen Optometristinnen und Augenoptiker ihren Kundinnen und Kunden helfen können.

Über den augenoptischen Tellerrand

Dipl. Augenoptiker Marco Veronesi klärte über die Möglichkeiten und Definitionen von Myopiemanagement und Myopiekontrolle auf. Dabei stellte er fest, dass mit jeder Refraktion ein Myopiemanagement bereits vor sich gehe. Für Augenoptikbetriebe, die mit LowVision-Kunden arbeiten, erklärte Hervé Richoz vom Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV), die Chancen visueller Autonomie, die mit digitaler Unterstützung möglich sind. Gerade in der Schweiz sind 377 000 Menschen in unterschiedlichstem Ausmaß in ihrem Sehen beeinträchtigt. Richoz stellte Apps und andere Hilfsmittel vor, mit denen Menschen mit einer Sehbehinderung dennoch autonom und selbstbestimmt leben können.

Am Montag nahmen zwei Klassen der Fachhochschule Nordwest-Schweiz aus Olten an der Opt-X teil. Die Studierenden waren von dem Programm sehr angetan und genossen den Austausch. "Die Vorträge sind sehr interessant", fand Marine Guex, angehende Optometristin B.A. Célia Mauron freute sich über die Simultanübersetzung, die  es ihr ermöglichte, auch deutschen Vorträgen zu folgen. Tina Schaufelberger, Irina Jemelin, Ronja Wehrli und Susanne Köhler sind im 3. Semester Optometrie. "Das ist mal etwas anderes", meinte Jemelin und ihre Kommilitonin ergänzte: "Hier treffe ich auch viele ehemalige Kolleginnen, das ist sehr schön."

Die OPT-X.22 - Der Fachkongress für Optometrie und Optik – kann mit 426 Teilnehmern an beiden Kongresstagen als ein guter Erfolg gewertet werden, auch wenn die Teilnehmerzahlen von 2019 nicht ganz erreicht wurden. Das Konzept einer Fachtagen für den ganzen Betrieb, vom Lernenden bis zum Optometristen muss noch mehr Bekanntheit erlangen. Firmeninhaber und Geschäftsleiter müssen den Wert von Fortbildung auch für Mitarbeiter noch besser erkennen. Ein Besuch der OPT-X.ch kann Firmenausflug, Fortbildung und Mitarbeiter-Incentive gleichzeitig sein. Dies ist die Grundidee der OPT-X.ch.

Marion Beeler-Kaupke, Projektleiterin OPT-X

Ortho-K-König und "Königin der Nacht"

Zwischen all den schweren Branchenthemen sorgte Augenoptikerin Anna-Lena Bopp für zwanzig heitere Minuten. Mit ihrer realistischen Performance einer Augenoptikerin zwischen Wahnsinn und Kundenwohl hatte sie einige Lacher auf ihre Seite. Eine Gesangseinlage zu Mozarts Makula-Degenerations-Hymne: "Die Königin der Nacht" mit neuem Libretto, bildete den Abschluss ihres Augenoptischen Kabaretts. Den Auftritt von Anna-Lena Bopp alias Annette Burkhardt sponserte der Galledia Verlag, der Herausgeber von Der Schweizer Optiker. Am Montag wurde im Managementforum nochmal Klartext gesprochen. Vorträge wie "Der kleine Augenoptiker und das große böse Internet" polarisierten. Auch Wolfgang Laubenbacher von TechLens, scherzhaft vorgestellt mit "König der Orthokeratologie" und seinem Fazit zu 20 Jahre Ortho-K sorgte zumindest für nachdenkliches Schweigen.

Am Ende der zwei Tage steht fest, dass solche Kongresse gefehlt haben und gerne angenommen werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig zu betonen, welch breites Feld die Optik bietet und wie viele noch ungenutzte Möglichkeiten darauf warten, entdeckt zu werden.