DOZ-Kampagne "Krisenblocker Linse": Interview Alexander Lehr

„Herr Lehr, bleiben Sie negativ“

Optik Lehr hat den Umsatz im Segment Kontaktloinse unter Corona gesteigert. Betriebsinhaber und Leiter der Filiale in Mainz-Laubenheim, Alexander Lehr, hat dafür etwas getrickst. Wir sprachen mit ihm für die DOZ-Aktion "Krisenblocker Linse".
Alexander Lehr desinfiziert sich die Hände.

Alexander Lehr, Inhaber von Optik Lehr in Mainz-Laubenheim, desinfiziert sich die Hände. Seine Kunden müssen klingen, bevor sie Einlass erhalten.

© DOZ / Kern
Kampagnenmotiv Krisenblocker Linse

Motiv der DOZ-Kampagne "Krisenblocker Linse"

© Schutterstock / Valentina Photos; urfn / Montage: DOZ

DOZ: Herr Lehr, wie haben Sie die harte Corona-Zeit erlebt?
Alexander Lehr
: Der Lockdown war im März und ging bis Ende April. Ab ungefähr Mitte Mai lief fast alles wieder normal. In den ersten drei Woche habe ich mich zunächst mit Kontaktlinsen-Neuanpassungen zurückgehalten. Danach habe ich dann wieder mit Neuanpassungen begonnen. Sobald wir wieder normalen Geschäftsbetrieb hatten, habe ich die Nachkontrollen durchgeführt. Ähnlich wie bei der Refraktion sitzen die Kunden und ich muss sie nicht berühren.

Welche Maßnahmen berücksichtigen Sie bei der Kontaktlinsenneuanpassung?
Dadurch, dass schon vor der Corona-Pandemie "Hygiene" bei uns großgeschrieben werde, habe ich meine üblichen Vorkehrungen nur noch um Face Shield, Mund-Nasenschutz, Sicherheitsabstand, offenes Fenster und gutes Durchlüften ergänzt. Außerdem schließe ich seit Corona die Geschäftstür ab. Die Kunden müssen klingeln, dann Hände desinfizieren und erst danach können sie den Laden betreten. Terminvereinbarungen haben wir vorher schon durchgeführt.

Wie bringen Sie einem Kunden das Einsetzen der Linsen bei?
Ich zeige es ihm vor dem Spiegel an meinem Auge. Und dann ist der Kunde dran, sich selbst die Linse einzusetzen.

Wie hat sich Ihr Umsatz für das Geschäft entwickelt?
März bis Ende September haben wir einen Rückgang von 17 Prozent insgesamt zu verbuchen. Wenn ich aber den Zeitraum Januar dieses Jahres bis September betrachte, dann ergibt sich nur noch ein Rückgang von zwölf Prozent. Bei den Brillen hatten wir von März bis September minus 21 Prozent und bei Kontaktlinsen minus fünf Prozent. Von Januar bis September ging die Brille um 15 Prozent zurück und die Linse nur noch um zwei Prozent. Die Linse macht gegenwärtig 15 bis 17 Prozent meines Gesamtumsatzes aus. Ein paar Aufträge habe ich in der harten Corona-Zeit abgewickelt; im Zuge der Lockerungen sind aber sehr schnell wieder neue Aufträge gekommen, sowohl in der Brille als auch in der Kontaktlinse. Der Gesamtumsatz meines Geschäfts in Laubenheim ging im März und im April 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent zurück. Im Brillensegment waren es im genannten Zeitraum Minus 56 Prozent, in der Kontaktlinse aber Plus 22 Prozent. Wir haben unter Corona im Kontaktlinsenbereich zugelegt.

Wie haben Sie das bewerkstelligt?
Ich habe die Zeit genutzt, die ich aufgrund des Lockdowns zur Verfügung hatte, und habe ein bisschen gespielt. Zudem wussten wir nicht, wie stabil sich die Lieferketten der Kontaktlinsenhersteller unter Corona erweisen. Folglich habe ich ein paar Abonnenten vorgezogen. Normalerweise kontaktieren wir die Abonnenten, die Anfang April fällig sind, Anfang März. In diesem Jahr haben wir im März zusätzlich auch schon die Abonnenten kontaktiert, die eigentlich erst Anfang Mai fällig gewesen wären. Wir wollten sichergehen, dass die Versorgung unserer Kunden mit Kontaktlinsen und Pflegemitteln weiterläuft. Somit waren wir in diesen Monaten vergleichsweise umsatzstark. Auf das bisherige Gesamtjahr relativiert sich der Aufschwung im Kontaktlinsensegment natürlich wieder. Dadurch, dass ich so vorgegangen bin, habe ich den gesamten Betrieb während des Lockdowns wirtschaftlich über Wasser halten und unsere Kunde kontinuierlich gut versorgen können. Somit konnte ich verhindern, dass unsere Kunden ins Internet oder zu einem anderen Augenoptiker gewechselt sind. Vor allem mein persönlicher Lieferservice zu den Kunden nachhause ist sehr gut angekommen.

Können Kontaktlinsen also gute Tools sein, um eine Krise besser zu überstehen?
Definitiv. Wobei viele Kunden während des Lockdowns weniger Linsen getragen haben. Partys fielen aus und viele greifen im Homeoffice lieber zur Brille. Zudem ermöglichen Kontaktlinsen aufgrund der regelmäßigen und häufigen Kontakte eine sehr gute Bindung zum Kunden. Darüber generieren wir zum Beispiel Zusatzverkäufe wie Sonnenbrillen, Pflegemittel, Korrektionsbrillen et cetera.

Wie haben Sie ihre Kunden darüber informiert, dass Sie trotz des Lockdowns in irgendeiner Form für sie da sind?
Auf unserer Homepage, auf dem Anrufbeantworter des Geschäfts, über Facebook und wir haben ein Plakat mit entsprechenden Informationen im Schaufenster platziert. Wir hatten Kurzarbeit angemeldet und in der Lockdown Phase geschlossen. Noch eine nette Anekdote: Eine Kundin, die nach dem Lockdown erstmals wieder zu mir ins Geschäft kam, verabschiedete sich bei mir mit: „Herr Lehr, bleiben Sie negativ.“