Kontaktlinsen-Huckepacksysteme neu betrachtet

Einfluss auf die Physiologie des vorderen Auges

Die normalen Funktionen am vorderen Auge aufrechtzuerhalten, erfordert eine an die jeweiligen Bedürfnisse optimal angepasste und ausgewählte Kontaktlinse. Die Einflüsse einer einfachen weichen oder einer cornealen formstabilen Kontaktlinse auf die Physiologie des vorderen Auges sind dabei weitestgehend verstanden und erforscht. Zur Versorgung bei vorliegendem Keratokonus oder nach einer Transplantation finden jedoch auch deutlich komplexere Linsensysteme Anwendung – so zum Beispiel Sklerallinsen oder die Kombination aus einer weichen und einer formstabilen Kontaktlinse (Huckepacksysteme). Diese Systeme unterscheiden sich in ihrem Aufbau und somit auch in ihrem Einfluss auf die Physiologie des vorderen Auges. Dieser Artikel vergleicht beide Systeme und gibt Einblick in den momentanen Wissensstand zur Sauerstoffversorgung, zum Tränenfilmaustausch sowie zur Randauflage bei der Anpassung von Huckepacksystemen im Vergleich zu Sklerallinsen. Eine Zusammenfassung der momentan vorliegenden Studien zeigt, dass aufgrund der gewährleisteten Sauerstoffversorgung und der physiologischen Verträglichkeit die Versorgung mit einem Huckepacksystem aus modernen Kontaktlinsenmaterialien eine interessante Alternative zur Versorgung komplexer Hornhauttopographien darstellt.
Kontaktlinsen-Huckepacksysteme
© Hecht Contactlinsen GmbH

Seit der Entdeckung Anfang der 1950er Jahre, dass Sauerstoff zur Vorbeugung von Hornhautödemen notwendig ist, gehört es zur Aufgabe der Kontaktlinsenspezialisten, Maßnahmen zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung der Hornhaut zu ergreifen. [1,2] Kontaktlinsen, die den Sauerstoffbedarf der Hornhaut nicht decken, beeinträchtigen Stoffwechsel und Integrität der Hornhaut. Dies kann zum Beispiel zu einer Quellung der Hornhaut, epithelialen Mikrozysten, limbaler Hyperämie, Hornhautvaskularisation sowie Polymegatismus führen. [3, 4]

Die Sauerstoffdurchlässigkeit einer Kontaktlinse wird in der Literatur als Dk/t definiert, wobei D der Diffusionskoeffizient von Sauerstoff im Kontaktlinsenmaterial, k die Löslichkeitskonstante von Sauerstoff im Linsenmaterial und t die Linsendicke ist. [5] Daher bestimmen die Dicke einer Kontaktlinse und die Permeabilität (Dk) des Linsenmaterials die Menge an Sauerstoff, die bei einer gegebenen Temperatur und einem gegebenen Druck durch die Linse diffundiert. Der Dk/t­Wert ist weithin bekannt und mit international vereinbarten und genormten Methoden zu messen.[6] Dennoch wurde er als Maß für die Sauerstoffzufuhrleistung der Kontaktlinse kritisiert, da es sich um eine physikalische Laborgröße handelt, die keinerlei physiologische Komponente enthält. [7] Als eine Alternative wurde von Brennan der Sauerstofffluss (j) vorgeschlagen, der als Modellvorstellung jedoch von einem „normalen“ Sauerstoffverbrauch der Hornhaut ausgeht und in der Praxis nur minimale Akzeptanz gefunden hat. [8]

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