Jubiläumsfeier Carrera feiert sieben Jahrzehnte Design

Mann mit Sonnenbrille sitzt auf Auto, hinter ihm das Meer

Motorsport und Geschwindigkeit waren immer die Grundpfeiler von Carrera - seit der Gründung 1956.

© Carrera

Erstveröffentlichung in der DOZ 11/2026.

Manche Brillenmarken stehen für klassische Eleganz, andere für technologische Präzision oder modische Avantgarde. Carrera verbindet all das mit einer Eigenschaft, die seit den Anfängen untrennbar zur Marke gehört: der Lust an der Geschwindigkeit. Die Geschichte beginnt 1956 in Österreich. Unternehmer Wilhelm Anger benennt sein Unternehmen nach der legendären „Carrera Panamericana“, einem der härtesten und gefährlichsten Straßenrennen seiner Zeit. Der Name ist Programm: Schon früh positioniert sich Carrera dort, wo Leistung, Ausdauer und der Wille zum Grenzgang gefragt sind. Diese Verbindung zum Motorsport wird nicht nur zum historischen Ursprung, sondern zur langfristigen DNA der Marke.

In den 1970er Jahren erweitert Carrera seinen Wirkungskreis und macht sich insbesondere mit technisch anspruchsvollen Ski- und Sportbrillen sowie Helmen einen Namen. Funktionalität und Schutz werden dabei nicht als Gegensatz zu Design verstanden. Im Gegenteil: Die technischen Anforderungen des Sports werden zum Ausgangspunkt einer eigenständigen Formensprache mit hohem Wiedererkennungswert.

Ein wichtiger Meilenstein folgt 1976 mit der Partnerschaft mit Porsche Design. Die Zusammenarbeit bringt futuristische Gestaltung und innovative technische Lösungen zusammen und trägt dazu bei, das Verständnis von Sportbrillen grundlegend weiterzuentwickeln. Carrera positioniert sich damit zunehmend als Marke, die technische Performance sichtbar macht – und aus Funktion ein Designstatement formt. 

Eine Marke, die nie darauf ausgelegt war, einfach nur dem Mainstream zu folgen

1979 erhält die Markenidentität ein weiteres prägendes Element: Das ikonische „C“-Logo erscheint erstmals mittig auf der Brillenfront. Was zunächst wie ein markantes Designdetail wirkt, entwickelt sich zu einem der charakteristischsten Erkennungsmerkmale der Marke. „Das Logo spielt eine zentrale Rolle. Es ist nicht bloß ein Schriftzug auf dem Bügel. Es ist das Emblem an der Brillenfront, das unsere Designs prägt und Carrera sofort wiedererkennbar macht. Es ist ein markantes und aussagekräftiges Element, kein reines Dekorationsdetail“, erklärt David Iarossi im DOZ-Gespräch. Seit Januar 2017 hat er beim Safilo-Konzern, zu dem Carrera seit 1996 gehört, die Position des Associate Creative Director inne und trägt seit fast einem Jahrzehnt die kreative Verantwortung für die Kollektionen.

Dass dieses Heritage ebenso Verantwortung wie Freiräume bedeuten kann, hat Iarossi in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt. „Das Risiko, das man beim Design eingeht, sollte stets im Einklang mit der DNA und den Zielen der Marke stehen. In dieser Hinsicht schätze ich mich glücklich, für Carrera zu arbeiten: Es ist eine authentische Marke, die nie darauf ausgelegt war, einfach nur dem Mainstream zu folgen. Gleichzeitig bietet sie mir viel Spielraum, mich gestalterisch auszudrücken, und ermöglicht es mir, vielseitigere und zugänglichere Produkte zu entwerfen“, erklärt der Designer gegenüber der DOZ.

Die 1980er Jahre festigen diesen Status. Modelle wie die „Safari“ werden zu Kultobjekten, während Kooperationen mit Persönlichkeiten aus dem Spitzensport die Verbindung zwischen Carrera und Leistung weiter stärken. Besonders die Zusammenarbeit mit Formel-1-Weltmeister Niki Lauda steht sinnbildlich für jene Eigenschaften, mit denen Carrera bis heute identifiziert wird: Widerstandskraft, Mut und kompromisslose Leistungsbereitschaft. 

Frau mit Sonnenbrille im Seitenprofil

2026 markiert für Carrera sieben Jahrzehnte Eyerwear-Historie. Zum Jubiläum ist auch eine Anniversay-Kollektion herausgekommen.

© Carrera

Kooperation verbinden die unterschiedlichen Welten miteinander

Auch in den folgenden Jahrzehnten bleibt Carrera nicht stehen. Technologische Entwicklungen, unter anderem im Bereich von Hightech-Brillen für die Luftfahrt, treffen auf die Dynamik der Popkultur der 1990er Jahre. Später kommen neue Kooperationen und Kollektionen hinzu, die unterschiedliche Lebenswelten miteinander verbinden – vom Sport und Wintersport bis hin zu Fashion und Damenbrillen. Trotz dieser Entwicklungsschritte bleibt die Grundidee konstant: Carrera will keine unauffällige Brille schaffen. Die Fassung soll Persönlichkeit transportieren. Sportliches Erbe, technische Kompetenz und ein selbstbewusstes Design werden zu einem Gesamtbild, das weniger auf kurzfristige Trends als auf Wiedererkennbarkeit setzt.

„Im Fall von Carrera würde ich weniger von Retro sprechen als vielmehr von einer starken Tradition. Unsere ikonischen Formen haben ihre Wurzeln im Ski- und Motorsport und wurden erfolgreich in die Welt des Lifestyles übertragen. Meine Aufgabe ist es, auf diesem Erbe aufzubauen und es weiterzuentwickeln, ohne es so stark zu verändern, dass es nicht mehr zur Marke passen würde“, erklärt David Iarossi. Es gehe ihm nicht um mangelnden Mut, sondern um eine bewusste Entscheidung aus Respekt vor der Marke. Letztlich müsse jede Marke auf eine Weise innovativ sein, die zu ihrer eigenen Identität und ihren Zielen passe, ist der Designer überzeugt.

Heute präsentiert sich Carrera mit einer zunehmend italienisch geprägten Designsprache. Die Marke interpretiert ihre sportliche Herkunft zeitgemäß und richtet sich an Brillenträgerinnen und Brillenträger, die Individualität nicht verstecken, sondern sichtbar machen wollen. Das Ergebnis ist eine Kollektion, in der markante Silhouetten, charakteristische Bügeldetails und das „C“-Logo als wiederkehrende Signaturen fungieren.

Mann mit Sonnenbrille und weißem Hemd sitzt auf einem Sofa

Neben dem sportiven Profil setzt Carrera heute auf eine zunehmend italienisch geprägte Designsprache.

© Carrera

Wiedererkennungswert am POS

Gerade für die Beratung am POS ist dieser Wiedererkennungswert ein Vorteil. Carrera funktioniert nicht primär über dezente Zurückhaltung, sondern über charakteristische Details: markante Bügel, das prägnante „C“, sportlich inspirierte Konstruktionen und eine Formensprache, die technische Elemente sichtbar macht. Historische Modelle wie die „Safari“ haben dabei gezeigt, wie aus einem funktional geprägten Design ein Kultobjekt werden kann. Diese Fähigkeit zur Wiederinterpretation gehört weiterhin zum Markenkonzept. Die Vergangenheit dient nicht als reine Retro-Vorlage, sondern als Baukasten für neue Fassungen.

Die Jubiläumskollektion macht deutlich, wie Carrera technische Kompetenz und Materialästhetik miteinander verbindet. Acetat und Titan übernehmen dabei unterschiedliche Rollen. Marmorierte Acetat-Varianten in den traditionellen Carrera-Farben Schwarz, Weiß und Rot sorgen für Tiefe und eine expressive Optik. Gerade Rot – historisch eng mit der Markenidentität verbunden – wird dadurch vom reinen Farbakzent zum eigenständigen Designstatement. Titan setzt dagegen einen technischen Kontrapunkt. Das geringe Gewicht und die hohe Stabilität machen das Material insbesondere für Kundinnen und Kunden interessant, die Wert auf Komfort und Langlebigkeit legen. Gleichzeitig unterstützt Titan die präzise, futuristische Anmutung der Modelle. Damit ergeben sich am Ende auch im Beratungsgespräch immer wieder unterschiedliche Ansatzpunkte: Während Acetat stärker über Farbe, Haptik und Präsenz verkauft werden kann, lässt sich Titan über Leichtigkeit, Widerstandsfähigkeit und technischen Anspruch positionieren.

Frau mit Sonnenbrille sitzt im Auto

Die Marke interpretiert ihre sportliche Herkunft zeitgemäß und richtet sich an Brillenträgerinnen und Brillenträger, die ihre Individualität nicht verstecken, sondern sichtbar machen wollen.

© Carrera

Keine kurzfristigen Trends

„Für mich ist das entscheidende Gefühl das Wohlbefinden, das man beim Tragen einer Brille verspürt. Das kann bedeuten, die eigenen Gesichtszüge auf harmonische Weise zu unterstreichen oder – ganz im Gegenteil – bewusst eine Fassung zu wählen, die den eigenen Look verändert. Bei Carrera geht es vor allem darum, eine selbstbewusste Haltung zum Ausdruck zu bringen: den Wunsch, aufzufallen, Persönlichkeit zu zeigen und nicht in der Masse unterzugehen. Gutes Design sollte den Menschen das Gefühl geben, selbstsicherer zu sein und ganz sie selbst“, sagt Iarossi.

Die limitierte „70th Anniversary“-Kollektion konzentriert sich auf zwei Modelle und übersetzt zentrale Carrera-Codes in eine hochwertige, zeitgemäße Form. „Titanio 01“ steht für eine kraftvolle, moderne Ästhetik. Die Kombination aus technischer Präzision und markanter Formensprache spricht Kundinnen und Kunden an, die eine selbstbewusste Fassung suchen und bewusst Akzente setzen möchten. Noch stärker auf Funktionalität ausgerichtet ist „Titanio 02/C“. Die Korrektionsfassung verfügt über einen faltbaren Magnet-Clip-on mit polarisierten Gläsern und lässt sich dadurch schnell von der Korrektions- zur Sonnenbrille verwandeln. Für den Fachhandel ein unmittelbarer Mehrwert, eröffnet die duale Konstruktion einen optimalen Aufhänger für das Verkaufsgespräch: Eine Fassung, zwei Einsatzbereiche und eine unkomplizierte Lösung für Kundinnen und Kunden, die Alltagstauglichkeit mit einem sportlichen Look verbinden möchten.

Die Inspiration durch das historische „Champion“-Modell zeigt gleichzeitig, wie Carrera Heritage für die Gegenwart nutzbar macht. Vor allem die Bügel greifen die charakteristische Sportästhetik auf, ohne die Modelle als reine Retro-Fassungen erscheinen zu lassen. 70 Jahre nach der Gründung wolle man zeigen, dass Markengeschichte nicht zwangsläufig Rückblick bedeutet. Im Gegenteil: Das Jubiläum wird zur Beweisprobe, dass eine starke DNA genügend Spielraum für kontinuierliche Erneuerung bieten kann. Aus der Leidenschaft für Geschwindigkeit ist eine internationale Eyewear-Identität entstanden, die Technik, Design und Haltung miteinander verbindet.

Geschrieben von

Portrait von Rüdiger Oberschür

Rüdiger Oberschür

Dipl.-Theaterwissenschaftler, Redakteur

Rüdiger Oberschür hat Theater- und Medienwissenschaften in Gießen und Frankfurt studiert und mit Diplom abgeschlossen. Die gesamte Studienzeit über arbeitete er nebenher als freier Mitarbeiter für Kulturredaktionen, Fachmagazine sowie PR-und Werbeagenturen. 

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