Kontaktlinsennachsorge

Ablagerungen: Störenfriede auf der Kontaktlinsenoberfläche

Wenn Kundinnen und Kunden von Problemen mit ihren Kontaktlinsen berichten, werden bei der Nachkontrolle häufig Ablagerungen und Verfärbungen festgestellt. Nun gilt es zu klären, wie diese Ablagerungen entstehen und was sinnvoller ist: die Störung zu entfernen oder die Kontaktlinse zu ersetzen. In folgendem Artikel gibt Augenoptikermeister Christian Meinl ein kurzes Fresh-Up zu den gängigen Ablagerungsarten und Handlungsempfehlungen.
Lipidablagerungen auf einer weichen KL

Starke Lipidablagerungen auf einer weichen Kontaktlinse aus Silikon-Hydrogel-Material.

© Galifa Contactlinsen AG, St. Gallen/CH

Erstveröffentlicht in der DOZ 06I23

Was ist eine Ablagerung? Ablagerungen sind per Definition Anhäufungen von Stoffen. Im Bezug auf die Kontaktoptik lassen sie sich leicht durch zwei Hauptgruppen unterscheiden: endogene (von innen kommend) und exogene (von außen kommend) sowie innerhalb dieser beiden in organische, mineralische und Mischablagerungen. Endogene Faktoren sind meist Medikamente, Stoffungleichgewichte im Körper oder, der einfachste Grund, das nicht zum Träger passende Kontaktlinsenmaterial. Exogene Ursachen für Ablagerungen sind beispielsweise Staub, Rauch, Blütenpollen, Kosmetika und Hautpflegemittel.

Organische Ablagerungen: Proteine, Lipide und Jelly Bumps

Protein- oder Eiweißablagerungen zählen zu den häufigsten Störenfrieden auf formstabilen und weichen Kontaktlinsentypen. Natürliche Proteine aus dem Tränenfilm lagern sich hierbei auf der Kontaktlinsenoberfläche an und denaturieren dort (Strukturveränderung). Sie entstehen meist schon nach kurzer Tragedauer und sind gekennzeichnet durch grau-weiße Beläge, die unter dem Mikroskop schollenartig strukturiert zu sehen sind. Zudem fühlt sich die Oberfläche der Kontaktlinse beim Reiben zwischen den Fingern stumpf an. Diese Ablagerungen führen zu Unverträglichkeitsreaktionen am Auge, reduzieren die Sauerstoffdurchlässigkeit und führen zu einem Absinken des Wassergehalts bei weichen Kontaktlinsen. Hierdurch verringert sich der Tragekomfort. Brennen, später Neovaskularisationen (Gefäßneubildungen) durch die Reizung bis hin zur Pflastersteinkonjunktivitis (CLPC oder GPC, eine Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Stoffe und mechanische Irritationen) können die Folgen sein.

Frische Proteinablagerungen können nur durch Proteinentfernungstabletten und Enzymlösungen effektiv aufgebrochen und anschließend gründlich abgespült werden. Bei älteren Ablagerungen hilft nur noch die Intensivreinigung mit speziellen Oberflächenreinigern durch Kontaktlinsenspezialisten. Haben sich die Ablagerungen jedoch schon im Material festgesetzt, sollte die Linse ausgetauscht werden. Aufgrund der gestiegenen Silikongehalte moderner Kontaktlinsenmaterialien kommen Proteinablagerungen heutzutage meist gemischt mit Lipidablagerungen vor.

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