Mido – mit ein wenig Kritik

Mido
Das „Design Lab" in Halle zwei und vier präsentierte sich 2018 futuristisch.
© Mido

Gerade einmal sechs Wochen lagen zwischen Opti und Mido – ein Kraftakt für viele Aussteller gerade aus dem deutschsprachigen Raum. Nach der augenoptischen Leitmesse im Januar in München präsentierten sich fast alle Aussteller auf kleinerer Fläche, stellten aber das andere, internationalere Flair der Mido heraus. Ganz kritiklos blieb die Mailänder Messe allerdings nur bei den wenigsten.

Dietmar Hermus nahm kein Blatt vor den Mund. „Die Mido wird von Jahr zu Jahr uninteressanter für uns“, sagt der General Manager der Michael Pachleitner Group. Es war auffällig leer am Stand der Österreicher in Halle eins am Messe-Montag, pünktlich um zwölf Uhr. Um ganze sechs Meter hatte man den Stand verkleinert, statt 220 waren es in diesem Jahr nur 140 Quadratmeter. Und das könnte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Hermus: „Wir beobachten die Messe ganz genau, ich glaube das Standing der Mido fängt an zu wackeln.“ Nicht ausgeschlossen, dass Pachleitner in ein paar Jahren nur noch mit einem Infostand vertreten sein könnte oder sich bei einem der italienischen Co-Partner als „Untermieter“ präsentiert. „Nur um unsere Bestandskunden zu befriedigen, dafür ist ein solcher Stand einfach zu teuer. Und Neukunden zu finden, wird immer schwieriger“, erklärt Hermus.

Pachleitner auf der Mido
Am Stand der Michael Pachleitner Group war es relativ ruhig. Schon
jetzt hatte man den Stand verkleinert, für die Zukunft wollte man
nicht ausschließen, sich nur noch mit einem Infostand zu
präsentieren. ©Michael Pachleitner Group

Einiges hätten die Messeveranstalter in den vergangenen Jahren versäumt, insbesondere der Termin im Februar sei keine gute Entscheidung. Mailand im Mai – das sei einfach etwas anderes. Fashion- Show hin oder her. Völlig verteufeln will Hermus die Mido natürlich nicht. Schließlich sei sie weiter eine wichtige Drehscheibe für den italienischen Markt und auch für das internationale Publikum aus Fernost, Südamerika oder Russland ist die Mido weiterhin die globale Leitmesse. Diese hätten hier die Möglichkeit, die neuen Kollektionen der Gruppe in Augenschein zu nehmen. Immerhin 480 neue Positionen hatte Pachleitner im Gepäck, diese allerdings wurden auch schon auf der Opti dem deutschen Publikum vorgestellt. „Es macht für uns keinen Sinn, Teile der Kollektion bis Februar zurückzuhalten. Die Ware muss jetzt in den Geschäften sein“, verdeutlicht Hermus.

Entsprechend wurde die Mido genutzt, die weiteren Neuigkeiten zu kommunizieren. Die Schulz Brillenglasproduktion in Glücksburg als Teil der Michael Pachleitner Group, wurde massiv vergrößert: Produktionsflächen, Büros und Schulungsmöglichkeiten wurden geschaffen um den Standort Deutschland und das Qualitätssiegel „Made in Germany“ weiter zu forcieren. Bereits im vergangenen September hatte Pachleitner sein Logistikzentrum in Tschechien nochmals erweitert. Hintergrund: „Der Augenoptiker bekommt von uns die komplette Brille geliefert: Brillenfassung, Gläser und Etui“, verdeutlicht Hermus die Geschäftsidee. Für den stationären Augenoptiker würden sich damit einige Vorteile bieten. Kein großer Invest in Maschinen, kein Bruchrisiko beim Schleifen der Gläser und die Möglichkeit, eine Brille gleich mehrfach zu verkaufen, da das Ansichtsmodell im Laden bleibt. „Ein zukunftsträchtiges System mit 360-Grad-Service, mit dem wir ein Alleinstellungsmerkmal am Markt haben.“

Designer setzten auf Internationalität

Deutlich positiver kommt die Mido bei den deutschsprachigen Designern weg, die sich in Halle vier der Mido versammelt hatten. Auch hier stand die Mailänder Messe aber ganz klar unter dem Stichwort Internationalität. Für Götti beispielsweise ist die Mido die einzige Chance, in direkten Kontakt mit Kunden aus Asien, dem Mittleren Osten und Indien zu treten. „Auch wenn die Opti für uns die stärkste Messe ist, diese Kunden kommen nicht nach München“, sagt Thomas Frischknecht, verantwortlich für Design, Marketing und Kommunikation bei den Schweizern. Für ihn hat die Mido gerade für die Stände sogar ein besseres Konzept. „Auch wenn wir eine kleinere Fläche bespielen, wirken die Stände durch die breiten Gänge viel eindrucksvoller. Man investiert so viel Geld in den Standbau, um aus der Masse herauszustechen. Hier drängen sich die Besucher nicht so durch, alleine deshalb wirkt es deutlich ruhiger.“ Während Götti die Opti als Preview für die neue Kollektion sieht, war der weltweite Auftakt erst in Italien. Besonders stolz ist Frischknecht auf die „Perspektive Kollektion“. Neun Jahre wurde in der Schweiz an den randlosen Brillen gearbeitet. Lange hatte man versucht, eine Steckverbindung zu schaffen, um den Bügel mit dem Glas ohne Schraube, Leim oder Lötstelle zu verbinden. Erst jetzt konnten alle selbstgesteckten Ziele an Design und Funktionalität erfüllt werden.

Gold ist in diesem Jahr die Farbe, die bei Markus T auf der Mido im Vordergrund stand. Auch für dieManufaktur aus Gütersloh gehört die Messe zum festen Bestandteil der Produktlaunches. „Die Mido lohnt in jedem Jahr“, sagt Sales Manager Jesper Eriksen. Seit 14 Jahren ist Markus T fester Bestandteil der Mido. Zwar sei der Termin im Mai allein vom Besucheraufkommen attraktiver gewesen, für den Start ins internationale Brillenjahr aber sei der Zeitpunkt perfekt.
Italienische Mentalität trifft Plüschpantoffel

Bei Andy Wolf herrschte selbst am Montagmittag noch reger Betrieb. Kein Wunder also, dass Katharina Schlager mit einem Lächeln vermelden konnte: „Wir sind sehr zufrieden, unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen.“ Ein wenig müsse man sich im Vorfeld immer auf die italienische Mentalität einstellen. „Die Kunden kommen einfach vorbei, Termine gibt es hier eher weniger“, sagt die Geschäftsführerin mit einem Grinsen. Schließlich habe die Mentalität auch ihre Vorteile: so seien die Kunden viel mutiger, würden außergewöhnlichere Modelle wählen. Außergewöhnlich trifft auch auf sie selbst zu, in ihrem bunten Outfit mit Plüschpantoffeln sticht sie aus der Menge hervor, passend zur Fashion Week irgendwie. Auch wenn man bei Andy Wolf insgesamt zufrieden war, so haderte man dennoch ein wenig mit dem Termin und den fehlenden deutschen Kunden. „Mailand im Mai würde sich für viele natürlich besser anbieten, alleine schon des Wetters wegen.“

Für IC Berlin stand die Mido ganz im Zeichen der Kommunikation. Schließlich galt es, die Hintergründe der Übernahme der Mehrheitsanteile durch die Beteiligungsgesellschaft Premium Equity Partners zu erklären. „Ralf Anderl hat zwei Jahre auf diesen Moment hingearbeitet, den Wechsel vom inhaber- zum managementgeführten Unternehmen“, erklärt PR-Manager Marco Metternich. So fließt nun frisches Geld, um die im Kampf gegen große Filialisten oder Internetanbieter eigene Online-Strategie und damit verbundenes Wachstum in Gang zu bringen. Ein Online-Shop könnte die Zukunft sein, außerdem gibt es seit kurzem einen eigenen Flagship-Store in Berlin-Mitte. „Die Mido ist aber auch ein perfekter Ort, um mit unseren weltweit agierenden Distributoren und Kunden vom asiatischen Markt zu sprechen“, verdeutlicht Head of Sales Sven Hofmann. Doch nutzte IC Berlin die Mido auch, um auf die neue Rubber-Kollektion aufmerksam zu machen. Mit spezieller Technik wird das charakteristische Stahlgestell mit Gummi überzogen und fest verbunden. „Die Brillen wurden in enger Kooperation mit dem Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) entwickelt“, so Hofmann. In der Wüste des Oman wird die ÖWF vier Wochen lang ein Leben auf dem Mars simulieren. Zum Einsatz kommen dabei auch die Brillen des Berliner Labels.

Mehr Besucher und gelangweilte Asiaten

Rodenstock auf der Messe
Rodenstock präsentierte sich auf der Mido mit einem
überarbeiteten Standkonzept. Neben den halbtransparenten
Wänden und den großen Infoscreens weckte insbesondere
der bereits von der Opti bekannte Porsche das Interesse
der Besucher. ©Rodenstock

Zurück in Halle eins: Hier präsentierte sich Rodenstock mit überarbeitetem Standkonzept. Halbtransparente Wände und große Screens mit „emotionalen Produktpräsentationen“ waren charakteristisch für die Informations- und Verkaufsfläche. Die Rodenstock-Produkte wurden innerhalb eine großen „Rodenstock Shops“ im eigenen Ladenbau-System „Rodenstock Competece Store“ präsentiert. Besonderer Hingucker war sicherlich der historische Porsche, der anlässlich des 40. Geburtstages von Porsche Design Eyeware viele Besucher zu spontanen Fotosessions veranlasste. Trotz der außerhalb herrschenden ungemütlichen Wetterverhältnisse zog man bei Rodenstock auch in Hinblick auf die Kundenkontakte ein positives Resümee: „Der Stand war durchgehend gut besucht. Rodenstock profitierte von der sehr positiven Stimmung auf der Mido. Unsere internationalen Kollegen waren sehr zufrieden, auch, weil viele neue Geschäftskontakte generiert werden konnten“, bilanziert PR-Managerin Sarah Thoma.

Und sonst? Mit ihren breiten Gängen und zahlreichen Ruheinseln setzte die Mido auch diesmal wieder einen Gegenpol zum doch eher kompakten Konzept der Opti. In der „Lab Academy“ wurde neuen Designern und Start-ups viel Platz eingeräumt, um sich erstmals auf internationaler Bühne zu präsentieren. Gleich zwei ganze Hallen standen zudem Ausstellern aus dem asiatischen Raum zur Verfügung. Die zahlreichen an ihrem Stand sitzenden und mit dem Handy beschäftigten Anbieter traten im „Fair East Pavilion“ somit zwar in großer Menge auf, das Fachpublikum jedoch schien sich weiter in erster Linie für Aussteller aus Europa zu interessieren. Insgesamt zählten die Mido-Verantwortlichen mehr als 58.000 Besucher aus der ganzen Welt, ein Plus von 4,9 Prozent. Die Fläche wurde um fünf Prozent vergrößert, sodass sich ein Rekord von insgesamt 1.305 Ausstellern präsentieren konnte. Im kommenden Jahr wird die Mailänder Messe vom 23. bis 25 Februar stattfinden, genau vier Wochen nach der Opti in München. Gerade für die deutschsprachigen Aussteller dürfte es also nochmals deutlich stressiger werden.