Tausendundeine Möglichkeit

Veröffentlichungsdatum: 
01.08.2019
Autor:
David Friederichs
Rubrik
Frau untersucht Auge einer jungen Frau
Als Meister oder Geselle noch ein Studium anschließen? Fünf ehemalige Studenten der ZVA-Akademie erzählen aus der Praxis.
© ZVA-Akademie

Wie geht es nach dem Studium weiter? Hat sich der Aufwand gelohnt? Wir haben fünf ehemalige Studenten der ZVA-Akademie gefragt, mit welchen Voraussetzungen und Erwartungen sie ins Studium gestartet sind, was ihre Motivation für ein Studium war und was sie heute machen.

Zuviel wissen kann man nicht! 

Sebastian Lienz
Sebastian Lienz. ©Privat

„Ich bin seit 1998 in der Augenoptik tätig und habe mich vom Gesellenabschluss 2001 über den Meister 2006 zum Optometristen (HWK) 2017 immer weitergebildet. Seitdem ich Geselle bin, habe ich in der Lehre gearbeitet – Ausbildungsbegleitende Hilfen für Augenoptiker, Physikunterricht für die Ausbildung zum Medizinisch-Technischen Laborassistenten und meine Tätigkeit als freiberuflicher Dozent an der HWK Dortmund in Augenoptikermeisterlehrgängen sind dabei nur einige Stationen. Ich würde mich als ,Augenoptikerhybrid‘ aus Theorie und Praxis bezeichnen. Der Bachelorabschluss hat mir meine derzeitige Anstellung als Technischer Lehrer am Berufskolleg ermöglicht. 

Durch die Kooperation zwischen dem ZVA-Bildungszentrum mit der FH Aachen habe ich mir vor Studienbeginn erhofft, neue Themengebiete auch über die Augenoptik hinaus zu erschließen. Vor dem Studium ist nach dem Studium – lebenslanges Lernen wird oft als Floskel abgetan. Aus meiner Sicht ist die Neugier auf neue Lerninhalte aber unumgänglich. Außerdem: zuviel wissen kann man nicht. Meine Erwartungen an das Studium haben sich letztlich voll und ganz erfüllt: Ich kann den Auszubildenden nun noch mehr interessante Bereiche anteasern.“ 

Sebastian Lienz (38) ist seit 2010 verbeamteter Werkstattlehrer am Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg in Duisburg.

Verstehen, was im Auge passiert 

Svenja Nienhaus
Svenja Nienhaus. ©Privat

„Ich habe nach dem Abitur meine Ausbildung zur Augenoptikerin absolviert und anschließend ein Jahr lang als Gesellin im Sehzentrum in Kevelaer gearbeitet. Im ZVA-Bildungszentrum habe ich berufsbegleitend die Meisterausbildung angeschlossen und den Bachelor of Science Optometrie an der EAH Jena. Für mich stand immer der Mensch im Vordergrund, ich wollte ganzheitlich Kunden versorgen und beraten. Eine Refraktion mit schwachem Visus, herabgesetztem Kontrastsehen oder starke Sehschwankungen waren für mich immer eine Herausforderung, auf die Suche zu gehen. Die Spaltlampe gehörte für mich früh zum Beruf des Augenoptikers dazu, sie ist das A und O, wenn es um die Augenuntersuchung geht. Ich wollte immer schon verstehen, was im Auge passiert und nicht nur Brennlinien durch einen Sehtest verschieben. 

Dafür fehlte mir das medizinische Wissen, sodass ich mich für das Optometrie-Studium entschieden habe, bei dem der Meister eine Zwischenprüfung war. Heute habe ich die „Fronten“ komplett gewechselt und arbeite als Medizinische Assistentin für einen Netzhautchirurgen, außerdem halte ich wissenschaftliche Vorträge auf Kongressen und bin Mitarbeiterin im Forschungsinstitut der Internationalen Innovativen Ophtalmochirurgie. Das Studium habe ich geliebt und mich deshalb auch nach meiner spannenden Erfahrung in der Welt der Augenheilkunde für den Masterstudiengang in Jena entschieden, wo ich berufsbegleitend weiter klinische Optometrie studiere.“

Svenja Nienhaus (30) arbeitet als Medizinische Assistentin bei Netzhautchirurg Dr. Kaymak, MVZ Breyer Kaymak Klabe, Netzhautzentrum in Düsseldorf Oberkassel.

Sicherer bei dem, was ich tue 

Jana Orlob
Jana Orlob. ©Privat

„Meinen Meister in der Augenoptik habe ich 2003 in München gemacht. Danach habe ich erst in Deutschland, dann acht Jahre lang auf Zypern gearbeitet und bin nun seit sechs Jahren in der Schweiz tätig. Direkt vor dem Bachelor of Science habe ich außerdem noch den Titel Optometrist (ZVA) erworben. Meine Motivation für das Studium war es, mich nach langer Tätigkeit als Meisterin weiterzubilden und wissenstechnisch auf den aktuellsten Stand zu bringen – insbesondere im medizinischen und optometrischen Bereich, da dies 2003 nur in geringem Maß Teil der Meisterausbildung war. Außerdem habe ich eine persönliche Herausforderung gesucht. Ich habe vor allem in Zypern festgestellt, dass der Meister außerhalb des deutschsprachigen Raums keine Anerkennung findet, daher war es mir wichtig, einen international anerkannten Abschluss zu erlangen. 

Seit einigen Jahren arbeite ich nun überwiegend im Bereich der Kontaktlinsenanpassung, wo ich auch meine Leidenschaft als Optikerin sehe. Eine bewusste Änderung meiner Tätigkeit nach dem Studium habe ich nicht angestrebt, mir ging es hauptsächlich darum, mich mit dem neuen Hintergrundwissen sicherer zu fühlen bei dem, was ich tue. Das Studium hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber auch viel abverlangt und nach langer Lernpause zum Teil an neue Grenzen gebracht. Ich würde es jederzeit wieder so machen und kann den Studiengang weiterempfehlen, im Idealfall jedoch direkt nach der Meisterschule.“

Jana Orlob (40) hat acht Jahre lang auf Zypern als Augenoptikermeisterin gearbeitet und ist seit 2013 als Kontaktlinsenanpasserin in der Schweiz tätig.

Tag für Tag aufs Neue 

Oliver Fässler
Oliver Fässler©Privat

„Ich habe meine Ausbildung zum Augenoptikergesellen 2009 abgeschlossen und danach drei Jahre in verschiedenen Bereichen in Augenoptik-Fachgeschäften gearbeitet. 2012 habe ich mich für eine Weiterbildung entschieden. Da ich jedoch nicht genau wusste, ob ich die Ausbildung zum B. Sc. Augenoptik/Optometrie in der Schweiz oder im Ausland machen möchte, habe ich zuerst die in der Schweiz notwendige einjährige technische Berufsmatura absolviert. Da der Bachelorstudiengang in Knechtsteden berufsbegleitend angeboten wurde, habe ich mich schließlich dafür entschieden. 

Mit dem Studium wollte ich mir ganz klar die Fähigkeiten für Refraktion, Kontaktlinsenanpassung und Betriebsführung aneignen. Zudem wollte ich mir mit dem Bachelortitel die Möglichkeit für eine allfällige Selbstständigkeit oder eine Stelle in der Geschäftsführung schaffen. Am Studiengang gefiel mir von Anfang an die Vertiefung der medizinischen Aspekte. Nach dem Studium habe ich eine Stelle als stellvertretender Geschäftsführer in einem kleinen Augenoptiker-Fachgeschäft gefunden und bin für Refraktion, Kontaktlinsenanpassung sowie Personalführung, Ausbildung und Marketing mitverantwortlich. Nach dem Abschluss fühle ich mich top motiviert, meine gewonnenen Kompetenzen und Fähigkeiten Tag für Tag aufs Neue anzuwenden und meinen Kunden die bestmögliche Beratung zu bieten. Für mich hat sich das Studium in jedem Fall gelohnt.“

Oliver Fässler (29) arbeitet in der Schweiz als stellvertretender Geschäftsführer in einem kleinen Augenoptiker-Fachgeschäft.

Ich wollte beruflich weiterkommen 

Damiana Rüttimann
Damiana Rüttimann ©Privat

„Ich habe die in der Schweiz übliche vierjährige Berufslehre zur Augenoptikerin gemacht. Danach habe ich ein weiteres Jahr als Augenoptikerin gearbeitet und anschließend mit dem berufsbegleitenden Studium Bachelor of Science in Augenoptik und Optometrie begonnen. Da mich während der Ausbildung insbesondere die anatomischen und pathologischen Fächer sehr interessiert hatten, war mir bereits nach Beendigung der Lehre klar, dass ich mein Wissen in diesem Bereich noch vertiefen möchte. Zudem wollte ich beruflich weiterkommen und das vertiefte Wissen berufsbegleitend im Optikerbetrieb, in dem ich gearbeitet habe, anwenden können. Ich hatte das Glück, dass mein Arbeitgeber sehr viel Wert auf eine gute optometrische Untersuchung bei den Kunden gelegt hat und ich somit mein neu gewonnenes Wissen direkt anwenden konnte. Ich habe von meinem Studium die Vertiefung und Erweiterung meines Wissens erwartet, um mehr Sicherheit bei den Kunden und Patienten zu erlangen. Meine Erwartung an die berufliche Tätigkeit nach dem Studium war, dass ich durch das erweiterte Wissen zusätzliche Aufgaben und Untersuchungen vornehmen kann.

Seit vier Monaten arbeite ich jetzt in einer Augenklinik, bei der ich das im Studium erlernte Wissen im alltäglichen Beruf noch besser anwenden und einbringen kann. Während der fast fünfjährigen berufsbegleitenden Tätigkeit in einem spezialisierten Optometrie-Geschäft hatte ich zum größten Teil mit gesunden Augen zu tun. Bei meiner jetzigen Tätigkeit ist es genau umgekehrt: Hier sehe ich Patienten mit pathologisch auffälligen Augen, kann bei Behandlungen mit dabei sein und die Heilungsprozesse beobachten. Das Studium an der ZVA-Akademie und der FH Aachen hat meine Erwartungen erfüllt. Man hat danach mehr Sicherheit in den verschiedensten Bereichen. Zudem kann ich die verschiedenen Ansätze besser erkennen und auch nachvollziehen. Dank dem besseren und erweiterten Grundwissen kann ich jetzt, nach dem Studium, wenn ich einen Fachartikel lese bzw. studiere, Inhalte viel besser verstehen und dieses Wissen auch in der Augenklinik anwenden.“ 

Damiana Rüttimann arbeitet in einer Schweizer Augenklinik.


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