Schulungswoche am Hermann Pistor

Veröffentlichungsdatum: 
17.03.2020
Autor:
Ann-Katrin Zellner
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Klasse der Fachschule Hermann Pistor stehen zusammen
Meisterschüler der Fachschule „Hermann Pistor“ in Jena
© Fachschule Hermann Pistor

Für ihre Meisterschüler hat die Fachschule „Hermann Pistor“ in Jena auch in diesem Jahr wieder Partner aus verschiedenen Bereichen der Augenoptik eingeladen. Eine Woche lang gab es für die Teilnehmer Wissen, Weiterbildung und Weitblick in die Branche. Sie fand Ende Februar statt, bevor die Schulen geschlossen wurden.

Doreen Willing, selbstständige Augenoptikermeisterin und Optometristin (HWK), welche sich selbst als „Unternehmerin im 4. Lehrjahr“ bezeichnet, hielt den ersten Vortrag. Ihr Konzept legt den Fokus auf die Bedarfsanalyse, die gesundheitliche Anamnese und auf optometrische Funktionsprüfungen. „Meine Arbeit beginnt mit dem Wohlbefinden des Kunden – deswegen wird mit jedem Kunden ein Termin vereinbart, um sich ihm voll und ganz widmen zu können.“ Mit einem warmen Getränk, das verkaufsanalytisch sehr positiv bewertet wird, geht bei Willing die Qualität vor Quantität. Dies zahlt sich finanziell bereits nach kurzer Zeit aus und so war es ihr möglich, eine Meisterin einzustellen und später im Jahr soll eine Gesellin folgen.

Hartmut Glaser, Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Vereinigung der Augenoptiker und Optometristen (WVAO), vermittelt den angehenden Meistern, dass der moderne Optiker nicht mehr nur „Verkäufer von Brillen“, sondern auch „Verkäufer von augenoptischen Leistungen“ ist, denn Optometrie und Funktionaloptometrie werden immer wichtiger. Den letzten Vortrag hielt Rüdiger Lenz, Augenoptikermeister, Optometrist und Hörgeräteakustiker aus Bautzen. Er bezieht seine Kunden als Ganzes ein: selbst Gang, Haltung und Verhalten des Kunden wirken sich auf das Sehen aus, was nicht immer mit den klassischen Mitteln zu verbessern ist. Durch Sehtraining könne man auch sehr viel erreichen, daher animierte der Referent mit seiner lockeren lustigen Art die Schüler dazu, bei den Testen des Visualtrainings mitzumachen. Zur Erinnerung erhielt jeder Fachschüler noch ein Buch zum Thema.

Kontaktlinsenanpassung und Unternehmensstruktur

Gudrun Westenberger von der Essilor referierte über Gleitsichtgläser und Risikofaktoren bei deren Anpassung. Die Jungmeister sollen nach ihrem Abschluss Fehlanpassungen und Reklamationen vermeiden können. Außerdem stellte sie den neuen Glastyp „Eyezen Start“ vor, ein Glas für junge Leute, die digitale Medien intensiv nutzen. Vanessa Wahl von Hecht Contactlinsen brachte den Schülern die formstabilen Multifocallinsen näher. So verdeutlichte sie die Voraussetzungen zum Tragen, die Grundprinzipien des Aufbaus und auch die verschiedenen Materialien und rundete das Thema mit Tipps zur optimalen Pflege ab. Mit der Kontaktlinsenanpassung ging direkt weiter: Benjamin Reutzel und Christian Hoffmann von Wöhlk Contactlinsen teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen und brachten ihnen Theorie und Praxis zur Anpassung weicher Individuallinsen bei.

Finanzmanagement und Existenzgründung: Jens Trinter, Finanzberater und Geschäftsstellenleiter MLPAG Jena, verdeutlichte den angehenden Meistern, wie wichtig die innere Einstellung ist und sie erarbeiteten sich die sinnvollsten Tipps rund um das Thema Bewerbung. Die Selbst- und Fremdanalyse zeigte ihnen, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können. Ruth Weissmann, Geschäftsführerin LoQu Optical Group, gab einen Einblick in das Thema „Führen ist kein Leichtgewicht“. Sie zeigte die Unternehmensstruktur eines Filialbetriebes und die verschiedenen Konzepte, mit denen das Unternehmen arbeitet. Im Teamwork wurden die Themen wie „Wertebezogenes Führen“, „Zielverarbeitung und Mitarbeitergespräche“ und „Die Rolle des Geschäftsführers“ aufgearbeitet und gemeinsam ausgewertet.

Sehhilfen und Laser-Verfahren

Von seinem Projekt „Eye Care Center“ in Kamerun erzählte Michael Arzt. Sein Ziel liegt darin, es der älteren Bevölkerung zu ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und dafür zu sorgen, dass sie nicht vereinsamen. Eine günstige Brille soll das Sehen verbessern und die Situation vereinfachen. Das „Eye Car Center“ wurde mithilfe vieler Spenden und günstigen Käufen ausgestattet. Absolventen der Fachschule halfen bei der Vorbereitung: Instandsetzen von Geräten, Ausmessen der gesammelten Brillen und beim Sichten und Sortieren der zahlreichen Spenden. Momentan liegt das Projekt jedoch auf Eis, da sich Kamerun im Bürgerkrieg befindet.

Vergrößernde Sehhilfen ist auch das Thema von Günther Lindemann aus Jena, selbstständiger Anpasser derselben. Er ist überzeugt, dass man älteren Menschen mit Sehbehinderung die Sehunterstützung zu Hause in der gewohnten Umgebung anpassen soll. Welche Unterstützung für welchen Visus, über die Zusammenarbeit mit Augenärzten und Krankenkassen sowie die Voraussetzungen für die Anpassung vergrößernder Sehhilfen erklärte der Anpasser anschaulich. Er brachte Lupen, Lupenbrillen, Bildschirmgeräte und Vorlesegeräte zum Ausprobieren mit.

André Böttger und Sarah Meyer von der Care Vision Augenlaserkorrekturen besprachen mit den Jungmeistern, dass das Lasern eine gleichwertige Korrektionsmöglichkeit zur Brille und den Kontaktlinsen sei. Sie verdeutlichten ihnen die verschiedenen Laser-Verfahren und die Varianten zum Austausch der Augenlinse. Lasern ist relativ eingeschränkt und ein gründliches Vorgespräch, ob der Kunde dafür geeignet ist, ist unerlässlich, ebenso wie die Nachsorge.

Holzbrillen und Kontrastsehen

Ein selbstständiger Tischlermeister aus Brandenburg übernahm den letzten Tag. Stephan Leja verliebte sich vor Jahren in Holzbrillen und nutzte sein Fachwissen über Holz, um diese zu fertigen und immer weiterzuentwickeln. Er gab einen leidenschaftlichen Einblick in das Material, die Fertigung und Risikofaktoren. Zudem führte er Möglichkeiten vor, wie die Holzbrille langlebig, anpassbar und vielfältig sein kann. Seine Brillen sind individuelle Fertigungen, welche kundenpassend gebaut werden können. Sie sind handgefertigt und haben durch eine optimierte Oberflächenverarbeitung eine gute Verträglichkeit.

Bernd Papstdorf von Eschenbach Optik gab sein gefestigtes und tiefgehendes Wissen in seinem Vortrag über Kontrastsehen weiter. Dies war ein Wunsch der Meisterschüler, um ihn mit Fragen zum umfangreichen, aktuell im Unterricht besprochenen Thema löchern konnten. So wurde ihnen klar, dass Kontraststeigernde Brillengläser und Kantenfilter mehr mit der Augengesundheit zu tun hat, als den meisten Kunden bewusst ist.

Fazit

„Wir möchten uns ganz herzlich bei allen beteiligten Referenten für ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Bereitschaft danken, die sie uns zukommen ließen. Nun liegt es an uns, die Fülle an Gelerntem aus dieser Woche mit in unsere berufliche Zukunft zu nehmen und anzuwenden! Wir hoffen, es hat Ihnen so viel Spaß gemacht wie uns und das der folgende Meisterjahrgangdarf Sie wieder bei uns begrüßen darf!“

Autorinnen: Julia Brose und Michelle Röhr FSAO 18