Kanada: Auslandsemester im Land des Ahornblattes

Veröffentlichungsdatum: 
28.02.2020
Autor:
Ann-Katrin Zellner
Rubrik
School of Optometry and Vision Science, University of Waterloo
Die School of Optometry and Vision Science an der University of Waterloo.
© University of Waterloo

Während eines Auslandssemesters sammeln die Studierenden eine Menge neuer Erfahrungen und erweitern ihr Fachwissen. Dafür haben sie von der Hochschule Aalen die Möglichkeit, im Modul "Internationale Optometrie" ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen. Dorothee Bandle, Robert Behrens, Yvette Lenz, Louise Raudzus und Denise Wetzel entschieden sich für Kanada. Hier erhielten sie einen neuen Einblick in die Welt der Optometrie und wurden sich des Unterschieds zwischen den Lehrinhalten und den Kulturen bewusst.

"Ein Studiensemester im Ausland zu absolvieren ist ein großer Schritt, der sich lohnt." Mit diesen Worten absolvierten die fünf ihr Auslandsemester in Kanada - von März bis August 2019 waren sie an der University of Waterloo. Den Großteil ihrer Zeit verbrachten sie mit der Arbeit an unterschiedlichen Research-Projekten. Zwei von ihnen arbeiteten im Centre for Ocular Research and Education (CORE) unter der Leitung von Lyndon Jones, die anderen drei mit unterschiedlichen Professoren der University of Waterloo zusammen. Zusätzlich besuchten die Studenten Kurse der School of Optometry and Vision Science und bekamen so einen tieferen Einblick in die Optometrie in Kanada.

Unterschied Optometrie in Deutschland und Kanada

In Kanada ist der Optometrist, ähnlich wie in den USA, ein eigenständiger Berufszweig. Er arbeitet eng mit dem Ophthalmologist, dem Augenarzt, welcher Operationen durchführt, und dem Optician, der Brillen verkauft, anpasst und Gläser einschleift, zusammen. Der Optometrist ist nicht nur in der Lage Refraktionen durchzuführen und Kontaktlinsen anzupassen, sondern er diagnostiziert und behandelt auch Augenerkrankungen.

Während in Deutschland an den Hochschulen direkt nach dem Abitur mit dem Optometrie-Studium begonnen werden kann, müssen Studierende in Kanada vorher ein sogenanntes „undergraduate“ Studium abschließen. Dieses Studium dauert drei Jahre und umfasst allgemeine Fächer im Bereich der "Faculty of Science" wie Biologie, Chemie, Physik und Physiologie. Danach ist das vierjährige Studium mit Abschluss "Doctor of Optometry" möglich. Pro Jahr fallen Studiengebühren von etwa 18.000 CAD (ca. 12.000 €) an, im vierten Jahr sind es 24.000 CAD (ca. 16.500 €). Zusätzlich entstehen Kosten für Literatur und Equipment (z.B. für ein Skiaskop).

In den ersten beiden Jahren wird Grundwissen zu Anatomie, Physiologie, Erkrankungen und Technischer Optik vermittelt. Die Studiernden lernen das Refraktionieren und eine umfassende optometrische Versorgung der Patienten. Diese beinhaltet unter anderem die Erkennung binokularer Störungen, das Bestimmen von Augenerkrankungen und das Screening. Im dritten Jahr vertiefen die Studierenden ihr Wissen in Low Vision, Kinderoptometrie und medizinische Versorgung. Zudem lernen sie Kontaktlinsen anzupassen. Das vierte Jahr ist in zwei Trimester Praxiserfahrung aufgeteilt, in denen sie in Kliniken und bei Augenärzten arbeiten. Im dritten Trimester rotieren die Studierenden in den verschiedenen Kliniken der "School of Optometry and Vision Science" in Waterloo. Diese Kliniken decken die Bereiche Erstversorgung, Kontaktlinse, Low Vision, Kinderoptometrie, binokulares Sehen, Co-Management bei refraktiven Eingriffen, Geriatrie (Altersmedizin) und Elektrodiagnose ab. In diesen können die Studierenden viele Erfahrungen er unterschiedlichen Bereiche gewinnen, danach können sie besser über ihre Vertiefung im Studium entscheiden.

Research-Projekte

Bei der Arbeit mit dem CORE-Team konnten die Studierenden mit hochqualifizierten Personen an vielen interessanten Research-Projekten mitarbeiten. Sie bekamen Einblicke in klinische Studien und durfte bei Laborarbeiten mithelfen. Außerhalb der klinischen Studien und dem Labor wurde das Team durch die Bearbeitung von Administrativen- und Rechercheaufgaben unterstützt. Thematisch ergaben sich in klinischen Studien viele hochinteressant Bereiche: der Vergleich von Kontaktlinsen, Benetzungstropfen, trockene Augen, Lipid-Schicht des Tränenfilms (äußerste Schicht) und dessen Einfluss auf trockene Augen, Blinzelverhalten und vieles mehr. Im Labor wurde das Team von "OcuBlink" unterstützt. Es handelt sich hierbei um ein Modell eines Auges, an dem in vitro optometrische Tests durchgeführt werden können. Neben Messungen der Tränenfilm-Aufbruchszeit konzentrierte man sich hier größtenteils darauf, die Qualität und Stabilität des Tränenfilms zu verbessern. Das Team von CORE war für jede Frage offen und half den Studierenden, ihr Wissen in allen Bereichen, sei es bei klinischen Studien oder im Labor, um einen großen Teil zu erweitern.

Das Research-Projekt unter Leitung von Dr. Kristine Dalton umfasste eine Studie zum Thema Katarakt. Innerhalb dieser Studie wurden die Auswirkungen von Linsentrübungen auf die Sehfunktionen getestet. Sie führten unter anderem Messungen zu Visus und Kontrastempfindlichkeit durch. Diese Teste wurden unter normalen Lichtbedingungen, danach mit Blendlichtquelle und wenige Minuten später erneut durchgeführt. Außerdem ermittelten sie anhand eines Fragebogens die Diskrepanz zwischen subjektivem Empfinden und den tatsächlich gemessenen Daten. Die Studie hatte nicht nur ein aktuelles Thema als Grundlage, sondern hat einen direkten Einblick in den Ablauf und zu allen anderen wichtigen Dingen innerhalb einer Studie gegeben. Besonders positiv war die Arbeit mit den Studienteilnehmern, die alle sehr nett und aufgeschlossen waren, wodurch die Messungen leicht von der Hand gingen.

Studie über Lesefähigkeit

Dr. Luigina Sorbara bot ein Research-Projekt über Keratokonus und die Pentacam HR an. Um eine Keratokonus Progression besser zu erkennen, wurden viele Indizes und Parameter der Pentacam untersucht. Die Daten von Keratokonus Patienten mit und ohne Cross-Linking (Methode, um mit einer Quervernetzung die Hornhäute zu stabilisieren und das Fortschreiten des Keratokonus zu verhindern) aus zwei Messungen wurden gesammelt. Im Anschluss verglichen die Studierenden die Daten auf Unterschiede zwischen mit und ohne Cross-Linking sowie Unterschiede zwischen den beiden Messungen. In dieser Studie konnten die Studenten viel über Keratokonus und die Interpretation der Pentacam lernen.

In einer weiteren Studie wurde ermittelt, wie sich die Lesefähigkeit von Patienten mit makuladegenerativen Krankheiten mithilfe von Gehirnstimulation verbessern kann. Unter der Leitung von Prof. Ben Thompsons wurde zunächst ein Programm zur Ermittlung des peripheren Lesevermögens (Geschwindigkeit und Textgröße) für Normalsichtige geschrieben. Dies stellte die Grundlage, um die Behandlungsmöglichkeit zu testen. Im weiteren Verlauf des Semesters wurden dann Studienteilnehmer rekrutiert und die verschiedenen Arten der Stimulation und ihre Auswirkungen während und nach der Applikation geprüft. Für die Studenten war das wissenschaftliche Arbeiten und das Verständis, welchen Einfluss das Gehirn auf die Wahrnehmung hat, der spannenste Teil.

Lake Laurentian Kanada
Ein Ausflug zum Lake Laurentian schaffte eine wohlverdiente Pause. (© Robert Behrens)

Fazit

"Das Semester in Kanada bot uns die Gelegenheit, die Kultur eines anderen Landes kennenzulernen und unser Englisch aufzufrischen. Wir hatten die Möglichkeit, an spannenden wissenschaftlichen Research-Projekten mitzuarbeiten und die Optometrie kennenzulernen. Beeindruckt hat uns dabei vor allem die hochwertige und sehr medizinische Ausbildung der Optometristen in Kanada."

Autoren: Dorothee Bandle, Robert Behrens, Yvette Lenz, Louise Raudzus, Denise Wetzel