Fast Fashion: nachhaltiger Brillenkonsum von Ace & Tate?

Veröffentlichungsdatum: 
17.02.2020
Autor:
Daniela Zumpf
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Ace & Tate in Freiburg
Stylisch, modern, hipp: Ace & Tate setzt die Brille gekonnt in Szene.
© Ace & Tate

Bummel durch die Einkaufsstraße. Ein kleiner Sprung zu H&M, Zara, Primark oder in eine andere Filiale der Modekette „unseres Vertrauens“. Und: „Oh, ein hübsches T-Shirt. Passt mir vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber kostet nur fünf Euro.“ Wer noch nie ein Shirt für fünf Euro gekauft hat, der werfe den ersten Stein! Seit längerem gehört auch die Korrektionsbrille zum Fast-Fashion-Kreislauf.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Absatz neuer Kleidung mehr als verdoppelt. Wöchentlich werfen große Modeketten neue Kollektionen auf den Markt. Zara bringt zum Beispiel 24 neue Kollektionen pro Jahr in die Läden, H&M zwischen 12 und 16. Sie produzieren immer schneller, immer billiger. Der Trend heißt Fast Fashion. Durch diese günstigen Preise und die vielen Kollektionen entwickelt der Konsument eine „Wegwerf-Mentalität“. Ein Trend, der sich auch auf den Brillenkonsum auswirkt.

Auf spiegel.de beschreibt die Autorin Nike Laurenz wie sie versucht, nachhaltig zu leben, aber beim Brillenkauf daran scheitert. „Billigbrillen, die konsumiere ich völlig ohne nachzudenken“, erklärt Laurenz. Möglich mache es die niederländische Kette Ace & Tate, die Fassungen mit Gläsern ab 98 Euro anbietet. Ähnliche Geschäftskonzepte verfolgten auch andere Filialisten: „Günstige Brillen gibt es mittlerweile auch bei Apollo, Eyes+More, sogar in Drogeriemärkten.“ Auf Anfrage der Spiegel-Redakteurin erklären die Niederländer: „Das Unternehmen sei nicht nachhaltig. Aber man arbeite daran.“

Brillenkonsum: noch kein kollektives Problembewusstsein entwickelt

Einige Fassungen von Ace & Tate bestünden aus Bio-Acetat, dem aber chemische, nicht abbaubare Weichmacher beigemischt würden. Produziert werde in den Niederlanden, in Italien, China und Thailand. Man habe unter anderem Tüten verbannt, lasse Putztücher aus recycelten Flaschen und Jutebeutel aus fair gehandelter Baumwolle herstellen, heißt es.

Das Fazit der Autorin: „Ich horte Billigbrillen, die vielleicht ein bisschen nachhaltig sind. Was mit großer Wahrscheinlichkeit aber bedeutet, dass sie es mindestens auch ein bisschen nicht sind.“ Laurenz stellt sich die Frage nach ihrer eigenen Widersprüchlichkeit zwischen modischem Aussehen und Nachhaltigkeit. Warum die Autorin, die ansonsten auf ihren ökologischen Fußabdruck achtet, beim Thema „Brillen“ nahezu ignorant agiert, erklärt der Konsumforscher Jan Logemann damit, dass große Textilkonzerne mit ihrer Bekleidungsproduktion unter teils fragwürdigen Bedingungen schon in Verruf gekommen sind, aber mit dem Brillenkonsum habe sich das kollektive Problembewusstsein noch nicht beschäftigt.