Erste Hornhauttransplantation mit iPS-Zellen

Veröffentlichungsdatum: 
19.11.2019
Autor:
Ann-Katrin Zellner
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Auge mit braun grüner Iris
Die Hornhauttransplantation zählt zu den häufigsten Gewebetransplantation.
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Mediziner aus Japan transplantierten einer Patientin Hornhautgewebe, welches aus gezüchteten Stammzellen aus dem Labor entstanden ist, berichtete der Deutschlandfunk. Diese Zellen heißen iPS-Zellen und sind ausgereifte Körperzellen, die in der Laborschale zu Stammzellen zurückprogrammiert wurden. Der Japaner Shin'ya Yamanaka erhielt für dieses Verfahren im Jahr 2012 den Medizin-Nobelpreis und löste damit einen weltweiten iPS-Forschungsboom aus.

Hornhauttransplantationen zählen zu den häufigsten Gewebetransplantationen – viele Menschen erhalten so ihr Sehvermögen zurück", sagt Claus Cursiefen, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde an der Kölner Uniklinik. Das Team um den japanischen Augenarzt Kohji Nishida züchtete aus iPS-Zellen Zellen die äußerste Schicht der Hornhaut – diese Epithelzellen wurden einer Frau in den Vierzigern vor wenigen Monaten an der Osaka University (Japan) im linken Auge eingepflanzt. Bei ihr erneuerte sich die Hornhaut nicht mehr von selbst und sie sah verschwommen. Der Patientin gehe es gut und sie könne wieder besser sehen, verkündete Nishida wenige Wochen nach der Operation. Ende des Jahres will er einen zweiten Patienten operieren.

Spendermangel bei Hornhäuten

„Auch bei der Hornhauttransplantation gibt es einen Spendermangel. Der ist nicht ganz so schlimm wie bei den Organen, weil wir die nicht durchblutete Hornhaut über längere Zeit postmortal entnehmen können. Insofern wäre das ein riesen Fortschritt, wenn man die Hornhaut aus iPS-Zellen züchten könnte. Uns stehen dann noch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung: Man könnte vielleicht irgendwann auch mal die Netzhaut regenerieren“, zeigt sich Cursiefen begeistert. Es könnte in Zukunft die Hornhautspenden Verstorbener überflüssig machen.

Die Vision, irgendwann aus den iPS-Zellen eine Hornhaut mit allen Schichten zu regenerieren und diese dann zu transplantieren, wird von Augenarzt Nishida weiterverfolgt. Auch sonst nutzen japanische Ärzte diese Therapieform: so laufen gerade weltweit klinische Studien, bei denen Patienten mit verschiedenen Erkrankungen gezüchtete Stammzellen erhalten - doch bis zur körpereigenen Stammzelltherapie braucht es noch mehr Forschung und Zeit.