Brillenkönig Günther Fielmann wird 80

Veröffentlichungsdatum: 
13.09.2019
Autor:
Daniela Zumpf
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Fielmann Günther Sophie Luise und Marc
Günther Fielmann (Mi.) mit seinen Kindern Sophie Luise und Marc.
© Carsten Milbret

Der Firmengründer Günther Fielmann feiert am 17. September 2019 seinen 80. Geburtstag. Angefangen mit einem Augenoptikgeschäft in Cuxhaven hat er ein Konzern geschaffen sowie die – wie er selbst es formuliert – Brillenmode demokratisiert und mit dem Brillenchic zum Nulltarif 1981 die Diskriminierung per Kassenbrille abgeschafft. Heute ist die Fielmann AG Marktführer im deutschsprachigen Raum, betreibt über 740 Niederlassungen in 14 europäischen Ländern und beschäftigt mehr als 19.000 Mitarbeiter.

Nach der Ausbildung zum staatlich geprüften Augenoptiker und Augenoptikermeister wechselte er in die Industrie, sammelte Erfahrungen beim französischen Glashersteller Essilor und dem damals zweitgrößten Augenoptikkonzern der Welt, Bausch & Lomb.

1972 eröffnet Fielmann erstes Geschäfft

Die augenoptische Branche dieser Zeit war kartellähnlich organisiert. Anfang der 70er Jahre sahen augenoptische Fachgeschäfte aus wie Apotheken, Brillen waren in Schubladen versteckt. Die Augenoptiker trugen weiße Kittel. Wer sich keine teure Brille leisten konnte, musste mit einer Kassenbrille vorliebnehmen.  

1972 eröffnete Fielmann sein erstes Augenoptikgeschäft in Cuxhaven: Offen präsentierte Fielmann seine große Auswahl an Brillen und Fassungen in Metall und Kunststoff. Erstmals konnten Kunden ihre Brille selbst wählen. Den Großhändler sparte Fielmann aus, kaufte schon bald direkt beim Hersteller. Kostenvorteile gab er weiter an seine Kunden, auf hohe Aufschläge verzichtete er. Das sprach sich schnell herum. Die Kundenzahl stieg, Fielmann expandierte.

Fielmann: Demokratisierung der Brillenmode

1981 schloss er mit der AOK Essen einen Sondervertrag, der die Branche grundlegend revolutionierte. Statt wie bisher auf acht Kassenmodelle erhielten Kassenpatienten jetzt Anspruch auf 90 hochwertige Brillen in 640 Farb- und Materialvarianten ohne Preisaufschlag. „Die Einführung des Nulltarifs beendete die Diskriminierung per Sozialprothese“, wie es in einer Fielmann-Pressemitteilung heißt.

Als die Mauer fiel fokussierte er sich auf die neuen Bundesländer. 1990 schloss er einen Sondervertrag mit der Sozialversicherung der DDR. Schon vor der Wiedervereinigung hatten so auch die Menschen in Ostdeutschland Anspruch auf Fielmann-Brillen zum Nulltarif. Kurz darauf kaufte und modernisierte er die ehemaligen „Rathenower Optische Werke ROW“ in Brandenburg und sicherte die Zukunft des Standortes.

Fielmann legt großen Wert auf Ausbildung

1994 erschloss Fielmann mit dem Börsengang den Kapitalmarkt, konnte das Wachstum noch weiter beschleunigen. Die Fielmann-Aktie wurde die erfolgreichste Neuemission des Jahres. Bis Ende 2018 legte ihr Wert um mehr als 1.000 Prozent zu.

2002 erwarb Fielmann das unter Denkmalschutz stehende Schloss Plön vom Land Schleswig-Holstein und eröffnete dort – nach aufwendiger Restaurierung des Renaissance-Baus – die Fielmann Akademie Schloss Plön. In der größten augenoptischen Bildungsstätte bildet Fielmann jedes Jahr mehr als 7.000 Augenoptiker aus und weiter. Die Akademie steht im Rahmen der Meisterbildung und der Kolloquien auch externen Augenoptikern offen.

Sohn Marc übernimmt Fielmann

Günther Fielmann hat zwei Kinder aus der Ehe mit Dr. Heike Fielmann: Sophie Luise (25) und Marc Fielmann (30). Während Sophie Fielmann Neuropsychologie am University College in London studiert, ist Marc Fielmann bereits seit 2012 im Unternehmen tätig. Die Nachfolge im Familienunternehmen plante Günther Fielmann von langer Hand. Marc Fielmann stieg 2016 in den Vorstand auf und leitet seit 2018 das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater. Anfang 2019 hat Günther Fielmann sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und auch die Verantwortung für die Unternehmensstrategie an seinen Sohn übertragen und so die Weichen für die Zukunft gestellt.

Günther Fielmann setzt sich ein im Umwelt- und Naturschutz, begleitet über langfristig angelegte Monitoring-Programme Projekte in Medizin und Forschung, ist aktiv in der Denkmalpflege, unterstützt Kindergärten und Schulen und fördert den Breitensport.