Branchenzahlen: schwierige Zeiten für kleine Betriebe

Letzte Änderung: 
27.03.2018
Autor:
Judith Kern
Thomas Heimbach
Die Branchenzahlen für das Jahr 2017 wurden auf der ZVA-Mitgliederversammlung von Thomas Heimbach vorgestellt.
© ZVA

Stückzahlen und Umsatz steigen in der augenoptischen Branche Jahr für Jahr. Das belegten die bei der Mitgliederversammlung des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) am 10 und 11. März in Potsdam bekannt gegebenen Branchenzahlen. Und obwohl es dem Onlinehandel nicht gelingt, den stationären Kollegen aufgrund ihrer eigenen Statistiken richtig Angst einzujagen, gibt es etliche Indizien dafür, dass sich viele der mittelständischen Augenoptiker in schwierigen Zeiten befinden.

Allgemein betrachtet wuchs der Gesamtbranchenumsatz in der Augenoptik im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 5,86 Mrd. Euro netto. Insgesamt verkauften die stationären Betriebe 11,91 Millionen Brillen, was einer moderaten Steigerung um 0,5 Prozent gegenüber 2016 entspricht. Die Brillenoptik ist nach wie vor das Hauptgeschäft der stationären Betriebe, ihr Anteil am Gesamtbranchenumsatz stieg 2017 auf 80 Prozent. Bei der Kontaktlinsenoptik (7,1 %) und Handelsware (10,1 %) sind die Umsatzanteile leicht geschrumpft.

Kleine Betriebe "werden vom Markt verschwinden"

An der Zahl der augenoptischen Fachgeschäfte ist die schwierige wirtschaftliche Lage möglicherweise besser zu erkennen, denn sie nimmt seit 2013 kontinuierlich ab. Während aber in den vergangenen Jahren die Kurve nur leicht abfiel, deutete der ZVA in diesem Jahr eine deutlichere Zäsur an. In der derzeitig geschätzten Zahl von 11.700 Betrieben verbergen sich immer mehr Filialisten und zunehmend weniger inhabergeführte Betriebe. Der ZVA prognostiziert für die Jahre von 2012 bis 2020 einen Rückgang der Betriebsstätten von insgesamt von 1.500 Stück; demnach dürften in diesem und den folgenden zwei Jahren noch einige Geschäfte schließen.

Diejenigen, denen es auch heute noch gut geht, möchten laut einer ZVA-Umfrage in diesem Jahr in Geräte und in ihr Serviceangebot vorzugsweise mit optometrischen Dienstleistungen investieren. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmer erwarteten auch erneut eine Umsatzsteigerung. Das ist bemerkenswert, denn laut Erfa-Light-Zahlen des ZVA haben die Teilnehmerbetriebe in den vergangenen elf Jahren einen Stückzahlrückgang bei Brillen von 16,7 Prozent hinnehmen müssen, und auch das durchschnittlich in dieser Zeit erwirtschaftete Umsatzplus von 7,8 Prozent hebt „noch nicht einmal die Inflation auf. Die großen Betriebe schauen positiv in die Zukunft, die kleinen Betriebe aber haben in den vergangenen Jahren nicht investiert und investieren auch in Zukunft nicht. Sie werden vom Markt verschwinden“, erklärte Thomas Heimbach, ZVA-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des ZVA-Betriebswirtschaftsausschuss.

Beim Online-Handel mit Brillen setzte sich der Trend fort, dass viele der Anbieter dazu übergehen, auch stationär Brillen zu verkaufen. Insgesamt wurden über Online- und Multichannel-Vertriebswege 2017 etwa 830.000 Brillen verkauft, knapp acht Prozent mehr als 2016. Der Gesamtumsatz in diesem Segment hat mit einem Plus von etwa sechs Prozent gegenüber den Vorjahren beim Wachstum an Dynamik verloren. Der Anteil am Gesamtbranchenumsatz beträgt laut ZVA 4,3 Prozent. „Der Onlinehandel macht keine Stückzahlen, das machen Fielmann und Apollo“, sellte Heimbach fest. Keine neue Erkenntnis, aber eine, die vielen inhabergeführten Betrieben das Leben immer schwerer macht.