Betrugsfall bei Fielmann - Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Veröffentlichungsdatum: 
19.12.2019
Autor:
David Friederichs
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Fielmann Filiale in Trier
Die Kieler Staatsanwaltschaft hat Anklage in einem Betrugsfall bei Fielmann erhoben.
© Shutterstock/Sergej Lebedev

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Anklage gegen sieben Beschuldigte wegen eines Betrugsfalls bei Fielmann erhoben. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, über einen ehemaligen Firmenmitarbeiter Sponsoring- und Marketingmaßnahmen in Millionenhöhe abgerechnet zu haben, die zum Teil gar nicht erfolgt sind.

Die Liste der Vorwürfe ist dabei lang: gewerbs- und bandenmäßiger Betrug, gewerbsmäßige Untreue und gewerbsmäßige Bestechlichkeit. Die Vorwürfe sind allerdings nicht neu: Schon Anfang 2018 waren die Ermittlungen aufgenommen worden, der Zeitraum des Betrugs liegt zwischen 2012 und 2015. Schon damals hatte Fielmann den Behörden zugesichert, "vollumfänglich und vertrauenswürdig" zu kooperieren. In dieser Zeit sollen die Angeklagten über einen Fielmann-Mitarbeiter insgesamt rund 6,5 Millionen Euro für Sponsoring-Beiträge abgerechnet haben, zumindest ein Teil davon soll unberechtigt erfolgt sein. Die tatsächliche Schadenshöhe lässt sich erst berechnen, wenn Fielmann Akteneinsicht erhalten hat.

Bestechung im Wert von 370.000 Euro?

Im konkreten Fall werden den Beschuldigten folgende Taten zur Last gelegt: Von zwei Fimen seien Rechnungen bei der Fielmann AG eingereicht worden. Diese bezogen sich laut Bieler auf Sponsoring- und werbewirksame Maßnahmen im Bereich des Sports. Zumindest Teile dieser Leistungen seien aber gar nicht erbracht, gleichwohl die Rechnungen aber bezahlt worden. Fielmann sei dadurch ein immenser Schaden entstanden. Abgesegnet wurden die Rechnungen vom ebenfalls angeklagten ehemaligen Fielmann-Mitarbeiter. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Als Gegenleistung habe er für sich und weitere Personen aus seinem Umfeld Reisen, Schmuck, Elektroartikel oder Handwerkerleistungen im Wert von 370.000 Euro erhalten.

Aufgefallen waren die Unregelmäßigkeiten im Rahmen eines Controllings. "Die Ermittlungen haben sich äußerst aufwendig gestaltet. Alleine die Verfahrensakten umfassen 20 Umzugskartons, hinzu kommen 200 Umzugskartons mit Beweismaterial", sagte der Oberstaatsanwalt Alex Bieler. Die Anklageschrift umfasst 1.000 Seiten. Sollte die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen werden, könnte der Prozess wahrscheinlich im Sommer beginnen.

Auf DOZ-Nachfrage erklärt Fielmann: „Wir begrüßen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Fielmann wird Akteneinsicht beantragen und behält sich vor, als Nebenkläger aufzutreten.“